Bürgermeister Heiko Wehrle tauscht sich mit Derya Türk-Nachbaur über anstehende Herausforderungen aus. Foto: Büro Türk-Nachbaur

Bürgermeister Heiko Wehrle hat sich mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Derya Türk-Nachbaur über anstehende Probleme und geplante Projekte in Vöhrenbach ausgetauscht. Kopfzerbrechen bereitet ihm auch die ärztliche Versorgung in der Region.

Vöhrenbach steht vor großen Herausforderungen. Das wurde im Gespräch zwischen der SPD-Bundestagsabgeordneten Derya Türk-Nachbaur und dem Vöhrenbacher Bürgermeister Heiko Wehrle schnell klar.

 

Die Folgen der Ukraine-Krise, die Energiewende und die ärztliche Versorgung machen langfristige Planungen vor Ort notwendig, heißt es in einer Mitteilung. So erläuterte Wehrle während des Treffens, dass die Unterbringung von ankommenden Flüchtlingen zunehmend schwieriger wird. Kurzfristig macht er sich wenig Hoffnung, dass sich daran etwas ändern wird, denn der Wohnungsmarkt in der Region sei nahezu leer gefegt. Es stünden kaum noch freie Mietobjekte zur Verfügung.

Obwohl nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs viel Solidarität spürbar gewesen sei, kippe langsam die Stimmung. Für Flüchtlinge aus anderen Krisengebieten sei es oft sogar noch schwerer, Wohnraum zu finden. Viele Vermieter würden sich ausschließlich Ukrainer wünschen. Das erschwere die Unterbringung zusätzlich, da auch aus anderen Regionen vermehrt Flüchtlinge nach Vöhrenbach kommen sollen, berichtete Wehrle.

Mehr finanzielle Unterstützung bei der Unterbringung erwünscht

Mittelfristig sei geplant, mit einer vorausschauenden Wohnraumpolitik der prekären Wohnungssituation entgegenzuwirken. Kurzfristig sei dies allerdings nicht möglich, erklärte der Bürgermeister. Hohe Zinsen, hohe Materialkosten und teils fehlende Fachkräfte würden die Erschließung neuer Gebiete aktuell wirtschaftlich schwierig machen.

Wehrle betonte zudem, dass er sich vom Bund mehr finanzielle Unterstützung bei der Unterbringung von Flüchtlingen wünscht. Die bisherige Unterstützung für Städte und Kommunen sei unzureichend und nicht kostendeckend.

Ausbau erneuerbarer Energien im Blick

Positiv hob der Bürgermeister den Ausbau erneuerbarer Energien in Vöhrenbach hervor. Die Stadt plant derzeit, mit gutem Beispiel voranzugehen und alle städtischen Gebäude mit Photovoltaikanlagen auszurüsten. In den kommenden Jahren sollen jährlich etwa 200 000 Euro bereitgestellt werden, beginnend mit dem neu sanierten Schulgebäude und der Sporthalle. Für diese beiden Gebäude wurden die Aufträge bereits erteilt. Stolz zeigt sich Wehrle zudem, dass PV-Großflächenanlagen auf dem eigenen Gebiet entstehen sollen.

Sorge bereitet ihm jedoch die ärztliche Versorgung. Er äußerte Unverständnis über die Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung, welche die medizinische Versorgung mit Kinder- oder Frauenärzten in der Region als ausreichend bezeichnete. Die Kassenärztliche Vereinigung entscheidet, ob eine Region ausreichend mit Fachärzten versorgt ist oder nicht. Nur wenn eine Unterversorgung festgestellt wird, können neue Kassenärzte zugelassen werden. Die Vöhrenbacher müssen mittlerweile bis in den Kreis Tuttlingen fahren, um beispielsweise einen Kinderarzt zu finden, der noch Patienten aufnimmt.

Fehlendes medizinisches Personal erschwert Lage

„Die ärztliche Nahversorgung ist für die Lebensqualität im ländlichen Raum von entscheidender Bedeutung. Wenn Fachärzte nur noch in Ballungszentren angesiedelt werden, verlieren ländliche Regionen schnell den Anschluss. Die Lage darf sich nicht weiter verschärfen“, stellte die Abgeordnete klar. Fehlendes medizinisches Personal erschwert die Lage zudem noch. Man kommt daher nicht umhin, Fachkräfte aus dem Ausland einfacher anzuerkennen, um die Versorgung in der Region zu verbessern, so Türk-Nachbaur.