Daimler-Truck-Chef will mit dem Bau der Brennstoffzellenfabrik nicht mehr lange warten. Foto: AFP/THOMAS KIENZLE

Seit Wochen blockieren Grundstückseigentümer die geplante Riesenfabrik für Lkw-Brennstoffzellen in Weilheim. Nun macht Daimler Truck Druck und bringt auch andere Standorte ins Spiel.

Der Lkw-Hersteller Daimler Truck dringt auf einen baldigen Baustart für die Brennstoffzellenfabrik in Weilheim an der Teck. Die größte Hürde bei dem Projekt seien einzelne Grundstückseigentümer, die nicht verkaufen wollen, sagte Daimler-Truck-Chef Martin Daum unserer Zeitung. Um die Brennstoffzellen rechtzeitig zum Marktstart der entsprechenden Fahrzeuge liefern zu können, müsste man spätestens Ende des Jahres mit dem Bau in Weilheim beginnen. „Ganz klar: Wir wollen das Projekt in Weilheim verwirklichen. Wenn wir bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht den definitiven Startschuss geben können, müssen wir unseren Plan B aktivieren.“

 

Anfang 2026 wolle man mit dem Betrieb loslegen, um lieferfähig zu sein, wenn man 2027 die entsprechenden Fahrzeuge auf den Markt bringt, so Daum. In dieser Zeit müssten Planung, Genehmigung und der Bau abgeschlossen sein. Die Schwierigkeit, alle benötigten Grundstücke zu bekommen, zeige, wie „unglaublich langwierig große Projekte in Deutschland selbst dann umzusetzen sind, wenn die Landespolitik und die Bevölkerung voll hinter ihnen stehen“. Ein Teil der Grundstückseigentümer wolle nicht verkaufen, weil sie „grundsätzlich gegen das Projekt sind und es gegen den Willen der Mehrheit verhindern wollen“. Die Weilheimer Bevölkerung hatte sich im April mit 70 Prozent für den Bau ausgesprochen.

„Es geht nicht um irgendein Projekt“

Daum betonte zugleich, es gehe hier „nicht um irgendein Bauprojekt. Wir wollen hier in Baden-Württemberg die globale Vorzeigefabrik schlechthin für emissionsfreies Fahren bauen.“ Sie solle das Vorbild sein, nach dem die Fabriken in anderen Weltregionen gebaut werden. In anderen Bundesländern und auch im europäischen Ausland seien solche Ansiedlungen offenbar einfacher. Der Batteriezellenhersteller Northvolt etwa plane in Schleswig-Holstein eine riesige Batteriefabrik, ohne dass bisher von Problemen zu hören sei. „Sollte es nicht möglich sein, in Baden-Württemberg ein Projekt wie eine Giga-Brennstoffzellenfabrik zu realisieren, hätte dies für das Land eine äußerst ungünstige Signalwirkung.“