Für Kraftstoff werden aktuell horrende Summen fällig. Vor diesem Hintergrund kommt unser Autor zu der Erkenntnis, dass wir bei der Mobilitätswende weit hinterherhängen.
Mittwochabend, kurz nach halb elf auf der B 3 in Friesenheim: Die Tankanzeige in meinem Auto ist schon seit Offenburg auf dem letzten Achtel, jetzt fängt dieses an zu blinken. Oh je, es wird langsam wirklich Zeit, ich kann es nicht länger hinauszögern. Ich blicke auf die Preisanzeige der Friesenheimer Tankstelle: 2,03 Euro. Da muss ich sofort zuschlagen.
Hätten Sie mir noch vor drei Wochen gesagt, liebe Leserinnen und Leser, dass ich mich einmal über einen Preis jenseits der Zwei-Euro-Marke für einen Liter Super freue, hätte ich Sie wohl ausgelacht. Jetzt aber durch die Eskalation im Nahen Osten sind horrende Summen für den Fahrzeugantrieb bittere Realität. Wer schon auf ein Elektroauto umgerüstet hat, dürfte sich ins Fäustchen lachen.
Welche Lösungen gibt es für alle, die – nicht so wie ich – einfach auf Glück hoffen wollen? Eine Bekannte erzählte mir in dieser Woche, dass sie unseren Nachbarn im Elsass einen Besuch abgestattet hat. Ihre Hoffnung: Für 1,80 Euro einmal zu gewohnten Preisen volltanken. In der Theorie eine gute Idee, doch war sie nicht die einzige. An den französischen Zapfsäulen bilden sich seit Tagen lange Schlangen – und für meine Bekannte blieb kein Benzin mehr übrig. Glücklicherweise reichte ihr Vorrat noch für den Weg zurück nach Deutschland, wo sie schließlich in den teuren sauren Apfel beißen musste.
Das Fahrrad ist längst nicht für alle eine Option
Wer will, mag jetzt eine gesetzliche Spritpreisbremse fordern. Und ja, sie wäre sinnvoll für alle, die auf ihren Verbrenner angewiesen sind. Im ländlichen Raum ist der ÖPNV viel zu schlecht ausgebaut, um eine flexible Alternative zu sein. Und das Fahrrad ist – je nach Arbeitsweg – längst nicht für alle eine Option.
Zuerst sollte daher die Erkenntnis eintreten, dass wir bei der Mobilitätswende weit hinterherhängen und – mal wieder – erst dann darüber diskutieren, wenn wir es im Geldbeutel spüren. Die Unabhängigkeit von Öl muss ein zentrales Ziel sein. Es ist nur schwer abzusehen, ob und wenn ja wann sich die Lage wieder bessert.
Bis dahin müssen wir tiefer in die Tasche greifen und auf Schnäppchen hoffen. Ansonsten bleibt uns nur übrig in die Pedale zu treten, Bus und Bahn zu vertrauen – oder fleißig französisch zu lernen.