Das Pflegeheim Ettenheimmünster bezieht das neue Haus im Herzen der Stadt. Unsere Redaktion hat nachgefragt, was der Umzug für die Einrichtung bedeutet.
Für die Bewohner des Pflegeheims St. Marien in Ettenheimmünster ist heute sicher ein wortwörtlich bewegender Tag. Und für das Personal ebenso. Es ist ein Abschied von einer gewohnten Umgebung, von einem vertrauten Umfeld. Ein Tag, vor dem sich sicherlich viele Bewohner gefürchtet haben. Aber – so darf erwartet werden: Sie werden schnell feststellen, dass ihre neue Unterkunft an allen Ecken und Enden moderner ist. An Verbesserungen gewöhnt man sich bekanntlich schnell.
Hintergrund sind die neuen Vorgaben der Landesheimbauordnung in Baden-Württemberg, die den Trägern solcher Einrichtungen grundlegende Sanierungen oder Neubauten auferlegt. Weil eine Sanierung des bisherigen Pflegeheims in Ettenheimmünster für die Caritas wirtschaftlich keine Alternative darstellte, hat sie sich – in Absprache mit der Stadt – für den Neubau auf den „Espen“, östlich an die Altstadt angrenzend, entschlossen. Im Juli 2024 wurde der Grundstein gelegt, heute steht der große Umzug an.
Brigitta Schrempp, Aufsichtsvorsitzende der Caritas Lahr: „Es sind zwei Blickwinkel, mit denen ich auf das neue Pflegeheim schaue. Moderne Einzelzimmer mit eigener Sanitärzelle, ausreichend Gemeinschaftsflächen, Barrierefreiheit, mehr Privatsphäre, bessere Hygienebedingungen, kurze Wege – all das kommt am Ende den Menschen zugute, für die wir da sind. Mehr Würde, Selbstbestimmung, Lebensqualität im Alter – das alles sind begrüßenswerte Ziele der Verordnung“, erklärt Schrempp auf Nachfrage unserer Redaktion. Zugleich sehe sie aber auch die Herausforderungen an die Träger dieser Häuser. Demnach würden aufwendige Sanierungen oder Neubauten Investitionen in Millionenhöhe zwangsläufig mit sich bringen, die man finanzieren und langfristig über die Pflegesätze refinanzieren müsse. Mit Sanierungen seien übergangsweise Bettenverluste verbunden – und das bei gleichzeitig wachsendem Pflegebedarf. Da und dort vermögen die Träger den ganzen Aufwand nicht mehr zu stemmen und müssten Häuser schließen. „Ich sehe aber klar, dass der Staat die Träger bei der Umsetzung stärker unterstützen muss: durch verlässliche Förderprogramme, pragmatische Fristverlängerungen, mehr Planungs- und Rechtssicherheit. Nur so können wir die Verordnungen ,von oben’ auch verwirklichen.“
Mirko Poetzsch, Vorsitzender der Caritas Lahr: „Nachdem das bisherige Caritashaus St. Marien in Ettenheimmünster nicht mehr den Anforderungen der Landesheimbauverordnung entsprach, hatten wir nach einer guten Lösung für einen Neubau gesucht. In guter Zusammenarbeit mit der Stadt Ettenheim haben wir ein sehr gutes Grundstück gefunden“, erinnert sich Poetzsch. Dieses biete mit der neuen Kita in direkter Nachbarschaft ein generationenübergreifendes Arbeiten. „Wir freuen uns, dass wir den Ersatzneubau an einem sehr attraktiven, zentralen Standort in der Mitte Ettenheims realisieren konnten. Die Infrastruktur und Anbindung sind hervorragend. Wir sind stolz auf das nachhaltige Energiekonzept des Gebäudes und den Komfort für unsere Bewohnerinnen und Bewohner. Das Projekt ist in vielerlei Hinsicht ein Leuchtturm für die qualitativ hochwertige Altenhilfe in der Region.“
Sandra Grösser, Hausleiterin: „Ich freue mich über den Umzug nach Ettenheim. Mit dem neuen Standort vergrößern wir deutlich unsere Kapazitäten und können die steigende Nachfrage nach Plätzen in der stationären Pflege und der Tagespflege bedienen. Auch wenn der Ortswechsel für unsere Bewohner und Tagespflegegäste zunächst eine Umstellung bedeutet, bin ich zuversichtlich, dass sie sich am neuen Standort wohlfühlen werden“, freut sich die Hausleiterin. In der neuen Einrichtung könne man noch besser das Pflegekonzept „Leben in Gemeinschaft“ umsetzen. So würden die je zwei Gemeinschaftsräume mit Teeküche pro Wohngruppe und große Balkone mit einem Panorama zum Austausch einladen und die Nähe zur Innenstadt schaffe Möglichkeiten zur Teilhabe am Alltagsleben. „Unser Standort steht im Mittelpunkt gemeinschaftlicher Werte – neben der Pflege für unsere Bewohnenden rücken Gemeinschaft und Generationen zusammen, gerade mit der Kita als Nachbarin direkt daneben. Nicht zuletzt bieten wir unseren Mitarbeitern moderne Arbeitsbedingungen, Pflegehilfen und Rückzugsorte“, so Grösser. Zusätzliche Fachkräfte seien jederzeit willkommen.
Bürgermeister Bruno Metz: „Wir sind dem Caritasverband sehr dankbar für den Bau des Pflegeheims St. Marien auf den Espen. Somit erhalten pflegebedürftige Menschen unserer Stadt und der Raumschaft die Möglichkeit, in der Nähe ihrer Familie und Heimat zu bleiben“, betont der Rathauschef. Der Neubau setze positive Akzente in der Stadt. Die Nachbarschaft zum neuen Kindergarten St. Bartholomäus eröffne Raum für Begegnungen und zum Austausch zwischen den Generationen. Das Gelände liege zudem nahe der Altstadt mit guter Infrastruktur. Dazu wurden auch die fußläufigen barrierefreien Anbindungen verbessert. „In diesen unsicheren Zeiten ist die Caritas einen mutigen und zukunftsweisenden Schritt gegangen. Im Namen der ganzen Stadt wünsche ich dem neuen Pflegeheim einen guten Start und den Bewohnern ein Zuhause, in dem sie sich wertgeschätzt und geborgen fühlen.“
Info – Das neue Haus in Zahlen
Anzahl der Betten:
90 Stück auf drei Etagen, verteilt auf sechs Gruppen (bisher 60) Tagespflegeplätze:
18 Gesamtfläche im Haus:
rund 5600 Quadratmeter auf vier Etagen Grundstücksfläche:
3568 Quadratmeter Größe der Zimmer:
reguläre Einzelzimmer inklusive Bad 20 Quadratmeter; funktionsrollstuhlgerecht 26 Quadratmeter Kosten (Bau und Grundstück):
rund 22 Millionen Euro Personal:
110 Mitarbeiter (bisher rund 75) Sozialräume:
pro Wohngruppe ein Speise- und Aufenthaltsraum sowie ein Ruheraum, ein Panoramabalkon pro Etage, eine Cafeteria im Erdgeschoss