Architekt Roland Ostertag spricht anlässlich der vollendeten Sanierung des Lusthauses im Mittleren Schlossgarten. Foto: Michele Danze

Eine Initiative aus Stuttgarter Kulturschaffenden, Architekten und Ingenieuren will das Neue Lusthaus vor dem endgültigen Verfall bewahren. „Die verwahrlosten Reste waren ein Bild des Jammers“, sagt Architekt Roland Ostertag.

Stuttgart - „Renaissance“ bedeutet wörtlich übersetzt „Wiedergeburt“. In dieser Epoche stand der Mensch als schöpferisches Individuum im Mittelpunkt des Denkens. Italienische Renaissancebauten wurden klar und überschaubar konzipiert. Auch nördlich der Alpen sind Bauwerke aus der Renaissance zu finden. Im Raum Stuttgart gibt es nur noch wenige davon. Die über 400 Jahre alten Überreste des Neuen Lusthauses im Mittleren Schlossgarten zum Beispiel.

Das Land hatte beabsichtigt, sie „in Würde sterben“, sie vollends verrotten zu lassen. Nachdem unsere Zeitung darüber berichtet hatte, schlossen sich Stuttgarter Kulturschaffende, Architekten und Ingenieure zu einer Initiative für die Erhaltung der Ruine zusammen und gründeten 2008 den Förderverein Neues Lusthaus.

„Die Überreste des Neuen Lusthauses sind ein begehbares Gedächtnis und von großer Bedeutung für die Identität der Stadt“, sagt Roland Ostertag, Architekt und Initiator der Initiative. Es gehe ihm nicht darum, alte Steine zu erhalten. Wichtig sei ihre Aussage, ihre Bedeutung.

„Die verwahrlosten Reste waren ein Bild des Jammers“, sagt Ostertag

Das Lusthaus wurde zwischen 1575 und 1593 von Hofbaumeister Georg Beer im Auftrag von Herzog Ludwig von Württemberg erbaut. Es galt als eines der prachtvollsten Werke der deutschen Hochrenaissance. Das Lusthaus war ein Ort höfischer Spiele und Vergnügungen und wurde durch seine Anlage und Ausstattung berühmt. Es besaß einen Brunnensaal mit Wasserspielen und im Obergeschoss einen der größten Ballsäle Europas, der von einem freitragenden, ­bemalten Tonnengewölbe überspannt war. Nach einem Brand im Jahr 1902 ließ sich die einstige Pracht nicht mehr erahnen. Übrig blieb nur der westliche Arkadengang mit zwei Treppenläufen. Vom ursprünglichen Standort des Lusthauses auf dem Schlossplatz wurden seine Überreste in den Schlossgarten versetzt. Dort verfiel die Ruine, wurde von Unkraut überwuchert und durch Stahl- und Holzgerüste vor dem ­Einstürzen bewahrt.

„Die verwahrlosten Reste waren ein Bild des Jammers“, sagt Roland Ostertag, „sie waren schutzlos der Witterung ausgesetzt.“ In Zusammenarbeit mit dem Amt Bau und Vermögen des Landes und dem Förderverein Neues Lusthaus wurde die Ruine in den vergangenen zwei Jahren saniert. „Den Auftrag bekamen Handwerker, die auch das Freiburger Münster sanieren“, sagt Ostertag. Der Förderverein beteiligte sich an den Kosten, die wohl in Höhe von über 600.000 Euro ­zulasten der Landesbaubehörde gehen. Eine genaue Summe wollte Roland Ostertag ­jedoch nicht nennen.

Kürzlich feierten die Mitglieder des Vereins das Ergebnis und die Fertigstellung der Sanierung. Die Ruine ist nun nicht mehr bewachsen. Eine Schotterdrainage wurde gelegt, um künftig Regenwasser abzuleiten. Die Steine wurden teilweise ersetzt, offene Fugen geschlossen. „Ich bin allen sehr dankbar, die uns auf dem Weg zu diesem Ziel unterstützt haben“, so Ostertag. Der Förderverein Neues Lusthaus hat sein Ziel erreicht. Wird er sich nun auflösen? Roland Ostertag hat bereits neue Pläne. „Ich möchte durchsetzen, dass ein Teil des Nesenbachs, der Neue Nesenbach, wieder offen mit sauberem Wasser am Lusthaus vorbei in den Neckar führt“, sagt er. Was auch immer in den nächsten Jahren noch geschehen wird, die Lusthaus-Ruine ist wiedergeboren. Sie hält im Schlossgarten der Witterung stand.