Ratten leben ziemlich gut von dem, was wir verschwenden Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wie schnell sich Entzücken in Ekel wandeln kann und wo sie Nagetiere gerne sieht, darüber schreibt unsere Kolumnistin Anna Katharina Hahn dieses Mal.

Stuttgart - Schau mal, die ganzen Eichhörnchen! Wie die da an dem Mülleimer rumturnen!“ Ein lauer Abend am Isebekkanal, Ecke U-Bahn Hoheluftbrücke, mitten in Hamburg. Frittendunst vom nahen McDonald’s, rosigviolettes Sonnenuntergangslicht auf dem Wasser, Spaziergänger Arm in Arm, viele mit einem Eis auf der Waffel. Spätsommer 1995 in der Stadt. Mein Begleiter lachte und sagte trocken: „Ich glaub, du brauchst ne neue Brille.“ Erst als ich genauer hinschaute, diesmal mit zusammengekniffenen Augen, erkannte ich, dass es sich bei den langschwänzigen, elegant auf dem Rand des städtischen Abfallbehälters balancierenden, Lebensmittelreste zwischen den Pfoten vor der Brust haltenden, emsig nagenden Geschöpfen um Ratten handelte. Mein Entzücken wandelte sich in Ekel. Damals verbrachte ich täglich viele Stunden im fensterlosen Mikrofiche-Leseraum der Staatsbibliothek, um auf einem schlecht beleuchteten Bildschirm Handschriften aus dem 15. Jahrhundert zu entziffern. Dieses Augenpulver hatte kapitale Kanalratten in possierliche Baumbewohner verwandelt.

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