Sperrmülltage geben einige interessante Aufschlüsse über die Gesellschaft, findet unser Autor.
Wenn eine blaue Couch im Abfallkalender auftaucht, wenn alte Tische, Stühle und Sessel die Straßenränder säumen und die Menschen in Transportern durch die Straßen schleichen, kann das nur eins heißen: Es ist Sperrmülltag.
In meinem Wohnort Kippenheim ist dies alljährlich für den interessierten Beobachter ein zum Teil amüsantes, zum Teil nachdenklich stimmendes Ereignis. Da stellt man den alten Wohnzimmertisch auf den Bordstein, fährt nur kurz einkaufen und bei der Rückkehr ist er schon weg. Faszinierend!
Tatsächlich lassen sich stets Menschen beobachten, die geradezu auf Sperrmüll-Safari gehen. Sie fahren im Schritttempo durch die Straßen, begutachten die Sperrmüllberge vor jedem Haus und finden manch brauchbaren Gegenstand. Natürlich ist es grundlegend lobenswert, dass aussortierte Möbel eine neue Heimat finden und nicht auf der Deponie landen. Leider ist die abendliche Jagd aber zum Teil wirklich gefährlich.
Es ist dunkel, Passanten laufen auf der Straße, weil der Gehweg – nun ja – Sperrmüll vorbehalten ist und die Autofahrer schauen mehr durchs Seitenfenster als durch die Windschutzscheibe. „Aufpassen“, will man ihnen zurufen.
Hinweise werden galant überlesen
Und dann gibt es noch diejenigen, die nicht wissen oder erst gar nicht wissen wollen, was alles vors Haus gestellt werden darf. Da wird der Hinweis „Keine elektronischen Geräte zum Sperrmüll“ schon mal galant überlesen und es landen Elektroklein- und -großgeräte auf dem Bordstein. Motto: Vielleicht nimmt sie ja jemand mit und es braucht keine Fahrt zum Wertstoffhof.
Das mag hin und wieder funktionieren, doch oft ist es nicht der arme Student auf der Suche nach Einrichtung, sondern der Bauhof, der die Weiße Secondhand-Ware, die Autoreifen – oder was auch immer die Menschen fälschlicherweise für Sperrmüll halten – schlussendlich einsammelt.
Was hilft? Sicher keine Meckereien im Internet, keine empörten Anrufe im Rathaus und wohl auch keine Belehrung im „Starken Stück“. Die beste Lösung ist ein konstruktiver Hinweis im direkten Gespräch, um die Menschen freundlich auf Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Das gilt übrigens nicht nur für Sperrmülltage.