Der Busbahnhof in Nagold gilt als Kriminalitätsschwerpunkt in der Stadt. Zu Recht? Foto: Heiko Hofmann

Wo sind Nagolds Kriminalitätsschwerpunkte? Wie sicher ist der Busbahnhof? Ist es gefährlich, nachts durch den Park zu laufen? Die Antworten der Polizei fallen vielschichtig aus.

„Kann man nachts noch alleine als Frau durch den Kleb laufen?“ – CDU-Stadträtin Monika Wehrstein nutzte die Gunst der Stunde und wollte es ganz genau wissen.

 

Rede und Antwort stand der Leiter des Ermittlungsdienstes im Nagolder Polizeirevier, Jens Weber. Er stellte dem Kultur-, Umwelt- und Sozialausschuss nicht nur das trockene Zahlenwerk der Kriminalitätsstatistik für 2024 vor. Er gab auch Antworten auf unbequeme Fragen, und lieferte Einschätzungen, die auf seine langjährige Berufserfahrung basieren.

Zum Beispiel zu den von vielen als Hotspots der Kriminalität angesehenen Orten in Nagolds City, dem Busbahnhof und dem Stadtpark Kleb.

„Den Kleb, den Busbahnhof, das haben wir soweit im Griff“

„Sie sehen ja selber, was da für Gestalten am Busbahnhof herumstehen“, nahm Weber kein Blatt vor den Mund. Dennoch versicherte er: „Den Kleb, den Busbahnhof, das haben wir soweit im Griff.“ Die einzelnen „Brennpunkte“ in der Stadt habe man im Blick.

So seien dort auch Fremdkräfte im Einsatz. „Und die Kollegen sind da auch zivil unterwegs, das bekommt der Bürger dann gar nicht mit.“

Wie sicher ist Nagolds Stadtpark Kleb? Die Statistik spricht eine deutliche Sprache. Foto: Thomas Fritsch

Letztlich erörterte Weber auf die Frage von Wehrstein: „Es ist sicher! Auch nachts.“ Bei den Fällen der Körperverletzung gebe es ganz allgemein oft einen Hintergrund. Doch „Übergriffe auf Frauen gab es meines Wissens nicht, zumindest nicht in diesem Jahr, da bin ich mir sicher.“ Zum Hintergrund: Der Polizeihauptkommissar ist erst seit einem Jahr auf dem Nagolder Polizeirevier tätig.

„Der Schwerpunkt der Delikte liegt im Stadtgebiet, da ballt es sich“

Also ist alles nur halb so wild? Sind der Busbahnhof und der Stadtpark gar keine unsicheren Orte in der Stadt? Ist es wirklich nur das subjektive mulmige Sicherheitsgefühl, das viele zu dieser Einschätzung kommen lässt?

Gestützt wird das zumindest von der offiziellen Statistik für das Jahr 2024. „Der Schwerpunkt der Delikte liegt im Stadtgebiet, da ballt es sich“, erörterte Weber. 81 Prozent aller Fallzahlen sind dort verortet. Doch die Zahl lässt sich weiter aufschlüsseln. Demnach entfallen von den Stadtgebiet-Fällen nur 0,8 Prozent auf den Busbahnhof und ein Prozent auf den Stadtpark Kleb.

„Der Kleb und der Busbahnhof sind also eigentlich keine Schwerpunkte mehr“, so Weber. Dass der Eindruck in der Öffentlichkeit anders ist, erklärt er auch damit: „Wenn dort etwas passiert, dann sind da gleich viele Menschen drumherum, und dann wird das hochgekocht.“

Pfrondorf, Schietingen und Mindersbach sind die sichersten Teilorte

Völlig unauffällig sind die Zahlen für die Teilorte. Gündringen sticht hier mit 4,9 Prozent noch am ehesten heraus, dann folgen Vollmaringen (3,7), Hochdorf (3,5) und Iselshausen mit 3,4 Prozent.

Fast keine Rolle spielte Kriminalität 2024 in Emmingen (1,9 Prozent) sowie in Pfrondorf (0,7) und Schietingen (0,5). Der statistisch gesehen sicherste Teilort 2024 war aber Mindersbach, wo nur 0,4 Prozent der erfassten Nagolder Delikte passierten.