Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart und die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim dominieren die Ligen in ihrer Sportart. Juliet Lohuis und Danick Snelder sprechen über das Erfolgsgeheimnis, die Sportnation Niederlande und einen Wettstreit der Teams.
Stuttgart - Es sind zwei Teams der Extraklasse: Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim und die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart dominieren ihre Ligen. Die Niederländerinnen Danick Snelder (SG BBM) und Juliet Lohuis (Allianz MTV) sprechen nicht nur über Erfolgsgeheimnisse.
Meine Damen, schön, dass wir zwei Vertreterinnen der absoluten Topteams der Region zusammenbringen.
Lohuis Danick, wie sieht denn eure Bilanz aus?
Snelder Inzwischen sind wir wettbewerbs- und saisonübergreifend 36 Pflichtspiele unbesiegt und auch noch in allen drei Wettbewerben aussichtsreich im Rennen. So eine Serie erhofft man sich, kann man aber nicht erwarten, da vor allem auch in der European League starke Gegner auf uns warten.
Lohuis Wow, das ist stark. Wir haben ein Europapokal-Hinspiel verloren, ansonsten haben wir auch eine absolut weiße Weste und genauso wie ihr Chancen, das Triple zu holen.
Vorfreude auf Pokal-Finale
Sind Sie froh, dass es im Handball in der Liga keine Play-off-Spiele gibt?
Snelder Ja, einerseits schon, weil es der gerechteste Modus ist. Wer nach 34 Spieltagen mit Hin- und Rückrunde Meister wird, der hat es auch verdient. Andererseits gibt es bei Play-offs ein echtes Endspiel, und da herrscht Gänsehautatmosphäre pur.
Lohuis Wir im Volleyball sind gar nichts anderes gewohnt als Play-offs. Ich freue mich immer riesig darauf.
Snelder Wir sind auch froh, dass wir diesen Alles-oder-nichts-Charakter noch genießen dürfen – Ende Mai beim Olymp Final4 um den DHB-Pokal in der Porsche-Arena.
Lohuis Der Pokal ist für uns auch stets ein Highlight. Wir treffen im Finale in Mannheim am 6. März auf Rivale Dresdner SC.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Schlüsselspiel für den TVB Stuttgart – und für den Trainer?
Was macht denn Ihre Teams in dieser Saison so stark?
Lohuis Also wir haben ein enorm hohes Niveau in jedem Training. Der Konkurrenzkampf ist sehr, sehr hoch. Dennoch haben wir eine richtig gute Atmosphäre im Team.
Snelder Bei uns ist das ähnlich. Wir können mehr wechseln, das zahlt sich aus. Wir haben ein erfahrenes Team, eine gute Mischung aus etwas verrückten und ernsthafteren Spielerinnen. Aber alle sind charakterstark. Und zur Not gewinnen wir auch mal ein Spiel, wenn wir nicht ganz so gut gespielt haben.
In Stine Jorgensen kam eine Spielerin zurück, die Mutter von Zwillingen geworden ist.
Snelder Hut ab, wie sie das alles hinbekommt. Im Mannschaftsbus ist sie die Erste, die einschläft, und die Letzte, die aufwacht (lacht). Insgesamt bekommt sie viel Unterstützung vom Verein und ihrer Familie.
Lohuis Ich finde das enorm. Ich habe im Volleyball noch nie mit einer Spielerin zusammengespielt, die Mama ist.
Wertschätzung kommt an
Spüren Sie eigentlich als Frauentopteam die Wertschätzung in der Region?
Snelder Also im Verein, in der Stadt ist man schon stolz auf uns, auch von unserem eigenen Zweitliga-Männerteam kommt Anerkennung für das, was wir erreicht haben.
Lohuis Ehrlich gesagt beschäftige ich mich damit nicht so. Der Fußball ist überall eine andere Welt, aber wir können uns in Stuttgart, glaube ich, nicht beklagen.
Warum sind die Frauen in den Niederlanden im Handball und Volleyball erfolgreicher als die Männer?
Snelder Gute Frage. Im Handball sind wir auf jeden Fall das populärere Team. Wir sind 2019 Weltmeister geworden, das war der bisherige Höhepunkt. Aber ich freue mich, dass unsere Männer bei der EM 2022 auch erstmals bei einem großen Turnier dabei waren und die Vorrunde überstanden haben.
Lohuis Auch im Volleyball sind wir Frauen die Nummer eins, und die Männer hecheln hinterher. Wir spielen einfach langsamer, eleganter, schöner (lacht).
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Wiedersehen vom Allianz MTV Stuttgart mit Martina Samadan
Gibt es sonst noch Gründe?
Snelder In den Niederlanden gehen viele Spielerinnen an das vor 15 Jahren gegründete Leistungszentrum nach Papendal.
Lohuis Auch für uns Volleyballerinnen stellt diese Akademie einen wichtigen Entwicklungsschritt dar. Ich habe sehr davon profitiert, dort auf höchstem Niveau zu trainieren und auf den eigenen Körper zu achten.
Snelder Nach dieser Ausbildung wagen dann viele Spielerinnen früh den Sprung ins Ausland. Die Mädchen wissen schon früh, was sie wollen, und kämpfen für ihre Karriere. Die Jungs tun sich vielleicht schwerer damit, weil das Niveau im Ausland viel höher ist und sie vielleicht lieber mit ihren Kumpels Party machen wollen (lacht).
Sportnation Niederlande
Warum sind die Niederlande gemessen an der Einwohnerzahl generell eine solch erfolgreiche Sportnation?
Lohuis Die Menschen lieben es, sich zu bewegen. Sie finden es einfach cool, Sport zu treiben. In keinem anderen Land in Europa gibt es so viele Sportvereine je Einwohner.
Snelder Hinzu kommt die große Unterstützung von den Kommunen. Damit sind gute Voraussetzungen geschaffen, um Leistung zu bringen.
Warum haben Sie sich für Ihren Sport entschieden?
Snelder Bei mir hat die ganze Familie Handball gespielt, also bin auch zum Handball.
Lohuis Bei mir haben die Nachbarn Volleyball gespielt.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Geteilte Leidenschaft – Liebe unter Sportlern
Könnten Sie sich vorstellen, auch im Handball im Innenblock zu stehen?
Lohuis Ich habe Handball in der Schule gespielt und fand es schön. Aber ich weiß nicht, ob der viele Körperkontakt das Richtige für mich wäre.
Snelder Lass es lieber. Ich bin zwar ganz lieb (lacht), aber am Kreis geht es schon ordentlich zur Sache. Fürs Volleyball bin ich mit 1,78 Metern leider zu klein.
Lohuis 1,78 Meter – das geht doch. Als Libera kannst du auf jeden Fall einsteigen.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Markus Gaugisch: „Wir haben alle Möglichkeiten, das Triple zu holen“
Sie könnten ja mal ein Match vereinbaren.
Snelder Gute Idee. Eine Halbzeit Handball, eine Halbzeit Volleyball.
Lohuis Und in der dritten Halbzeit setzen wir uns gemütlich zusammen.
Snelder Genau, wenn wir das Triple holen, machen wir das mit anschließender gemeinsamer Party. Der Reporter macht Schiedsrichter und bringt den Sekt mit.
Wenn’s für beide tatsächlich zum Triple reicht, soll’s daran nicht scheitern.