Sarah Hagmann (MdL, Grüne) besuchte das Bioenergiedorf Steinen-Hägelberg. Was man hierbei lernen konnte.
Die grüne Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann besuchte kürzlich die Heizzentrale der Genossenschaft „Energie aus Bürgerhand Hägelberg“.
In Bürgerhand
Im Gespräch mit den Vorständen und Geschäftsführern Walter Müller und Stefan Ruotolo, dem Aufsichtsrat Gunther Braun sowie den beiden Energiepionieren Jürgen Rösch (Projektmanager) und Manfred Ruf (Ingenieur) sprach sie unter anderem darüber, welche Vorteile es für unsre Region hatte, bei der Energiewende Pionierfunktion und Vorbild zu sein. Ziel war, Hägelberg mit Wärme und Strom aus regenerativen Energiequellen zu versorgen, so die Mitteilung.
Alleinstellungsmerkmal
Hägelberg hat im Landkreis Lörrach ein Alleinstellungsmerkmal: Es ist das einzige Bioenergiedorf. Bürger aus Hägelberg haben das Projekt selbst in die Hand genommen. Die Wärme entsteht hier aus erneuerbaren Energien, war zu erfahren: eine Kombination aus Waldrestholz, das in Form von Hackschnitzeln in speziellen Öfen verbrannt wird, sowie den in einer Biogasanlage, die von einem örtlichen Landwirt betrieben wird, erzeugten Gasen. Ein Blockheizkraftwerk der „Energie aus Bürgerhand Hägelberg“ liefert so gleichzeitig Wärme und Strom, der ins Netz eingespeist wird.
Entscheidend dafür, dass die Idee zunächst von einer Handvoll Personen aus Hägelberg wachsen konnte, war die Motivation der Bürgerschaft, selbst etwas zu unternehmen. Weitere wichtige Schritte waren laut bericht ein klares Projektmanagement und die professionelle Arbeitsweise. Das Projekt konnte innerhalb von drei Jahren erfolgreich umgesetzt werden. Inzwischen hat die eingetragene Genossenschaft 75 Mitglieder und versorgt im Ort momentan 170 Häuser mit Wärme.
170 Häuser versorgt
Alle, Genossenschaftsmitglieder, Aufsichtsräte und Vorstände seien stolz auf das Erreichte, denn dank vieler engagierter Menschen im Dorf konnte das Projekt so wachsen und weiterentwickelt werden. Seit dem Start des Projekts wurden mit Fördermitteln und Darlehen vier Millionen Euro investiert, und pro Jahr werden rund 1 500 Tonnen CO₂ eingespart. Wie wichtig diese frühen Schritte waren, zeige sich beispielsweise mit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine: Viele Menschen im Dorf waren in dieser Situation froh, nicht von Gas oder Erdöl abhängig zu sein. Jürgen Rösch und Manfred Ruf stellen das im Bioenergiedorf Hägelberg umgesetzte Konzept gerne allen Interessenten vor. Ihr primäres Anliegen sei, nachhaltig Energiewende und Klimaschutz zu fördern.
Beeindruckendes Engagement
Sarah Hagmann, MdL: „Es ist beeindruckend, wie hier vor Ort ganz selbstverständlich die Energiewende in die Hand genommen wird. Dies stärkt aus meiner Sicht erheblich die Akzeptanz. Baden-Württemberg ist bereits heute das Flächenland mit der höchsten Dichte an Energiegenossenschaften. Dies muss noch weiter gestärkt werden, zum Beispiel mit einem Bürgerenergiefonds des Landes, der die Vorplanung und Machbarkeitsprüfung von Bürgerenergieprojekten erleichtern kann.“
Der Anschluss des Hägelberger Nahwärmenetzes mit dem im Landkreis Lörrach geplanten Wärmeverbund sei eine interessante Option. Im Sinne einer interkommunalen Wärmeplanung müsse man sich diesbezüglich noch mit anderen Energieversorgern abstimmen.