Das „Gipfelkreuz“ am „Bergle“ oberhalb von Onstmettingen hat Michael Landmann 2021 aufgestellt. Foto: Hans-Joachim Fogl

Plötzlich war es Tagesthema am ökumenischen Kirchentag: Ist das Kreuz am „Bergle“ geklaut? Seit Sonntag, 9. November, fehlt es – auch vielen gläubigen Onstmettingern.

Seit dem Winter 2021/22 schon steht es hoch oben am „Bergle“, dem Osthang oberhalb von Onstmettingen: das weiße Kreuz, das sogar leuchten konnte. Wer von der katholischen Kirche St. Maria, vorbei an der evangelischen Philipp-Matthäus-Hahn-Kirche hinüberschaute, hat es dort stehen sehen, und sogar Teil des Osterweges in Onstmettingen war es schon. Doch seit Sonntag, 9. November, ist es verschwunden. Wohin und warum?

 

Es hub ein großes Rätselraten an am ökumenischen Kirchentag in der Festhalle Onstmettingen, wo besonders viele versammelt waren, die im Zeichen des Kreuzes ihren Beruf oder ein Ehrenamt ausüben: Hat jemand das Kreuz geklaut? Keiner wusste, was damit geschehen sein könnte – es ist einfach weg. Ursprünglich stand es ja mal illegal in der Landschaft, also ohne Baugenehmigung. Könnte sein Verschwinden vielleicht damit zusammenhängen? Wohl kaum, hatte doch der Ortschaftsrat Onstmettingen schon im Mai 2022 – im Beisein von Stadtplanungsamtsleiter Axel Mayer – in öffentlicher Sitzung sein Wohlwollen gegenüber dem weißen Kreuz bekundet.

Die Kirchen haben ihr Wohlwollen früh signalisiert

Außerdem hatten erst die katholische und dann auch die evangelische Kirchengemeinde signalisiert, das Kreuz in ihre Obhut übernehmen zu wollen – oder sogar ein neues zu bauen.

Das amtliche Plazet hat das Kreuz also. Hat es vielleicht ein Atheist umgesägt? Nein, wie sich auf Nachfrage beim Erbauer herausstellt: Michael Landmann selbst hat das Kreuz abgebaut, um es neu zu streichen und zu restaurieren, wie er unserer Redaktion berichtet. Es sei ja ein Provisorium und schon drei oder vier Mal frisch gestrichen worden.

Wie Jesus Christus auf der Via Dolorosa

Die einzige Krux dabei: Jedes Mal muss Landmann es den Berg heruntertragen. „Hoch bringen wir es mit einem Traktor, aber runtertragen geht“, sagt Landmann. „Das Kreuz hat nur rund 30 Kilogramm.“ Komisch angeschaut hätten ihn einige freilich schon, als er mit dem Kreuz auf den Schultern den Berg herabgekommen sei, so Landmann. Zumal es auf Weihnachten zugeht und nicht auf den Karfreitag, an dem Jesus Christus gekreuzigt worden sein soll, nachdem er sein eigenes Kreuz durch die Via Dolorosa in Jerusalem hinauf auf die Schädelhöhe geschleppt hatte.

Vor dem Fundament kommt die Suche nach den Wasserleitungen

Zwar plane er, ein größeres, schöneres Kreuz aus Eichenholz aufzustellen, verrät Landmann, doch er sei bisher einfach noch nicht dazu gekommen. Außerdem müsse dafür ein Fundament gesetzt werden, und die Lage der Wasserleitungen stimme nicht mit den Plänen überein, müsse zuvor eruiert werden. Also streicht er das erste „wieder weiß an“. Zudem habe er „Glück gehabt“ fügt Landmann hinzu: „Die Beleuchtung funktioniert noch.“ Sie hatte er zu Anfang moniert, doch aus Umweltgründen – künstliches Licht irritiert Insekten und zudem kam die Energie aus einer Batterie – hatte Landmann sie über die Sommer abnehmen müssen.

Rückkehr pünktlich zum ersten Advent

„Die Kirchen sind bereit, sich an dem neuen Kreuz zu beteiligen, aber mir ist die Zeit davongelaufen“, sagt Landmann lachend und erklärt, wie er überhaupt auf die Idee gekommen war, ein Kreuz aufs Bergle zu stellen: „Weil ich unterhalb vom Bergle aufgewachsen bin, ist es für mich eine Heimat“, betont er. „Deshalb wollte ich schon immer mal ein Gipfelkreuz aufstellen“ – bisher ein Provisorium, das er nur mehrfach gestrichen hat.

Zum ersten Advent holt er es nun – frisch gestrichen – erneut aus der Garage und platziert es hoch über Onstmettingen: beleuchtet.