Wolken am Himmel umrahmt von Wolkenkratzern: das Frankfurter Bankenviertel. Foto: Hamann

Viele kennen von der Main-Metropole nicht mehr als den Flughafen. Hiergeblieben! Die hessische Stadt hat es verdient, nicht nur als Ort der Durchreise begriffen zu werden.

Hier kommen unsere Tipps für ein Wochenende am Main.

 

9 Uhr Anreise

Mit dem ICE erreicht man Frankfurt von Stuttgart aus in gut anderthalb Stunden. Vom Hauptbahnhof geht es mit S-Bahn und Tram zum Hotel. Für aktive Besucher lohnt sich die Frankfurt Card. Damit kann man nicht nur die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, sondern bekommt auch satte Rabatte in vielen Museen, Theatern und Konzerten, www.bahn.de , www.visitfrankfurt.travel .

Bunter Hingucker: 25hours Hotel The Goldman. Foto: Stephan Lemke

10 Uhr Check-in im Hotel

Lange, bevor das Ostend hip wurde, hatte der Frankfurter Immobilienentwickler Ardi Goldman (62) den richtigen Riecher. 2006 eröffnete er das 25hours Hotel The Goldman. Jedes Zimmer ist einer besonderen Persönlichkeit gewidmet. Farbenfroh, individuell und hintersinnig gestaltet von dem Frankfurter Künstler Michael Dreher (63), der hunderte Werke schuf. Doppelzimmer mit Frühstück ab 130 Euro, www.25hours-hotels.com .

Der Kopf auf dem Brunnen sieht aus wie Karl Marx, stellt aber den Frankfurter Dichter Friedrich Stolze dar. Foto: IMAGO/imagebroker

11 Uhr Neue Altstadt

Im März 1944 wurde das Zentrum von Frankfurt fast völlig zerstört. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte zweckmäßig und modern. Doch schön geht anders. Deshalb fasste die Stadt nach der Jahrtausendwende den Plan, die Altstadt neu zu erschaffen. Brutalistische Bauten kamen weg. Seit 2018 sieht es zwischen Dom und Römer, dem Frankfurter Rathaus, wieder (fast so) aus wie vor den Bombenangriffen: Ein schmuckes Ensemble aus 35 Häusern, davon 15 originalgetreue Rekonstruktionen mittelalterlicher Fachwerkhäuser. „Disneyland!“, schimpfen die Kritiker. Tatsächlich ein bisschen künstlich, aber sehenswert.

Erfolgreiche Fußballer winken hier gerne vom Balkon: der Frankfurter Römer alias das Rathaus. Foto: Hamann

12 Uhr Kultur und Politik

Um die Ecke liegt der Römer, wo der Oberbürgermeister der Stadt residiert, Fußballer nach ihren Erfolgen gerne vom Balkon winken und einst Kaiser ein- und ausgingen. Nur wenige Meter weiter in der Paulskirche traf sich 1848 das erste frei gewählte Parlament, die Nationalversammlung. Im Haus Großer Hirschgraben 21 wurde der große Dichter Johann Wolfgang von Goethe geboren. https://frankfurter-goethe-haus.de/

Kantine der Commerzbank Foto: Hamann

13 Uhr Lunch unter Anzugträgern

Den Hochhäusern im Bankenviertel verdankt Frankfurt den Spitznamen „Mainhattan“. Doch der Vergleich mit New York hinkt. Man fühlt sich eher an kleinere US-Städte wie Boston erinnert. Immerhin punktet Frankfurt mit dem derzeit höchsten Gebäude der Europäischen Union. Der Commerzbanktower misst 259 Meter, inklusive Antenne sind es 300 Meter. Es gibt keine öffentlich zugängliche Besucherplattform, doch Interessierte können durch das Erdgeschoss spazieren und hier sogar essen: Die Kantine im Plaza-Bereich verköstigt auch externe Gäste. Geöffnet Mo-Fr 11.30-14.30 Uhr.

Die sieben Kräuter für die Frankfurter Grüne Soße kann man auch selbst anbauen. Samentütchen gibt’s in der Kleinmarkthalle. Foto: Hamann

14.30 Uhr Himmel für Foodies

Von außen sieht sie eher unscheinbar aus, ein gelb geklinkter Zweckbau, verziert mit Werbeplakaten. Doch innen gibt es alles, was das Genießerherz begehrt. Die Kleinmarkthalle beherbergt auf 1500 Quadratmetern mehr als 60 Stände mit Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Gebäck, Feinkost. Wunderschön zum Bummeln, Essen, Trinken, Souvenirs kaufen und für einen schnellen Kaffee auf die Hand. Geöffnet Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa 8-16 Uhr, www.kleinmarkthalle.com .

Ausstellung im Momem Foto: Hamann

16 Uhr Hast du Töne?

In den Neunziger Jahren pilgerten Fans der elektronischen Musik nach Frankfurt. Pionier und Zeremonienmeister Sven Väth legte im Omen auf, weitere Tempel für Beats-Fans waren das Dorian Gray, das U60 oder der Cocoon Club. Das Museum of Modern Electronic Music direkt an der Frankfurter Hauptwache lässt diese Zeit der puren Ektase wieder aufleben, als die Frankfurter Nächte noch endlos lang waren. Geöffnet Di-So 13-19 Uhr, Eintritt 12 Euro, https://momem.org/ .

Wird gerne serviert mit hart gekochten Eiern und Kartoffeln: die Grüne Soße. Foto: Hamann

17.30 Uhr Grüne Soße

Wenn man in Frankfurt ist, muss man natürlich die lokalen Spezialitäten probieren, zum Beispiel Grüne Soße mit Kartoffeln und hart gekochten Eiern. Nur echt mit genau sieben Kräutern: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Verlässlich gut gibt’s das im Klosterhof, www.klosterhof-frankfurt.de/

Nicht verwechseln mit der Alten Oper: das Opernhaus Frankfurt Foto: IMAGO/Schöning

19 Uhr Opernarien

Selbst örtliche Taxifahrer sind oft verwirrt. Die Alte Oper heißt zwar Oper, ist aber keine, sondern ein Veranstaltungs- und Konzertsaal am Opernplatz. Wer wirklich die Oper besuchen möchte, muss zum Willy-Brandt-Platz. Das Musiktheater der Städtischen Bühnen Frankfurt wurde schon siebenmal als Opernhaus des Jahres ausgezeichnet. In der Spielzeit 2025/26 steht unter anderem Giacomo Puccinis „Tosca“ und Benjamin Brittens „Peter Grimes“ auf dem Plan. Restkarten gibt es bis eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn, https://oper-frankfurt.de/ .

Verruchte Gegend: das Bahnhofsviertel Foto: Hamann

23 Uhr Drinks im Milieu

Für den Absacker geht es ins Bahnhofsviertel. Ja, hier sieht man viel Elend. Ja, hier gibt es Prostitution und Drogen. Aber man findet auch coole Locations wie die Bar Pracht, geöffnet Fr/Sa 22-6 Uhr. Auf dem Heimweg stellt man fest: Die Lichter sind das schönste Kleid dieser Stadt, https://pracht.club/ .

Schon wieder Grüne Soße – geht auch zum Frühstück. Foto: Hamann

10 Uhr Frühstück im Hotel

Gude! Das heißt „Guten Tag“ auf Hessisch. Neben bequemen Betten und herzlichem Service gibt es im 25hours Hotel The Goldmann ein köstliches Frühstück mit Grüner Soße und Gorilla-Kaffee der hessischen Rösterei Joerges aus der Marzocca-Siebträgermaschine, www.kaffee-joerges.de .

Grüne Idylle: der Schwedlersee Foto: Hamann

11 Uhr Im Osten viel Neues

Frisch gestärkt geht es zu Fuß auf Erkundungstour. Am besten vertraut man sich einem versierten Einheimischen an wie dem Stadtführer Frank Seibold ( https://frankfurter-stadtgeschichten.de ). Der Guide inszeniert seinen Rundgang nach einer clever sich zuspitzenden Dramaturgie. Erst ein kurzer Abstecher zum Osthafen. Trister Beton, Graffiti verzierte Wände, Container, Silos, Berge von Sand und Kies. Ein paar Schritte weiter findet man den größten denkbaren Kontrast. Bäume und Sträucher umarmen einen See, Fischreiher und Schwimmer teilen sich das auffällig quadratische Gewässer. „Der Schwedlersee war eigentlich als Erweiterung des Osthafens gedacht. Dann kam der erste Weltkrieg, und das Projekt wurde gestoppt“, sagt Frank Seibold. Die bereits ausgehobene Grube füllte sich mit Grundwasser, die Natur holte sich den Ort zurück. Zu dem versteckten Juwel, das nach dem Bauingenieur Johann Wilhelm Schwedler benannt wurde, gehört ein Restaurant. Gucken und genießen darf jeder, eintauchen nur Mitglieder des Ersten Frankfurter Schwimmclubs. www.efsc.de , https://schwedlersee.com .

Man sagt, hier gäbe es die beste Rindswurst der Stadt Foto: Hamann

13 Uhr Es geht um die Wurst

Hungergefühl? Fast direkt gegenüber dem Hotel liegt die Metzgerei Gref Völsing. Seit 1894 wird hier eine hessische Spezialität hergestellt: die Rindswurst. Und egal, wen man fragt, alle Frankfurter sind sich einig. Die beste Rindswurst produziert dieser in der fünften Generation geführte Familienbetrieb. Im Imbiss gibt es die gut geräucherte und gewürzte Wurst frisch aus dem Kessel mit Senf. Eignet sich auch eingeschweißt als Mitbringsel, www.gref-voelsings.de .

Das EZB-Gebäude hat 1,3 Milliarden Euro gekostet Foto: Hamann

14 Uhr Haus des Geldes

Den Wandel des Ostens von der Schmuddelecke zum Trendviertel hat die Europäische Zentralbank (EZB) beschleunigt. Vor gut zehn Jahren bezogen die obersten Währungshüter ihre neue Zentrale am Main. Das glitzernde Gebilde aus Glas und Stahl ragt weithin sichtbar in den Himmel. Den Wolkenkratzer umgibt ein Zaun, Sicherheitsleute patrouillieren, Kameras haben alles im Blick. Der vom Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entworfene Turm hat 1,3 Milliarden Euro gekostet, 3000 Menschen arbeiten hier. Besucher sind willkommen, man muss sich online anmelden, www.ecb.europa.eu/ecb-and-you/visits/html/index.de.html .

Die jüdische Gedenkstätte neben der EZB wurde 2015 eröffnet. Foto: imago/epd

15 Uhr Dunkle Geschichte

Die EZB-Zentrale wurde in die ehemalige Großmarkthalle integriert. Das Gebäude mit dem markant geschwungenen Dach ist nicht nur denkmalgeschützt, sondern auch historisch bedeutsam. Von hier deportierten die Nationalsozialisten jüdische Familien in die Vernichtungslager. Zwischen 1941 und 1945 wurden über 10 000 Menschen in den Tod geschickt. Ein Denkmal erinnert dieses dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte, www.juedischesmuseum.de .

Skaten zwischen Main und Währungshütern Foto: IMAGO/Jochen Tack/IMAGO/Jochen Tack

16 Uhr Bunte Blumen

Im weitläufigen und bunt bewachsenem Hafenpark zu Füßen des EZB-Gebäudes tummeln sich Skater, Jogger und spielende Kinder. Unter den denkmalgeschützten Rundbögen der Honsellbrücke logiert seit 2014 der Kunstverein Familie Montez. In der Eventgalerie gibt es Ausstellungen, Lesungen, Poetry-Slams und ein gemütliches Café. Programm, https://kvfm.de .

Stadtführer Frank Seibold am Main Foto: Hamann

17 Uhr Aperitif am Main

Eine hübsche Aussicht auf die Sykline hat man von der Rooftopbar der Oosten Realwirtschaft am Main. Das Haus wurde rund um einen ehemaligen Verladekran der Ruhrorter Werft gebaut. Zu Füßen liegt ein von Platanen beschatteter Biergarten. Serviert wird Soulfood aus aller Welt, https://oosten-frankfurt.com .

Bembel und Geripptes Foto: Hamann

19 Uhr Frankfurter Gold

Kein Frankfurt-Besuch ohne Ebbelwoi. Der vergorene Apfelsaft kommt im Bembel auf den Tisch, einem grauglasierten Tonkrug mit blauen Verzierungen, und wird aus dem Gerippten getrunken. Das ist ein Glas mit rautenförmigen Rillen. Als Hochburg des Ebbelwoi gilt Sachsenhausen auf dem linken Mainufer, „Dribbdebach“ sagt der Hesse – „drüben des Baches“. Die Altstadt gegenüber nennt man „Hibbdebach“ – „hüben des Baches“. Einkehrtipp: Restaurant Lokalbahnhof, h ttps://lokalbahnhof.info .

Ungewöhnlicher Club: Fortuna Nirgendwo Foto: Hamann

22 Uhr Nachtschwärmen

Auf dem ehemaligen Gelände der Union-Brauerei hat sich Stadtteil-Regisseur und Investor Ardi Goldman einen Traum erfüllt: eine Stadt in der Stadt mit Clubs, Restaurants, Geschäften, Wohnungen, Kultur. Mittendrin eine sehr ungewöhnliche Location: der Club Fortuna Nirgendwo – Untertitel: „Heilanstalt für Gemüts- und Nervenkranke“ – ist einer mediterranen Villa nachempfunden. Es gibt einen Pool und ein Gewächshaus, Rettungsringe umrahmen Toilettenspiegel, ein Oktopus ziert den Bartresen, die Unterwasserwelt des Meeres spiegelt sich in den Wänden wider. Auch hier war der Künstler Michael Dreher für die Gestaltung zuständig, https://fortuna-irgendwo.de .

Tschüss, Frankfurt Foto: Hamann

9 Uhr Abreise

„Bei Frankfurt weint man zweimal. Einmal wenn man kommt, weil alle erzählen, wie hässlich es ist. Und das zweite Mal, wenn man geht, weil man die Stadt so lieb gewonnen hat“, sagt das Frankfurter Original Ardi Goldman in einer ARD-Doku. Recht hat er.