Der Leidringer Uwe Blocher hält seit 28 Jahren Damhirsche in einem großen Gehege am Dorfrand. Das freut vor allem Kinder, insbesondere aus der angrenzenden Grundschule.
Der 66-jährige Uwe Blocher bezeichnet sich als „Ur-Leidringer“. Auf einem großen Grundstücke hinter dem neuen Friedhof, direkt neben der Grundschule, hält der gelernte Gärtnermeister eine Herde Damhirsche.
Ein Teil des umzäunten Geländes gehört ihm selbst, der andere der Kirchengemeinde. Derzeit äsen dort ein dreijähriger Hirsch und acht Muttertiere mit ihren Kälbern.
Wie ist er auf die Idee gekommen?
Das sei eine lange Geschichte, holt er aus: Ein Teil des abschüssigen Grundstücks am Friedhof gehört der Kirche. Er selbst mähte dort das Gras – „Handarbeit“, erinnert er sich. Er überlegte, wie er die mühsame Aufgabe einfacher erledigen könnte.
Zufällig erfuhr er dann, dass fünf Damhirsche zum Verkauf standen. Die lebten bis dahin auf dem Gelände einer Fabrik in Gruol unter beengten Verhältnissen.
Welchen praktischen Nutzen hat die kleine Herde?
Kurzentschlossen, aber gut überlegt kaufte Blocher die Tiere, damit diese die Wiese am Hang abäsen. Das habe seinem Faible für ökologische Landbewirtschaftung entsprochen.
Ein Nutzen nebenbei sei, dass er immer Hirschfleisch bekomme: Ein Jäger unterstützt ihn dabei, dass die Herde nicht zu groß wird, und erlegt bei Bedarf Tiere.
Außerdem: „Das ist etwas Besonderes“, findet ihr Eigentümer. „Das hat sonst keiner.“
Wie leben die Damhirsche in Leidringen?
Blochers Herde stehen anderthalb Hektar Fläche zur Verfügung. Dort haben sie viel Auslauf, einen kleinen Bach, Hecken und Büsche als Rückzugsraum und auch eine Schutzhütte. In letztere gehen die Wildtiere aber nur im Witter, wenn ihr Besitzer Futter dorthin bringt.
Wie finden die Leidringer die Damhirsche?
Für die Schul- und Kindergartenkinder seien diese eine „Sensation“, weiß Blocher: „Für die ist das eine Freude.“ Von ihnen gibt es oft Äpfel und Kastanien, Leckereien für die Tiere.
Häufig sind Eltern mit ihren Kindern auf dem Spielplatz nebenan und freuen sich über die schlanken Tiere. Diese sind zwar vorsichtig, aber an Menschen gewöhnt – und der Hirsch so mutig, dass er manchmal sogar aus der Hand frisst.
Wie kommt das Damwild mit dem Winter zurecht?
Schnee mache den kältetoleranten Damhirschen nichts aus, berichtet Blocher: „Den scharren die einfach weg, um ans Gras zu kommen.“ Als Paarhufer seien sie auch bei Eis und Schnee „geländegängig“. Allerdings ist im Winter die Wiese meist abgegrast. Dann muss der Leidringer Heu zufüttern.
Der „Leidringer Graben“ – so heißt der Bach, der durch das Gehege plätschert –, führt sommers wie winters frisches Wasser. So hat die Herde auch immer etwas zu trinken.
Wie sorgt ihr Besitzer für die Hirsche?
Uwe Blocher schaut jeden Tag nach seiner Herde. Viel Mühe machten die Tiere aber nicht: „Sie sind pflegeleicht und genügsam. Am besten, man lässt sie in Ruhe.“
Zur Krankheitsvorsorge besprüht er im Frühjahr die Weide mit „effektiven Mikroorganismen“. Falls das trotzdem nötig wird , untersucht ein Tierarzt das Leidringer Damwild.
Was schenkt man Damhirschen zu Weihnachten?
Auch an Weihnachten will Blocher schauen, ob es seinen Damhirschen gut geht. Weihnachtsgeschenke gibt es für sie aber nicht. Davon, die Wildtiere so zu vermenschlichen, hält er nichts, lässt der Leidringer durchblicken: „Die wüssten doch gar nichts damit anzufangen.“