Markus Spettel bei der Arbeit – er ist Chef der Kur und Bäder GmbH und steht somit einem Betrieb vor, der unter ganz besonderen Vorzeichen wirtschaftet. Foto: Patrick vom Berg

Es ist Bad Dürrheims teures Kur-Dilemma – warum Kurpark, Kurhaus und Solemar trotzdem unverzichtbar sind, erläutert der Kur und Bäder-Chef Markus Spettel.

Die Kurstadt Bad Dürrheim hat finanziell zu kämpfen. Wie es sich für eine ordentliche Kurstadt landläufig gehört, unterhält man hier mit dem Solemar auch eine stattliche Badelandschaft.

 

Wäre die Kommune ohne diesen „Luxus“ dann nicht besser dran?

Was dran ist an den Stammtisch-Parolen, die hinter vorgehaltener Hand durchaus immer wieder zu hören sind – und warum die Kur und Bäder GmbH in Bad Dürrheim kaum Chancen hat, finanziell auf einen grünen Zweig zu kommen, erläutert einer der es wissen muss, im Gespräch mit der Redaktion: der Chef der Kur- und Bäder GmbH, Markus Spettel.

Warum ist die Bilanz wirklich so schlecht?

Mit den Zahlen, die er jahrein, jahraus den Gemeinderäten präsentieren muss, gewinnt Markus Spettel nicht gerade den Preis für den rentabelsten Betrieb in Bad Dürrheim. Mitnichten tut er das – schließlich stehen unterm Strich, wie 2024 beispielsweise, mal eben knapp drei Millionen Euro Miese.

Müsste die Kur und Bäder GmbH demzufolge für 2026 nun ein krasses Sparprogramm fahren? Ganz so einfach ist die Rechnung dann doch nicht aufgemacht. Dafür nämlich braucht es den Blick ins Detail – und dabei fällt auf: Das, was die Bilanz der GmbH trübt, sind Ausgaben für essenzielle Einrichtungen der Kurstadt. Das Kurhaus und der Kurpark gehören beispielsweise dazu.

Von „DAWI“-Leistungen, also Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse, spricht Markus Spettel in diesem Zusammenhang. Und diese haben eine unschöne Gemeinsamkeit: Sie kosten viel Geld, spielen aber – zumindest auf den ersten Blick – keines ein. Diese Leistungen sind zwar wichtig – eine Kurstadt beispielsweise benötigt natürlich einen Kurpark, ein Kurhaus und auch ein entsprechendes Freizeit- und Tourismusangebot. Wirtschaftlich aber sind diese klassisch defizitären Leistungen so unattraktiv, dass sie auf dem freien Markt schlichtweg nicht für vernünftiges Geld zu vergeben wären.

Weshalb also nicht einfach darauf verzichten?

„Eigentlich sind das Leistungen, für die ein Marktversagen vorliegt“, erläutert Spettel. Einen sechsstelligen Betrag gebe die Kur und Bäder jährlich etwa für den Kurpark aus, insgesamt liege der Kurbetrieb eher im siebenstelligen Bereich – „und wenn ich das Minara noch dazurechne, bin ich halt bei solchen Summen“ in Millionenhöhe.

Spettel betont aber mit Blick auf diese Ausgabenbereich auch, wie unverzichtbar sie seien: „Für uns in Bad Dürrheim hat das eine große Bedeutung.“ Und mehr noch: Jeder Euro, der beispielsweise ins Kurwesen investiert werde, fließe wieder – mehrfach versteuert – zurück.

Ein Institut habe das für Bad Dürrheim einmal analysiert und kam zu erstaunlichen Zahlen: Durch den Tourismus in Bad Dürrheim kommen rund 100 Millionen Euro Umsatz durch die Gäste zurück – beispielsweise 45,4 Millionen Euro ins Gastgewerbe, 12,9 Millionen Euro in den Einzelhandel und 41,4 zu restlichen Dienstleistern. Letztlich seien also all diese scheinbar überflüssigen Ausgaben eine Art Wirtschaftsförderung, die sich am Ende bezahlt mache.

Nähme die Kur und Bäder GmbH sich dieser Aufgaben nicht an, „wäre das Defizit sogar noch größer“, schätzt Spettel. Dann nämlich müsste die Stadt das aus dem Haushalt finanzieren – alleine die Tatsache, dass dann der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst gelte, der für die GmbH nicht bindend sei, zeigt, wie unlukrativ das dann wäre. „Unser Kämmerer hat das auch mal ausgerechnet“, betont Spettel und gibt damit auch preis, was einer der Beweggründe für die Gründung der Kur und Bäder GmbH im Jahr 1958 gewesen sein dürfte.

Ein Fass ohne Boden?

Markus Spettel ist zuversichtlich, dass das Defizit zumindest 2025 wieder etwas kleiner ausfällt als zuletzt. Auf einen Fehlbetrag von 2,5 bis 2,6 Millionen Euro dürfte sich die Bilanz einpendeln, vermutet er. Bis zu den vergleichsweise positiven Verhältnissen im Jahr 2019 ist allerdings noch viel Luft. Damals lag man bei einem Defizit von unter 900 000 Euro, so Spettel. Aber dann kam Corona – und schließlich die jetzt allgemeinen Preissteigerungen und allem voran die Energiekrise. Beides traf die Kur und Bäder knüppelhart, in Zahlen: 2019 lagen die Gaskosten bei 434 000 Euro, so Spettel, 2024 bei 1,2 Millionen Euro. Ähnlich hätten sich die Beträge für Strom und Wasser verhalten.

Und ja, auch der in Bad Dürrheim schon heftig diskutierte Wasserpreis schlägt sich hier massiv nieder: Mit dem Solemar und dem Hallenbad Minara hat die Kur und Bäder zwei Extremverbraucher unter ihrem Dach – „und wir zahlen Eins-zu-Eins das, was der normale Verbraucher auch zahlt“, stellt Spettel klar.

Trotzdem: Ein bisschen Spielraum bleibe – im kommerziellen Bereich könne man die Bilanz der GmbH durchaus beeinflussen. Und auch das Solemar nimmt eine solche Sonderrolle ein.

Diese Rolle hat das Solemar

Das Thermalbad ist eine Perle für Bad Dürrheim. „Das Solemar läuft nicht defizitär“, freut sich Markus Spettel, es fahre sogar jährlich einen Gewinn im sechsstelligen Bereich ein. Eine Last also ist das Wellness- und Gesundheitszentrum keineswegs, sondern betriebswirtschaftlich von höchster Bedeutung – was wiederum verdeutlicht, wie groß die Herausforderung wäre, wenn das Bad einmal zeitweise oder ganz wegfallen sollte. Und: Das Solemar entlaste den Haushalt auch allgemein – jeder Euro Umsatz in der Therme beispielsweise löse drei Euro Umsatz in der Wirtschaft Bad Dürrheims aus.