Der sogenannte "Schalstreit" hat im Vorfeld des Endspiels um den DFB-Pokal für großen Wirbel gesorgt. Fakt ist, einen gemeinsamen Fanschal mit dem Logo der Vereine SC Freiburg und RB Leipzig - wie es ihn oft bei großen Endspielen gibt - wird es in Berlin nicht geben und das hat Gründe.

Egal welche Mannschaft am Samstagabend den DFB-Pokal in die Höhe stemmt, auf dem Berliner Kudamm feiern die Fans im Anschluss friedlich Seite an Seite. Das ist gute Tradition bei DFB-Pokal-Endspielen. Auch die Fans des SC Freiburg und die Anhänger von RB Leipzig werden das - unabhängig vom Resultat -am Samstag wohl tun. 

Der Fanschal als Zeichen

Allerdings hat der Verzicht auf einen "partnerschaftlichen Schal" im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Sport-Club-Finanzvorstand Oliver Leki sagte im SWR. "Da war ich ein bisschen irritiert. Ich habe es etwas befremdlich gefunden, dass dann schweres Geschütz aufgefahren und uns Respektlosigkeit vorgeworfen wurde", so Leki zu den vorangegangenen Vorwürfen von RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Und Leki ergänzte: "Schön fand ich es nicht, weil am Ende reden wir über einen Schal."

Freiburg mache diese Schals "ohnehin relativ selten". Es müsse auch "Verbindung zwischen den Vereinen" und "eine hohe Akzeptanz bei den Fans" geben, begründete Leki weiter. Schon im Vorfeld zeigten sich eben genau die Fans beider Vereine angriffslustig. Während die Anhänger der Breisgauer die Entscheidung ihres Vereins unterstützten und jegliche Zusammenarbeit mit dem "Konstrukt" Leipzig jetzt und für die Zukunft untersagten, belegte die RB-Fangruppierung "Holy Bulls" die Diskussion mit den Worten kindisch und zynisch. 

Kaum verschiedener sein 

Fakt ist, der SC Freiburg will nicht auf einen gemeinsamen Schal mit RB. Und blickt man etwas genauer hin, dann wird deutlich, dass beide Vereine nicht unterschiedlicher sein könnten.

Dem Sportclub lässt sich schnell das Bild der grauen Maus anhängen  - wenig Medienaufmerksamkeit, wenig Glanz und in den letzten Jahren auch keine sportlichen Ausreißer mehr. Doch die Breisgauer haben schon längst ihre Nische gefunden. Trotz mehrerer Jahre in der Bundesliga ist der Verein auf dem Boden geblieben - nicht ohne Grund gilt der SC als der sympathische Klub aus dem Schwarzwald. Einen großen Anteil daran hat sicherlich Erfolgstrainer Christian Streich. Der 56-Jährige zählt schon jetzt mit seinen immer wieder klaren Statements zu den Kult-Trainern der Bundesliga-Geschichte. 

Sensationelle Saison

Doch vor allem aufgrund der sportlichen Erfolge in dieser Saison ist der SC in aller Munde. In der Liga haben die Breisgauer nur knapp die Teilnahme an der Champions League verpasst. Im Pokal winkt nun sogar der erste Titel der Vereinsgeschichte. Freiburg steht also kurz vor der erfolgreichsten Saison in der Vereins-Historie.

Ähnlich ergeht es in sportlicher Hinsicht dem Gegner im Pokalfinale. Erst 2009 gegründet,steht auch RB Leipzig vor dem ersten Titel. Die beiden bisherigen Finalteilnahmen gingen verloren - 2019 gegen Bayern und im vergangenen Jahr gegen Dortmund. 

Sportliche Parallelen

2016 sind Freiburg und Leipzig noch gemeinsam in die Bundesliga aufgestiegen, nun stehen sich beide Teams im Pokalfinale gegenüber. Vom Image der sympathischen Breisgauer kann der Ostklub aber nur träumen. Seit der Vereinsgründung wird RB von den Fan-Gruppierungen der anderen Vereine angefeindet - erst in den unteren Ligen, seit dem Aufstieg auch von den Bundesligisten. Als Hauptakteure stehen vor allem die Traditionsvereine im Fokus. Klubs wie Dortmund, Schalke oder Köln sehen Leipzig als Sinnbild des modernen Fußballs, der Kommerzialisierung. Also als das Feindbild schlechthin. 

Der Höhepunkt der Ausschreitungen gipfelte in einem Spiel im Jahr 2017. RB musste auswärts in Dortmund ran. Während die Gäste-Fans Richtung Stadion tummelten, bewarfen BVB-Anhänger auch Frauen und Kinder mit Flaschen und Steinen. Das Spiel rückte letztlich in den Hintergrund, der Skandal war perfekt.

Seitdem hielten sich die Ausschreitungen in Grenzen  - RB ist jedoch alles andere als beliebt. Noch immer sprechen viele Fangruppierungen dem Verein die Zugehörigkeit zum deutschen Profi-Fußball ab. Der Vorwurf: Der Ostklub ist einzig und allein wegen der finanziellen Aufwendungen von Red Bull Gründer Dietrich Mateschitz in der Bundesliga vertreten. 

Entschieden wird auf dem Platz

Unabhängig von den Begleitfaktoren treffen beide Vereine nun jedoch im Finale aufeinander. Am Ende kann es nur einen Sieger geben. Die Unterschiede zwischen den Klubs sind klar, doch letztlich wird das Spiel auf dem Rasen entschieden