Michael Gaedt tritt mit 68 Jahren zum ersten Mal mit einem eigenen Soloprogramm auf. Foto: Theaterhaus

In seinem ersten Solo-Programm schwärmt der Entertainer Michael Gaedt (Die Kleine Tierschau, „Soko Stuttgart“) von Madonnas Damenbart und weckt tierische Erinnerungen.

Michael Gaedt verriet seinen Fans schon vor der Premiere seiner ersten Solo-Show, dass er sich in einen Döner-Spieß verwandeln wolle. Er verriet ihnen nicht, dass es Grace Jones war, bei ihrem Auftritt anlässlich des Stuttgarter Jazz Open, die ihn zu dieser Nummer inspirierte. Gaedt sah Jones in einem vielen Meter hohen Kleid, wie sie über der Bühne des Schlossplatzes thronte, und er dachte sich: „Was sie kann, kann ich auch!“ Drum dreht er sich nun, am Samstagabend im Theaterhaus, als braungebrutzelte Streetfood-Ballerina mit Knoblauchduft stolz zum Grace-Jones-Song „Slave To The Rhythm.“

 

Was Grace Jones kann, kann Michael Gaedt schon lange

„Das große Scheppern“ – so hat Michael Gaedt den ersten Abend genannt, den er alleine auf der Bühne bestreitet. Gaedt ist 68 Jahre alt seit Juli – der Zeitpunkt für den ersten solistischen Auftritt ist also spät gewählt, der Künstler jedoch gut in Form. Neun Jahre sind vergangen, seitdem Die Kleine Tierschau, zuletzt ein Duo, sich vom Publikum verabschiedete, schon sieben Jahre zuvor hatte Ernst Mantel sich von der Gruppe getrennt. Der schiere Blödsinn unter maximalem Aufwand, den die Tierschau trieb, hallt auch in Gaedts Solo-Programm wider. Spät am Abend werden die Zuschauer im ausverkauften Saal T2 Figuren und Apparaturen aus langvergangenen Zeiten freudig wiedersehen.

Zuvor profiliert sich Michael Gaedt dort als anarchisch wilder Interpret von Wahnsinn und Weltruf. Er reiste, so erzählt er, mit der Kleinen Tierschau nach New York und traf Madonna, er singt nun ein Lied für sie: „Du hast nen Damenbart Baby, ich hoffe, du rasierst dich nie“ – dies zur Melodie von „I Was Made For Lovin‘ You“, von Kiss. Und Gaedt hat nicht nur musikalische Prominenz getroffen – er ist auch mit ihr verwandt: „Meine Ex-Schwiegermutter“, verrät er, „sah aus wie Johnny Cash.“

Motorrad, Plastikpferd, Marshall-Verstärker

Michael Gaedts Bühne ist schlicht, von Blitzen erhellt. Da steht ein Motorrad, sehr alt, dass der Held des Abends irgendwann mit übermenschlicher Kraft davontragen wird. Da ist ein Gong, fast wie bei Pink Floyd, von dem er eigentlich keinen Gebrauch macht. Da ist ein Transportwagen für Reisekoffer und ein kompaktes kleines, schweres Bodenbearbeitungsgerät, das Michael Gaedt sich auf die bloße Brust legen lässt, nachdem er sich selbst zuvor auf zersplittertem Glas niederlegte: Er geht bis zum Äußersten!

Ganz zur Rechten steht eine übergroße Pappattrappe des Künstlers in Rodeokluft, und ebenso kommt Gaedt zu Beginn auch auf die Bühne, reitet ein Pferd aus Plastik. Zentral derweil ein Turm aus Marshall-Verstärkern, davor drei Gitarren, Dobros: Auf ihnen klampft der Meister rau und blechern, lässt es scheppern. Der erste Song, den er sich vornimmt, ist von The Sweet: „Ballroom Blitz“ hat Michael Gaedt umgeschrieben und der Rockfabrik Ludwigsburg gewidmet, dem Ort seiner jugendlich-musikalischen Sozialisation. Dort, in der Mitte der Tanzfläche, sagt er, pflegten einst junge Frauen zu verschwinden, aufgesogen von einem mysteriösen Tanzflächenstrudel. Eines Tages, erklärt Michael Gaedt, möchte er ans andere Ende der Welt reisen, um nachzusehen, ob sie dort wieder ausgespien wurden.

Michael Gaedt ist laut, schrill, hemmungslos

Gaedt ist laut und schrill und hemmungslos, er kalauert, keift und greint und jodelt, spricht öfter schwäbisch und spielt manchmal, sehr plötzlich, perfekt die Gitarre („Da guksch fassungslos!“). Er pflegt den Rock’n’Roll, hat einen Sack voller Damenunterwäsche mitgebracht, mit der er sich bewerfen lässt, wünscht sich vergeblich, jemand möge auch mit langen Herrenunterhosen noch ihm werfen, strippt sich stundenlang aus tausend bizarren Slips und verschwindet dann mit Blitz und Knall.

Selbstverständlich bittet er auch Publikum auf die Bühne. Ansgar, Martina und Stefan heißen die ersten Kandidaten. Sie dürfen Iron Butterflys „In A Gadda Da Vida“ auf gestimmten Autohupen spielen. Später wird Michael Gaedt das Paar Tom und Ute ins Rampenlicht bitten, Toms romantische Gedanken lesen und ihn auf die Turbanwickelmaschine setzen. Tom ist es auch, der die schwäbische Version eines Glückskekses auf Michael Gaedts Brust zerbrechen darf, mit dem Hammer: Die Botschaft findet sich im Innern einer Gehwegplatte.

Michael Gaedt: „Das große Scheppern“ – Weitere Termine

Wie jeder große Komiker bringt Michael Gaedt sein Publikum dazu, von Herzen über sich selbst zu lachen. Er singt: „Sie hatte gestern keinen Sex, und das seit Jahren“, singt auch den Superhit, den Die Kleine Tierschau 1989 landete, mit flüsterndem Publikumschor: „Lieber doof sein, als Gaby heißen!“ Er verabschiedet sich, gut gelaunt, lachend und lapidar: „I wois was i jetzt mach, i räum dahanna auf!“

Michael Gaedt: Das große Scheppern. Weitere Termine am 4. Januar und am 27. April 2026 im Theaterhaus. Infos und Tickets gibt es hier.