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Das große Umdenken beim VfB Talente werden in ganz Europa eingesammelt

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Drei plus eins: die Eigengewäche Hansi Müller, Kevin Kuranyi und Mario Gomez (von links) verkörpern den alten VfB, während Zugang Julian Green für das neue Geschäftsmodell steht. Foto: Baumann (2), dpa (2)

Stuttgart - Ja, Dragan Holcer – das war noch einer. Ein in vielen Fußballschlachten gestählter Abwehrrecke. Ein mit allen Wassern gewaschener Ausputzer. Ein Meister des taktischen Fouls, als selbst das taktische Foul noch nicht wusste, dass es überhaupt existiert. 40 Jahre ist das jetzt her, dass ­Holcer den Prellbock in der Abwehr des VfB Stuttgart gab, und nicht wenige seiner ­damaligen Mitspieler sind noch heute der Meinung, der Club müsste dem Libero ­posthum ein Denkmal setzen. So wichtig war der frühere jugoslawische Nationalspieler für die Aufstiegsmannschaft.

Doch in Wahrheit war es so, dass der nicht gerade schnelle Holcer gar nicht so viele Angreifer auflaufen lassen musste. Denn um ihn herum grätschte Karlheinz Förster die Gegner gnadenlos gut ab. Auch die Außenverteidiger Bernd Martin und Markus Elmer ließen nicht viel durch. Hatten sie den Ball schließlich erkämpft, stürmten sie selbst los oder lieferten die Kugel bei Hansi Müller ab – und der Spielmacher wusste aus seinem linken Fuß stets einen schönen Pass herauszuschütteln.

So erzählt es die Legende, und auf ihr begründet sich der Mythos, dass der VfB in besonders schlechten Zeiten immer schon auf eigene Talente setzen konnte, oder zumindest auf welche, die nicht von weiter weg kamen als Mannheim oder Ulm. Denn ähnlich lief es danach mit der ersten und zweiten Generation der jungen Wilden: Hildebrand, Hinkel, Hleb und Kuranyi (2002/2003) beziehungsweise Gomez, Khedira, Tasci und Gentner (2006/2007).

Trainer Hannes Wolf wünscht nur den weltbesten 26-Jährigen

Allen gemein ist, dass sie beim VfB eine Erfolgsära begründeten. Allen gemein ist aber ebenso, dass es Stabilisatoren wie Dragan Holcer, Hermann Ohlicher und Ottmar Hitzfeld, später Krassimir Balakov, Zvonimir Soldo und Marcelo Bordon sowie noch später Fernando Meira, Pavel Pardo und Thomas Hitzlsperger um die Jungspunde ­herum gab. Und jetzt? „Wir hatten zuletzt Christian Gentner, Simon Terodde, Mitch Langerak, Kevin Großkreutz und Emiliano Insua auf dem Platz, auch Daniel Ginczek, Florian Klein, Hajime Hosogai und Tobias Werner sind erfahren“, sagt Manager Jan Schindelmeiser über die Aufstellung zum Rückrundenstart beim FC St. Pauli (1:0).

Auch an diesem Montag (20.15 Uhr/Sport 1) gegen Fortuna Düsseldorf wird die VfB-Elf ähnlich aussehen. Nur liegt zwischen diesen beiden Zweitligabegegnungen das große Transferfinale, das mit drei letzten Verpflichtungen gleich zwei Debatten wieder ausgelöst hat. Die eine fußt auf dem spektakulär niedrigen Durchschnittsalter der Neuen: Auf 19,75 Jahre bringen es die im Winter geholten Julian Green (21), Ebenezer Ofori (21), Jérôme Onguéné (19) und Josip Brekalo (18). Gerade für die Defensive hätten sich jedoch viele Fans einen Schuss mehr Routine gewünscht, um die Sehnsucht nach mehr Sicherheit zu stillen.

„Das sind aber Scheinsicherheiten“, sagt der Trainer Hannes Wolf, der wie Schindelmeiser in der Überzeugung agiert, dass es keine Erfolgsgarantie gibt. Nicht mit 36-Jährigen und auch nicht mit 26-Jährigen. Mit den jungen Spielern ging es dem Duo deshalb darum, weder das Mannschafts- noch das Gehaltsgefüge zu sprengen. Außerdem stellt sich immer öfter die Frage, welche etablierten Profis der VfB überhaupt noch bekommt. „Nennen Sie mir den besten 26-jährigen Fußballer der Welt“, sagt Wolf, „den hätte ich natürlich gerne genommen.“

Manager Schindelmeiser entwickelt ein neues Geschäftsmodell

Die Realität auf dem Transfermarkt sieht mittlerweile jedoch so aus, dass die Stuttgarter nicht einmal mehr in den Einkaufssegmenten darunter zum Zug kommen. Sie müssen auf gewiefte Billiglösungen mit Potenzial hoffen. Zwangsläufig hat das große Umdenken eingesetzt. „Wir brauchen Spieler, die den unbedingten Willen haben, nach oben zu kommen. Das ist wichtiger als die Erfahrung, schon oben ­gewesen zu sein“, sagt Schindelmeiser über eines seiner Auswahlkriterien.

Dem Mangel an Tempo, Spielwitz und Erfolgshunger im Kader begegnet Schindelmeiser deshalb konsequent mit einer veränderten Personalpolitik. Zwar hat er in guter VfB-Tradition aus der Not eine Jugend ­gemacht, aber er sammelt diese Perspektivspieler in ganz Europa ein, wie die Sommercoups Carlos Mané, Takuma Asano und Benjamin Pavard ebenso belegen wie die Wintertransfers. Was einerseits den Reiz eines neuen schwäbischen Jugendstils entfalten könnte, andererseits aber schwer an der Hauskultur in der Mercedesstraße rüttelt.

Doch auch dieser zweiten Debatte stellt sich Schindelmeiser: „Ich würde am liebsten Jungs aus Bad Cannstatt verpflichten.“ ­Allerdings steckt der VfB in dem ­Dilemma, dass es weder im heimatlichen Stadtbezirk noch im eigenen Nachwuchsleistungszentrum Jungs gibt, die für tauglich befunden wurden. Auf nicht absehbare Zeit. Weshalb das Geschäftsmodell so angepasst wurde, dass nun fremde Talente veredelt und später verkauft werden sollen. „Das schafft Werte“, sagt Wolf.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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