Bastelladen, Reformhaus, Schatzkammer: Die Liste der Leerstände in der Innenstadt wird immer länger. Zuletzt gab es Gerüchte, dass auch die drei großen Modeketten Lahr verlassen wollen. Was ist dran? Unsere Redaktion hat bei New Yorker, C&A und H&M nachgehakt.
Von „erfreulichen Entwicklungen“ in der Innenstadt hatte OB Markus Ibert vor Weihnachten mehrfach gesprochen. Der Rathauschef bezog sich dabei auf die erfolgten Übernahmen in „Schäfer’s Eck“ und im „Wolkenkratzer“ sowie auf den geplanten Supermarkt im ehemaligen Schuhhaus Kindle.
Das neue Jahr jedoch startete mit mehreren schlechten Nachrichten: Erst kündigte der Bastelladen Krea an der Stadtmühle seinen Rückzug an, kurze Zeit später folgten das Dekogeschäft Schatzkammer in der Bismarckstraße und das Reformhaus in der Kaiserstraße. Vom neuen Supermarkt mit Gastronomieangebot in der Marktstraße ist weiterhin nichts zu sehen; die neue Inhaberin des Gebäudes, Asia Loodin, verwies auf Nachfrage zuletzt immer wieder darauf, dass ihr Projekt noch Zeit brauche.
Der allgemeine Eindruck: Die Innenstadt blutet immer weiter aus. Zu allem Überfluss kursierten zuletzt Gerüchte, dass die drei großen Modeketten mit Filialen in Lahr – C&A , H&M sowie New Yorker – der Stadt den Rücken kehren. Das wäre wohl der endgültige K.o. für die angeknockte Innenstadt.
Teilweise betrübende Bilder in den Geschäften
Unsere Redaktion hat sich an einem sonnigen Nachmittag in der Innenstadt umgesehen. Während an den Wochenmarktständen auf dem Marktplatz nur geringer Betrieb herrscht, ist in der Marktstraße selbst etwas mehr los. Einige Pärchen schlendern übers Kopfsteinpflaster, auch ein paar Familien sind unterwegs. Und wie sieht es in besagten Modehäusern aus? Start im ehemaligem Kaufhaus Krauss. Bei C&A ergibt sich tatsächlich ein betrübendes Bild. Nur einige wenige Kunden schauen im Erdgeschoss unverbindlich nach neuer Kleidung, das obere Stockwerk ist komplett verwaist. Ist etwas dran an den Rückzugsgerüchten? Das Unternehmen dementiert. „Es gibt keine Pläne für eine Schließung“, lautet die schlichte Antwort der Pressestelle auf die Anfrage unserer Redaktion.
Bei New Yorker, im selben Gebäude beheimatet, sieht das Bild schon etwas anders aus. Bereits vor dem Laden locken Pullover und Jacken potenzielle Kunden an. Innen herrscht durchaus Betrieb. Einige Jugendliche sehen sich um, auch Eltern gehen mit ihren Kindern auf Schnäppchenjagd – denn leuchtend gelbe Schilder signalisieren „Sale“. Ist das schon der Ausverkauf? Nein. „Unsere Filiale bleibt weiterhin für unsere Kunden geöffnet“, lässt die Pressestelle der Modekette auf Anfrage unserer Redaktion wissen. Eine Schließung könne man nicht bestätigen, man möchte den Kunden „ein modernes und attraktives Einkaufserlebnis bieten“.
Schließungsgerüchte gab es bereits vor vier Jahren
Bleibt noch H&M. Vor der Filiale in der oberen Marktstraße stehen beim Besuch unserer Redaktion zwar ein paar Menschen, Kleidung shoppen scheint aber nicht ihr Anliegen zu sein. Im Inneren zählt unsere Redaktion auf beiden Etagen zusammen zehn Kunden, darunter einige Kinder. Gerüchte um einen Rückzug der schwedischen Modekette im früheren Kaufhaus Ruch gab es bereits Ende 2021. Damals dementierte die Pressestelle die Schließung. Wie sieht es heute aus? „Es ist weiterhin keine Schließung unseres Stores in Lahr geplant“, gibt die Pressestelle Auskunft. Man möchte modebegeisterten Kunden in Lahr auch in Zukunft Mode bieten.
Das sind freilich gute Nachrichten von den Modeketten. Dennoch will und wird die Verwaltung in die Innenstadt investieren. 1,67 Millionen Euro – zu 60 Prozent gefördert – werden bis 2033 für das „Sanierungsgebiet Innenstadt“ locker gemacht, um, wie es Ibert ausdrückte, „die Herzkammer unserer Stadt zu stärken“.
Geschichte der Häuser
C&A sowie New Yorker sind im ehemaligen Kaufhaus Krauss beheimatet. Das „KK“ stand nach der Insolvenz der GmbH im Jahr 2010 rund vier Jahre leer. Anfang Mai 2014 eröffnete die C&A-Filiale, Ende Juli folgte New Yorker. H&M wiederum ist im ehemaligen Kaufhaus Ruch eingemietet. Der damalige Eigentümer Jürgen Ruch hatte das Kaufhaus 2002 aufgegeben, für einen Millionenbetrag umbauen lassen und die ersten zwei Etagen an H&M vermietet. 2012 folgte eine Erweiterung der Verkaufsfläche.