Relativ eng und kurvig: Die Landesstraße 409, die zunächst als Umleitungsstrecke dient, im Anschluss aber selbst an die Reihe kommen soll. Foto: Michel

Wenn aus Straßen Holperpisten werden, wird gemurrt, wenn gebaut wird zuweilen auch, besonders wenn’s zuviel wird und Vollsperrungen im Spiel sind wie bei der geplanten Sanierung der Bundesstraße 462 zwischen Klosterreichenbach und Industriegebiet Mähderstraße.

Baiersbronn-Klosterreichenbach. Voraussichtlich Mitte nächster Woche sollen die Arbeiten an der Bundesstraße 462 starten. Den genauen Termin will das Regierungspräsidium noch bekanntgeben. Die Planung von Baustellen ist eine komplizierte Sache für die beteiligten Behörden. Wie das funktioniert und warum manches läuft wie es läuft und nicht anders, dazu haben wir eine Reihe von Fragen an die Pressestelle des Regierungspräsidiums gerichtet.

Wieso erfolgen die Informationen über solche Maßnahmen zum Teil relativ kurzfristig?

Bei der Sanierungsmaßnahme der B 462 gab es im Vorfeld des Projekts vielfältige Abstimmungsgespräche. Bereits vor rund zwei Jahren wurde das Projekt der Gemeinde Baiersbronn und den Verkehrsbehörden angekündigt. Weil es noch so viele andere dringende Vorhaben gab, musste sie jedoch von 2020 auf das Jahr 2021 verschoben werden. Nach der Rückmeldung der Gemeinde im Juni, dass keine nennenswerten Leitungsarbeiten der Gemeinde notwendig werden, konnte die Maßnahme durch das Regierungspräsidium vorbereitet werden. Daraufhin erfolgte die Abstimmung eines Grobkonzepts mit Beteiligung der Verkehrsbehörde und der Gemeinde Ende Juli. Dabei wurden Lösungen sowohl für den Anlieger- wie auch den überörtlichen Verkehr gesucht. Anschließend wurde das Grobkonzept der Verkehrsführung in rund 20 Verkehrszeichenplänen für die Arbeiten an der B 462 und der L 409 ausgearbeitet. Es war vorgesehen, die Arbeiten im Oktober und November abzuwickeln, um die Belastungen insbesondere für die Tourismusbranche so gering wie möglich zu halten. Eine Verschiebung auf 2022 war nicht möglich, da bereits andere Projekte im Umkreis Baiersbronns anstehen. Wegen des engen Zeitfensters erfolgte die Ausschreibung anhand der vorabgestimmten Verkehrszeichenpläne.

Was hat dazu geführt, dass die Baufirma eine Mitteilung mit einem zu frühen Termin an Anlieger weitergegeben hat?

Bei der Beantragung der verkehrsrechtlichen Anordnung durch die Baufirma bei der Verkehrsbehörde stellte sich heraus, dass im Detail noch Anpassungen notwendig sind. Diese Änderungen mussten eingearbeitet werden, sodass der Baubeginn verschoben werden musste. Die Anliegerbenachrichtigung durch die Baufirma war daher nicht mehr aktuell und hatte sich mit der Rückmeldung, dass die Pläne noch anzupassen sind, überschnitten.

Es gibt zurzeit im Kreis eine ganze Reihe von Baustellen. Vor allem Transportunternehmen und ihren Fahrern machen besonders die langandauernden Vollsperrungen und die zum Teil engen Umleitungsstrecken zu schaffen. Gibt es keine Möglichkeit, das anders zu koordinieren?

Es erfolgen im Vorfeld aufwendige Koordinierungen, was jedoch gerade im Bereich Baiersbronn eine große Herausforderung ist, da dort in den nächsten Jahren viele Vorhaben anstehen. Sie sind Teil des Erhaltungsmanagements des Verkehrsministeriums. Wegen der Gartenschau 2025 sind gerade die Arbeiten auf den Bundes- und Landesstraßen mit denen der Gemeinde Baiersbronn eng aufeinander abgestimmt. Regelmäßig werden in Gesprächen mit der Polizei und den Verkehrsbehörden die Bauprojekte vorbesprochen und auch hinsichtlich der gegenseitigen Beeinflussung abgestimmt. Die anstehenden Vorhaben sowie bereits laufende Maßnahmen werden zu Beginn eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die jeweiligen Umsetzungszeiträume können sich zwar noch verschieben, jedoch ist damit frühzeitig bekannt, an welchen Bundes- oder Landesstraßen in absehbarer Zeit gebaut wird.

Gäbe es nicht die Möglichkeit, statt mit Vollsperrungen mit Behelfsfahrstreifen zu arbeiten?

Der Bau von Behelfsfahrstreifen ist in der Regel nicht möglich, da sich die dafür nötigen Flächen meistens nicht im Eigentum der öffentlichen Hand befinden und somit zeitaufwendige Planfeststellungsverfahren erforderlich wären, um an diese Flächen zu kommen. Zudem wäre der Anbau und spätere Rückbau von zusätzlichen Fahrstreifen teuer. Ebenso wären bei bislang nicht versiegelten Flächen gegebenenfalls im Vorfeld naturschutz- und artenschutzrechtliche Untersuchungen vorzunehmen.n  Die Fragen stellte Helga Michel