Dominik Funke, Leiter der Kriminaltechnik bei der Kriminalpolizei Rottweil an einem Tatortfahrzeug. Darin befinden sich die Hilfsmittel zur Spurensicherung vor Ort. Foto: Cornelia Hellweg

Gibt es den perfekten Mord? Um Verbrecher dingfest zu machen, braucht es verwertbare Spuren. Diese sichern die Kriminaltechniker bei der Kriminalpolizei in Rottweil.

Vor zwei Jahren ist am Kripo-Standort Rottweil ein Neubau fertig geworden, der auch die Abteilung Kriminaltechnik auf zwei Stockwerken beheimatet. „Wir sind zertifiziert vom Landeskriminalamt (LKA)“, berichtet Dominik Funke, Leiter der Kriminaltechnik in Rottweil. „Wir haben uns mit dem Umzug in den Neubau räumlich und technisch verbessert.“

 

Mit der Zertifizierung wird das Ziel verfolgt, die Kriminaltechnik im Land auf einem einheitlich guten Stand zu bekommen. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz gibt es für die Kriminaltechnik neben dem Standort in Rottweil noch einen kleineren in Singen – um im Fall des Falles schneller vor Ort sein zu können.

Kapitaldelikte wie Mord sind im Präsidiumsbezirk selten. Häufiger werden die Mitarbeiter beispielsweise bei Einbrüchen gerufen oder bei großen Delikten nachalarmiert. „Wir arbeiten eng mit dem Kriminaldauerdienst zusammen“, sagt Funke. In der Abteilung gibt es Schichtdienst rund um die Uhr. Wer im Kriminaldauerdienst (KDD) tätig ist, kann und darf am Tatort selbst erste Spuren sichern. Dafür führen sie das entsprechende Instrumentarium mit. „In solchen Fällen werden uns die Spuren übergeben, und wir schauen sie uns detaillierter an.“

Zwei Sonderkommissionen

Besonders gefragt war die Kriminaltechnik direkt zu Beginn dieses Jahres. „Eine heiße Phase“, so Dominik Funke. Denn die Polizei setzte wegen Tötungsdelikten sowohl in Trossingen als auch in Konstanz jeweils eine Sonderkommission (Soko) ein. Ende Januar war in Trossingen die Leiche eines 37-jährigen Mannes gefunden worden. Die Polizei ging von einem Tötungsdelikt aus und bildete die Soko „Mondschein“. Die Ermittler gaben nach zwei Monaten Arbeit bekannt, dass ein Tatverdächtiger gefunden sei. Die Soko löste sich auf.

Anfang Februar wurde ein 36-jähriger Mann in Konstanz tot aufgefunden. Er starb an Stichverletzungen. Bereits wenige Tage später verhaftete die Polizei dank der Ermittlungen einer Sonderkommission den mutmaßlichen Täter. Ebenfalls Anfang Februar entdeckte ein Ehemann in einem Villinger Wohnhaus die Leichen seiner Frau und der beiden Söhne im Alter von 14 und 16 Jahren. Die Polizei geht davon aus, dass die Mutter erst die Kinder und dann sich selbst getötet hat.

Eine außergewöhnliche Situation für die Kriminaltechniker, die auch ihnen viel abverlangte, so der Abteilungsleiter. Insbesondere Kapitaldelikte seien schwerer zu verarbeiten, ist die Erfahrung von Dominik Funke. Es gebe Nachsorgemöglichkeiten, außerdem helfe die Nachbereitung im Team.

Der Standort der Kriminalpolizei In Rottweil. Foto: Cornelia Hellweg

Alle Kriminaltechniker sind Polizeibeamte, die sich für dieses Aufgabengebiet weitergebildet haben. „Wichtig ist das Interesse, man muss belastende Situationen aushalten können, und zum Beruf gehört viel Erfahrungswissen.“ Nachwuchsprobleme gebe es in diesem Bereich bisher nicht. „Man ist Spezialist, aber das Deliktspektrum ist sehr vielfältig.“

DNA und andere Spuren

Bei der Auswertung von Spuren arbeiten die Kriminaltechniker in Rottweil bei Bedarf mit dem LKA, externen Instituten und der Rechtsmedizin zusammen. „Alles reden von DNA, aber das Spurenspektrum ist deutlich breiter“, erläutert Funke. Dazu gehören beispielsweise Finger- oder Schuhabdrücke, Fasern, digitale Spuren (Smartphone, Computer). Mittels 3D-Vermessung werden Tatorte aufbereitet, beim LKA gebe es Spezialisten, die Blutverteilungsbilder interpretieren können, inzwischen kann man kleinste DNA-Spuren aufspüren und in polizeilichen Datenbanken auf der Suche nach einem Tatverdächtigen abgleichen. Wenn am Tatort zum Beispiel eine Blut- oder Spermaspur gefunden wird, darf die Polizei diese auch untersuchen, um Rückschlüsse auf Hautfarbe, Augenfarbe, Haarfarbe und Alter der gesuchten Person zu ziehen.

Täter lernen dazu

Die Täter haben dazugelernt und benutzen beispielsweise Handschuhe, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Trotzdem finden Funke und seine Kollegen welche, beispielsweise bei spontanen Delikten, bei denen die Täter nicht so gut vorbereitet sind oder wenn Handschuhe reißen. An einem Tatort tragen die Kriminaltechniker Schutzanzüge zum Selbstschutz und um keine eigenen Spuren zu hinterlassen.

Um bei der Ermittlung zu einem Ergebnis zu kommen, müssen die Experten einschätzen können, welche der (DNA-)Spuren relevant sind. „Bei Einbrüchen ist beispielsweise der Einstiegsbereich in das Objekt interessant.“ Die Kriminaltechnik bezeichnet Funke als Rädchen in einem Prozess. Gemeinschaftsarbeit führe zum Treffer.

Hohe Aufklärungsquote

Gibt es den perfekten Mord? An einem Tatort gebe es mittlerweile eine Vielzahl von Spuren, sagt Dominik Funke. „Die Frage ist, ob wir die relevanten finden und ob sie uns bei der polizeilichen Ermittlung weiterbringen.“ Darüber hinaus flössen viele polizeiliche Ressourcen in die Aufklärung von Mordfällen. Die Aufklärungsquote ist sehr hoch.

Hintergrund

Das Phantom von Heilbronn
Die Suche nach einer vermeintlichen Serienmörderin stellt sich nach 16 Jahren polizeilicher Ermittlungsarbeit als Jagd nach einem Phantom heraus. DNA-Spuren einer Frau waren in Baden-Württemberg an mindestens 40 Tatorten aufgetaucht – darunter auch dort, wo die Polizistin Michéle Kiesewetter 2007 in Heilbronn erschossen worden war. Es stellte sich dann 2009 heraus, dass an allen Tatorten, wo die DNA der Frau festgestellt wurde, die Abstrichbestecke des selben Unternehmens verwendet worden waren. Die DNA stammte von einer Mitarbeiterin, die Wattestäbchen in Plastikröhrchen verpackte und dabei ihre DNA hinterließ. Damals gab es noch keine Qualitätsstandards für Wattestäbchen.