Die Narrenkapelle brachte die Narren in der „Krone“ gewohnt gekonnt auf Betriebstemperatur. Foto: Springmann

Die wunderbare Welt der Märchen ist das Motto der Fasnet 2024. Bei der Martinisitzung der Freien Narrenzunft Wolfach in der „Krone“ gab es – neben allerlei Schabernack – einen Vorgeschmack und der „Narrogeischd“ wurde inbrünstig beschworen.

Mit kleineren Änderungen und einem märchenhaften Motto fährt die Fasnet 2024 auf. Ersteres betrifft vor allem den Narrenrat: René Plaasch wurde als „Social Media-Meister“ in den kleinen Narrenrat gewählt, Vize Wilfried Schuler verließ ebendiesen auf eigenen Wunsch und das Narrenblättle-Team stellte sich neu auf. Mit mehr DJs soll die Schloßhalle mehr in den Fokus der Fasnet rücken, zudem gibt es dort neue Verzehrkärtle – nicht zu verwechseln mit dem Heimatkärtle.

Fasnet 2023 endlich ohne Corona-Einschränkungen

Zuvor gab es nach der pünktlichen Eröffnung um 20.11 Uhr mit dem Michelesmarsch durch die Narrenkapelle den obligatorischen Jahresrückblick durch Narrenvater Hubert „Vitus“ Kessler. Die Fasnet 2023 durfte endlich wieder ohne Corona-Einschränkungen gefeiert werden – und das ließen sich die Narren nicht zweimal sagen. Bei durchgehend allen Veranstaltungen seien die Beizen zum Bersten voll gewesen. Lediglich der Musikerball hätte als letzter Ball eines Vereins mehr Zuspruch verdient, so der Narrenvater. Auch der leicht geänderte Ablauf des Ausrufens sei auf positives Echo gestoßen. Die Geldbeutelwäsche sei unspektakulär verlaufen. „Und dieses Jahr wohl auch ohne gesundheitliche Spätfolgen“, witzelte er. Alles in allem: „Eine Fasnet, wie man sich sich als Narrenvater wünscht“, schloss er.

Die Bilanz der Häsbestellung kann sich in diesem Jahr sehen lassen: Insgesamt 25 neue Hansel werden bei der Fasnet mithopsen, darunter 14 neue Rösle-, vier Spättle-, drei Nussschalen-, zwei Streifen- und zwei Schellenhansel, so Kessler.

Für das weltliche Programm sorgten in diesem Jahr die Alden Rungunkeln mit einer launigen Reise durch die Welt der Märchen der Gebrüder Grimm: Kurzerhand „verdonnerten“ sie das Narrenvolk dazu, vier bekannte Märchen spontan neu zu interpretieren und in entsprechender Kostümierung aufzuführen. Dass die bekannten Märchen da nicht ganz originalgetreu aufgeführt wurden, lag auf der Hand. Der Jungnarrenrat etwa machte aus „Der Wolf und die sieben Geißlein“ kurzerhand die sieben Alkoholiker, die vom windigen Fürstenberg-Vertreter hinters Licht geführt wurden und Schneewittchen biss in den genmanipulierten Apfel.

Alte Wieber und fliegende Teppiche samt Dschinn

Festspielleiter Bernd „Erli“ Schillinger gab erste Einblicke in den Handlungsstrang des Festspiels. In „Das alte Mütterlein“ geht es eben um ein altes Mütterlein. „Wobei – die Frage ist, ob man sie so bezeichnen kann, da sie keine Kinder hatte“, so Schillinger. Jungfer passe aber auch nicht, denn sie war verheiratet. Die passende Vokabel konnte nicht abschließend geklärt werden, aber die Geschichte geht weiter: Ihr Mann, ein versoffener Hallodri, nahm sie mit in die Stadt, als ein Müller mit seiner Zaubermühle in die Stadt kam, der die Damen verjüngt wieder entsteigen. Wie die Geschichte ausgeht, ist wohlbekannt – aber das sei nur die Vorgeschichte, so der Festspielleiter. Wie er den geforderten Aladin samt fliegenden Teppich und Dschinn mit in die Handlung einbauen will, ließ er allerdings noch offen.

Säckelmeister Hans Glunk erzählte sodann die Geschichte vom fast 100-jährigen Drachen, den die Narren nur besänftigen können, wenn sie ihm alle vier Jahren huldigen. Dieses Jahr sei es wieder so weit: Zum Huldigen gehe es am 21. Januar nach Weingarten. Der Drache erwarte die Wolfacher um 12.30 Uhr zum Festzug, die Kosten betragen 25 Euro pro Person plus fünf Euro für das Abzeichen. Die passenden Infos zum Ziel gab es von Heiko Schneider.

Der „Narrogeischd“ wird beschworen

Dann war es soweit: Hans Glunk und Bernd Schillinger beschworen mit launigen Sprüchen den „Narrogeischd“. In bewährter Weise glossierten sie das Wolfacher Lokalgeschehen mit viel Biss – auch wenn sich „Erli“ Schillinger ob seines Postens im Rathaus noch zierte, Interna weiterzugeben. Das marode goldene Vehikel des Bürgermeisters war ebenso Thema wie der Bahnhalt in Kirnbach. „Es isch ein heißes Eisen, der Zug soll wieder halden“, hieß es da. Aber die Halde mache doch zu? „Nein – die Halde bleibt bestehen, nur der Berchwerchzwerch muss gehen“, frotzelten die beiden. Die P&R-Anlage reiche doch aus – „was brauchen wir da 1000 Meter weiter den Bahnhalt von vor 40 Jahren?“, fragten sie und kamen zum Ergebnis: „Den könne mer uns doch wirklich spare.“ Für den Narrenvater wünschten sie sich für seine letzte Fasnet als Chef der Narren viel Gelassenheit, bevor sie gelobten, der Narretei weiterhin treu zu sein.

Der Narrenfahrplan

19. Januar:
Narrenversammlung mit Ordensverleihung 21. Januar:
Teilnahme am Narrentreffen der VSAN in Weingarten 27. Januar:
Musikerball in der Schlosshalle 31. Januar:
Bunter Nachmittag der Kaffeetanten im Brenz-Heim 2. Februar:
Zunftabend in der Festhalle 4. Februar:
Schnurren 7. Februar:
Fasnet-Ausrufen 8. bis 14. Februar:
Die närrischen Hoch-Tage, darin am 11. Februar die Teilnahme am Umzug in Schiltach 15. Juni:
Narrenkammerfest