Eigentlich ist Ann-Kathrin Schweizer Reiseplanerin. Doch wegen Corona und Kurzarbeit macht sie den Busführerschein. Nun ist die 25-Jährige eine der jüngsten Busfahrerinnen im Lande.
Das Reisen wurde Ann-Kathrin Schweizer mit in die Wiege gelegt, denn der gleichnamige Betrieb ihrer Familie ist das Reisebüro Schweizer.
„Ich bin mit Reisen großgeworden“, sagt sie. Oft habe ihr Vater sie und ihre Schwester auf Reisen mitgenommen, viel in Europa, aber auch nach Dubai, nach Nordafrika und mehrfach in die USA. „Ich habe eine Oma am Comer See. Regelmäßig sind wir als Kinder im Bus mit den Reisegruppen dorthin gefahren und meine Oma hat uns vom Bus abgeholt“, erinnert sich Schweizer lächelnd zurück.
Nicht der typische Busfahrer
Ihre Ausbildung als Tourismuskauffrau, umgangssprachlich Reiseplanerin, fängt Schweizer nach ihrem Abitur und einem anschließenden freiwilligen sozialen Jahr an.
Doch als sie selbst im Betrieb der Familie zu arbeiten beginnt, beginnt die Coronapandemie. Die Tourismusbranche bricht ein, es kommt zu Kurzarbeit. Aber die Reiseplanung ist nicht das einzige Geschäftsfeld der Schweizer Reisen Verkehr & Touristik GmbH, sie betreibt auch Linien- und Schulbusse.
Da es zu wenige Busfahrer gibt, entscheidet sich Schweizer dazu, den Busführerschein zu machen. Zunächst nur die Theorie, denn den Busführerschein kann man erst mit 25 Jahren abschließen. „Die Praxis war eine totale Umstellung. Ich habe zuerst unterschätzt, wie lang so ein Bus ist. Man muss beispielsweise in einen Kreisverkehr ganz anders hineinfahren, als mit einem Pkw. Aber wenn man einmal drin ist, kommt man gut zurecht. Übung macht den Meister. Die Praxis ist sehr wichtig, um Routine zu bekommen“, erklärt Schweizer.
Seit April 2025 fährt sie nun nebenberuflich, zwischen drei- und viermal die Woche, morgens Kinder mit dem Bus zur Schule. „Die Augen waren groß, da ich nicht in das typische Bild eines Busfahrers passe“, so Schweizer. Deshalb seien die Kinder neugierig gewesen. Sie habe Gesprächsfetzen mitbekommen wie: „Was meinst du, wie alt ist sie?“ oder „Denkst du, sie hat einen Freund?“
Prinzessinnen, Vampire und ein Karton
Doch die Kinder helfen ihr auch weiter. „Ich bin in Freudenstadt aufgewachsen, deshalb habe ich mich am Anfang in den kleineren Ortschaften schwergetan. Manche Ortsnamen kannte ich noch gar nicht. Die Kinder haben mir dann mit Händen und Füßen gezeigt, wo es langgeht“, so Schweizer mit einem breiten Grinsen.
Und sie sorgen für lustige Geschichten. So sei einmal ein Schüler, während der Fahrt, wie ein Äffchen an den Stangen im Bus umhergeklettert. „Als ich ihm aber erklärt habe, wie gefährlich das ist, hat er aufgehört.“
Oder an Halloween, als statt Schülern plötzlich verkleidete Prinzessinnen, einige Vampire und sogar ein als Karton verkleideter Junge in den Bus steigen. „An den Jungen im Karton kann ich mich noch gut erinnern. Er hat mir ganz stolz sein Kostüm gezeigt“, erinnert sich Schweizer zurück. „Ich hatte gar nicht erwartet, wie lieb die Kinder alle sind.“
Arbeit mit Menschen macht ihr Spaß
Doch nicht nur Schulbusse fährt die junge Busfahrerin, mittlerweile auch Linienbusse und längere Reisen. „Für nächstes Jahr steht zum Beispiel eine Skitour nach Tirol und eine Tennisfahrt nach Italien an“, sagt Schweizer und fügt hinzu: „Längere Touren machen Spaß, weil man im Bus eine richtige Gemeinschaft wird.“
Das ist auch einer der Hauptgründe, warum sie keinen ihrer beiden Berufe völlig aufgeben möchte. „Es gibt keine langweiligen Tage. Jeder Tag ist anders, es gibt neue Menschen und neue Situationen. Die Abwechslung macht am meisten Spaß. Aber um ehrlich zu sein, macht mir im Moment das Fahren ein bisschen mehr Spaß, vielleicht weil es neu ist. Ich liebe es, unterwegs zu sein.“