Kai Havertz verwandelt den Elfmeter zur 1:0-Führung. Foto: dpa/Marcus Brandt

Nach dem Einzug ins Viertelfinale ist klar: Ein Misserfolg kann die Heim-EM für die deutschen Fußballer nicht mehr werden. Allerdings muss die Mannschaft nach Meinung unseres Autors Jochen Klingovsky nun erstmals über sich hinauswachsen.

Es gibt nicht viele Dänen, die sich einen Platz in der deutschen Fußball-Geschichte gesichert haben. Joachim Andersen gehört seit dem EM-Achtelfinale am Samstagabend in Dortmund dazu. Der Abwehrspieler von Crystal Palace erzielte in der 48. Minute die Führung für das dänische Team, die aberkannt wurde, weil sein Kollege Thomas Delaney zuvor eine Fußspitze im Abseits gestanden hatte. Und drei Minuten später unterlief Andersen ein Handspiel im eigenen Strafraum, das mit bloßem Auge kaum zu erkennen war. Erneut kam es zum Videobeweis, Kai Havertz verwandelte den Elfmeter – und statt 0:1 stand es plötzlich 1:0. Was zeigt: Wer in einem großen Turnier etwas gewinnen will, benötigt auch Spielglück.

 

Am Ende zog das deutsche Team durch einen nervenaufreibenden 2:0-Sieg ins EM-Viertelfinale ein. Die Zuschauer in Dortmund feierten die Spieler ausgelassen („Völlig losgelöst“), und diese Euphorie war aus einem Grund auch angebracht: Hätte der Gastgeber wie bei der EM 2021 das Achtelfinale nicht überstanden, wären sicherlich erneut Grundsatzfragen über den Zustand des deutschen Fußballs gestellt worden. Doch jetzt wartet am Freitag (18 Uhr) nicht nur ein weiteres emotionales EM-Fest in Stuttgart, durch den Einzug ins Viertelfinale kann das Turnier aus DFB-Sicht sportlich auch kein Misserfolg mehr werden.

Klar ist aber, dass eine Leistung wie gegen Dänemark oder im letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz in der Runde der letzten acht gegen den wahrscheinlichen Gegner Spanien ziemlich sicher nicht reichen wird. Noch hat das deutsche Team sein Potenzial nicht voll ausgeschöpft. Weder in der Offensive, in der sich Licht und Schatten abwechseln, noch in der Abwehr, die auch gegen Dänemark und die Schweiz immer mal wieder ins Wanken geriet. Allerdings ist der deutschen Elf, die getragen wird von großer Unterstützung im Land, durchaus zuzutrauen, nun über sich hinauszuwachsen. Mit Herz, Kampfgeist, Siegeswillen. Und vielleicht ja wieder mit dem nötigen Spielglück. Schönen Gruß an Joachim Andersen.