Die Mercedes-Niederlassung in Stuttgart soll fusioniert werden Foto: Daimler

Bei der Rendite hinkt Daimler der Konkurrenz von Audi und BMW noch hinterher. Das bekommt jetzt auch der Vertrieb zu spüren, der neu ausgerichtet werden soll.

Bei der Rendite hinkt Daimler der Konkurrenz von Audi und BMW noch hinterher. Das bekommt jetzt auch der Vertrieb zu spüren, der neu ausgerichtet werden soll.

 

Stuttgart - Vor drei Wochen hatten Tausende Beschäftigte der Niederlassungen vor der Daimler-Konzernzentrale in Untertürkheim demonstriert. Genützt hat es offenbar wenig. Der Autobauer hält an seinen Plänen fest und will den Vertrieb neu ausrichten. In außerordentlichen Betriebsversammlungen hat das Unternehmen am Mittwoch die Belegschaft in den bundesweit 33 Niederlassungen informiert. Diese sollen in einem ersten Schritt zu größeren regionalen Einheiten zusammengelegt werden.

So umfasst die Vertriebsdirektion Württemberg in Zukunft die Niederlassungen Stuttgart, Reutlingen, Ulm und Ravensburg. Die Vertriebsdirektion Südwest besteht dann aus den bisherigen Niederlassungen Mannheim, Freiburg, Saarland und Baden-Baden. Zum Paket gehört auch, dass 36 unrentable Teilbetriebe – das können Autohäuser oder Werkstätten sein – zum Verkauf angeboten werden. Betroffen wären 36 der 158 Standorte und damit etwa jeder fünfte. Schon bisher gibt es 90 eigenständige Vertragspartner mit 438 Standorten sowie 453 autorisierte Werkstätten mit 536 Standorten.

Ziel sei es, „in einem weitestgehend gesättigten deutschen Markt die optimale Betreuung unserer Kunden sicherzustellen, langfristig wirtschaftlich und profitabel agieren zu können und somit Arbeitsplätze zu sichern“, sagte eine Daimler-Sprecherin unserer Zeitung. Kriterien für eine Verkaufsabsicht seien neben der Ertragskraft etwa auch die vorhandene Kaufkraft oder Fahrtzeiten für den Kunden gewesen.

Analysiert worden sei auch, ob potenzielle Erwerber für eine Übernahme in Betracht kämen. Die Neuordnung ist Teil der Strategie „Best Customer Experience“, die Daimler bis zum Jahr 2020 umsetzen will und die auch neue Markenauftritte wie die Trendshops Mercedes Me oder den Online-Verkauf beinhaltet, der bereits in Hamburg erprobt wird.

In seiner jetzigen Form sei der unternehmenseigene Vertrieb nicht wettbewerbsfähig, hatte Vertriebs-Co-Chef Andreas Burkhart den Demonstranten in Untertürkheim Ende April erklärt. Bei der Rendite kommt Daimler noch immer nicht an seine Konkurrenten BMW und Audi heran. Diese erreichten zuletzt eine Marge von knapp zehn Prozent, Daimler lag im vergangenen Jahr bei 6,5 Prozent.

Die Pläne stoßen bei den Beschäftigten auf heftigen Widerstand. „Zerschlagung ist keine Zukunftsstrategie“, sagte der neue Betriebsratschef Michael Brecht. Er kündigte Protestaktionen an. „Es geht nicht nur um Margen, sondern auch um Menschen.“ Der Betriebsrat fürchtet, dass die Neuausrichtung zum Stellenabbau führt. So könnten in der Verwaltung der Niederlassungen 340 Jobs wegfallen.

Vom Verkauf der 36 einzelnen Betriebe wären bis zu 1500 Mitarbeiter betroffen. Allerdings gilt eine Vereinbarung, wonach bis zum Jahr 2017 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. Ganze Niederlassungen dürfen erst nach dem Jahr 2015 verkauft werden. Zu den Plänen gehört laut Betriebsrat auch, die Zuständigkeiten für Pkw und Nutzfahrzeuge in Zukunft strikt zu trennen. Demnach würden 13 Verbünde für den Autoverkauf und 11 Verbünde für Nutzfahrzeuge entstehen.

Professor Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft der Fachhochschule Nürtingen-Geislingen geht davon aus, dass dies nicht der letzte Schritt sein wird, um den Vertrieb profitabler zu machen. „Man wird sich anschauen, wie sich der Absatz in Zukunft entwickelt, und dann gegebenenfalls weitere Standorte überprüfen“, sagte Reindl den Stuttgarter Nachrichten.

Ausgenommen davon seien strategisch günstige Niederlassungen an Toplagen wie etwa in Berlin oder München. Generell gelte, dass die Zunahme an Vertragshändlern auch den Wettbewerb mit konzerneigenen Autohäusern verschärfe. Dies sei etwa bei BMW zu beobachten. Die Vertragshändler aller Marken hätten im vergangenen Jahr im Durchschnitt eine Umsatzrendite von 1,3 Prozent erzielt. Reindl: „Daimler hat da bei den eigenen Häusern sicher andere Ansprüche.“