Der Marktplatz stand unter Wasser. Der Schlamm war zentimeterhoch. Foto: Kauffmann

Als am Donnerstagnachmittag der starke Regen in Bisingen einsetzt, ist noch nicht abzusehen, was kurze Zeit später passieren wird. Teile der Gemeinde werden überschwemmt, ein Großeinsatz läuft an. Eindrücke davon fassen wir hier zusammen.

Die Szenen sind schier unbeschreiblich: Der Klingenbach und der Angelbach verwandeln sich binnen Minuten in reißende Flüsse. Der Marktplatz wird wenige Zeit später gut einen Meter unter Wasser stehen, Autos und Altglascontainer werden mitgerissen werden, Menschen evakuiert. Überflutungen sind zu sehen, Straßen gesperrt – ein Großeinsatz beginnt.

 

Wetterdienst gibt Warnung heraus

Wenige Stunden zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst für den Zollernalbkreis eine Vorabinformation zu drohendem Unwetter herausgegeben. Vereinzelt und lokal eng begrenzt sei auch extrem heftiger, mehrstündiger Starkregen zwischen 40 und 60 Litern wahrscheinlich. Am Donnerstagnachmittag zogen die Gewitter tatsächlich über den Zollernalbkreis. Aber mit dem, was dann geschah, hatte in Bisingen niemand gerechnet. Teile der Gemeinde Bisingen und die Ortsteile standen unter Wasser.

Der Polizeinotruf war zeitweise überlastet. Zahlreiche Rettungskräfte waren vor Ort. Augenzeugen berichteten schon am Nachmittag vom Einsatz von Wasserwacht und DLRG.

Sirenen heulen gegen 17.45 Uhr

Taucher hielten sich bereit. Schlauchboote waren zu sehen. Sirenen heulten gegen 17.45 Uhr, um vor der Gefahr zu warnen. Neben der Bisinger Feuerwehr unterstützten unter anderem Wehren aus Hechingen, Meßstetten, Reutlingen und Tübingen, zudem THW und DRK. Der Zivilschutz war vor Ort, und auch die Hausmeister und der Bauhof der Gemeinde Bisingen waren im Einsatz.

Fluten reißen Altglascontainer mit

Die Fluten hinterließen an viele Stellen eine Spur der Verwüstung: Auf dem Marktplatz war die Strömung war so stark, dass sie dort geparkte Autos in Bewegung versetzte und etliche Pflastersteine aus dem Fundament hob. Die Eisdiele stand unter Wasser, der Kreisel in der Ortsmitte, die Baustelle vor dem Gutenberg-Kindergarten wurde weggeschwemmt. In Videos war zu sehen, dass Altglascontainer wie Spielzeug weggerissen werden.

Aufwärmen in der Hohenzollernhalle

In die Hohenzollernhalle evakuierte die Feuerwehr Personen aus Häusern, zwischenzeitlich bis zu 25 Menschen. Dort fanden sie einen Ort, um sich aufzuwärmen, wurden mit Getränken versorgt. Grund dafür war, dass die Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, wie hoch der Pegel steigen würden, außerdem waren Erdgeschosswohnungen teils vollständig überflutet.

Feuerwehr befreit Menschen

Aus dem Eiscafé Rialto haben die Einsatzkräfte zwei Menschen befreit, eine Person wurde aus einem Auto auf dem Marktplatz geholt, weitere zwei Personen wurden von den Einsatzkräften in der Bachstraße von einem Untergeschoss ins Obergeschoss gebracht, wie Steffen Schmidt, Kommandant der Feuerwehr, Abteilung Bisingen, berichtete.

Schaulustige beobachten Fluten und Aufräumarbeiten

Gegen 19.40 Uhr begannen die Aufräumarbeiten. Die Bisinger packten an, vor allem entlang des Klingenbachs waren überall Personen zu sehen, die ihre Keller putzten. Entlang den Straßen lagen dicke Baumstämme, die die Gewalt der Fluten dorthin schwemmte. In den Ortsteilen dasselbe Bild. Dazu gehörten auch Menschen, die als Schaulustige Aufräumarbeiten und Fluten zu beobachten schienen.

Erste Meldung ging 16.36 Uhr ein

Nach Angaben von Bürgermeister Roman Waizenegger ging die erste Meldungen mit Bezug zur Flut um 16.36 Uhr ein. Einsatzschwerpunkt war der Verlauf des Klingenbachs. Die Feuerwehr zählte am Donnerstag, Stand 19.30 Uhr, insgesamt rund 300 Einsatzkräfte vor Ort – darunter waren im Übrigen auch solche, die selbst vom Hochwasser betroffen sind. Die Aufräumarbeiten dauerten bis in die Nacht an. Dabei kam auch schweres Gerät, unter anderem ein Radlader des THW, zum Einsatz – Ziel war es, den auf die Plätze und Straßen gespülten Schlamm noch in der Nacht zu entfernen. Dazuhin war die Feuerwehr beim Auspumpen etlicher Keller im Einsatz.

Hubschrauber folgt dem Lauf des Klingenbachs

Auch ein Hubschrauber flog über Bisingen. Der Hubschrauber war nach Angaben der Feuerwehr Bisingen entlang des Verlaufs des Klingenbachs unterwegs, um aus der Luft das Lagebild zu verbessern. So konnte unter anderem leichter ermittelt werden, wenn sich das Wasser aufgrund von Hindernissen, wie etwa Treibholz staute, erläuterte Kommandant Schmidt.

Auch der Verkehr war massiv betroffen: nicht nur innerhalb Bisingen, sondern auch auf der Bundesstraße 27. Sämtliche Zufahrten nach Bisingen Fahrtrichtung Hechingen auf der B27 waren voll gesperrt. Die Fahrzeuge stauten sich zeitweise bis auf die Höhe Engstlatt. Gesperrt waren zudem die Ortsdurchfahrt Wessingen und Zimmern wegen Überflutung.

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