Die digitale Gästekarte in Triberg soll den Tourismus revolutionieren. Das Pilotprojekt zeigt, wo das System überzeugen kann und an welchen Stellen es noch hapert.
Die Zukunft des Tourismus ist digital – davon sind die Verantwortlichen im Schwarzwald überzeugt. Mit der Einführung der digitalen Konus-Gästekarte geht Triberg als eine der ersten Kommunen der Region einen Schritt in diese Richtung. Doch das Pilotprojekt zeigt: Der Weg dorthin ist komplex.
Seit rund einem Jahr testen das Best Western Hotel Schwarzwald Residenz und das Hotel Adler die digitale Lösung im Alltag. Die Idee dahinter: Gäste erhalten ihre Gästekarte bereits vor der Anreise auf das Smartphone und können damit zahlreiche Leistungen sofort nutzen – vom kostenlosen Nahverkehr bis zu Freizeitangeboten in der Region.
„Das ist ein absolutes Verkaufsargument“, sagt Hotelier Georg Wiengarn. Gerade Angebote wie der freie Zugang zu Skiliften oder Sehenswürdigkeiten würden von Gästen stark nachgefragt. Auch der Komfort spiele eine große Rolle: Lange Wartezeiten beim Check-in gehören der Vergangenheit an.
Wandel im Tourismus
Die digitale Gästekarte ist Teil einer größeren Entwicklung im Tourismusbereich. Ziel sei es, den kompletten Gästeweg, von der Buchung über den Aufenthalt bis zur Abreise, digital und bequem zu ermöglichen.
Für die Betriebe bedeutet das eine spürbare Entlastung. „Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß, dass man abends lange auf Gäste wartet“, so Stadtmarketingleiter Nikolaus Arnold. Perspektivisch könne man sogar Personal entlasten – im Hotel Adler ist eine Rezeption schon gar nicht mehr vorhanden.
Technische Hürden
Trotz der Vorteile läuft das System noch nicht ganz reibungslos. „Da arbeiten ganz viele Schnittstellen miteinander“, beschreibt Arnold die Situation. Unterschiedliche Buchungs- und Verwaltungssysteme müssen miteinander kommunizieren – ein aufwendiger Prozess. Auch Datenschutz-Regelungen erschweren ihm zufolge die Umsetzung der digitalen Gästekarte.
Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Verkehrsverbünden sei ebenfalls nicht leicht, berichtet Arnold. Zwar wird die digitale Karte grundsätzlich akzeptiert, doch vielerorts fehlt noch eine einheitliche Kontrolle. Hinzu kommt, dass ältere Gäste sich mit digitalen Lösungen teilweise schwer tun, während junge Menschen schon oft damit vertraut sind, ergänzt Hotelinhaber Wiengarn.
Zwischenbilanz und Aufwärtstrend
Nach einem Jahr Pilotprojekt fällt das Zwischenfazit gemischt aus. „Es funktioniert, aber hat noch Luft nach oben“, so Wiengarn. Insgesamt gebe er dem System aktuell die Schulnote drei. Gleichzeitig sei eine klare Entwicklung erkennbar. „Es wird immer besser“, sagt der Hotelier.
Auch bei der Schwarzwald Tourismus GmbH sieht man das Projekt auf dem richtigen Weg. „Wir brauchen die digitale Gästekarte“, betont Geschäftsführer Hansjörg Mair. An der Digitalisierung führe kein Weg vorbei. „Das ist einfach die Zukunft“, sagt Wiengarn. In einigen Jahren werde die digitale Gästekarte im Tourismus selbstverständlich sein.
Langfristig soll die digitale Gästekarte im gesamten Schwarzwald eingeführt werden. Mair plant zudem einen Ausbau zur umfassenden Mobilitätsplattform: Neben Bus und Bahn könnten in seinen Augen künftig auch Carsharing, Fahrradverleih oder E-Scooter integriert werden.