Herbert Kaltenbach zeigt im ehemaligen Geschäft von Zweisam-Moden in Schonach eines der Bilder seines Vaters Urban Kaltenbach. Foto: Erika Rapthel-Kieser

Erfolgreich war der Schneidermeister Urban Kaltenbach aus Schonach in allem, was er anpackte. Jetzt wird sein Lebenswerk ausgestellt – denn tief in ihm drin steckte eine Künstlerseele.

Herbert Kaltenbach und seine Frau Annegret haben erst vor Kurzem erlebt, wie ihr Sohn Axel Kaltenbach das Geschäft Zweisam-Moden in der Triberger Straße in Schonach für immer geschlossen hat. Damit ging in dem kleinen Schwarzwaldort eine Ära zu Ende, die eine mehr als zweihundert Jahre alte Tradition hatte und die mit vielen Geschäften weit in die Region, unter anderem bis nach Donaueschingen, hinein wirkte.

 

Weil sie in Schonach nun langfristig vermieten wollen, mussten sich Annegret und Herbert Kaltenbach unlängst auch mal um den Dachboden kümmern. Und da machten sie einen außergewöhnlichen Fund: Denn dort lagerten hunderte längst vergessene Werke von Kaltenbachs Vater, Urban Kaltenbach.

„Da wurde uns das alles erst so richtig bewusst“, sagt Annegret Kaltenbach über die Bedeutung der vielen Ölgemälde. Ihren Schwiegervater sieht sie seitdem in einem anderen Licht. Über tausend Bilder, so schätzt Herbert Kaltenbach, hat sein Vater zeitlebens gemalt, aber wohl nur einige wenige davon schon zu Lebzeiten verkauft. Die meisten aber schlummerten jahrzehntelang auf dem Dachboden vor sich hin.

Preise und Auszeichnungen für den Schneidermeister

Die Schonacher – und nicht nur die – kannten Urban Kaltenbach. Als geschickten Schneidermeister, der in seinem Beruf Preise und Medaillen einheimste, als fleißigen und erfolgreichen Geschäftsmann und nimmermüden Unternehmer, der in der Region Filiale um Filiale gründete.

Wer nur beruflich mit ihm zu tun hatte, der mag nie geahnt haben, was in dem erfolgreichen Schonacher sonst noch schlummerte und was er in unzähligen Stunden in seiner Dachkammer so trieb. Malen, malen, und nochmals malen.

Urban Kaltenbach konnte von Ölfarben, Pinseln und Leinwänden zeitlebens nicht lassen. Und damit dürfte der ambitionierte Hobbymaler auch als Künstler zu den fleißigsten Schonachern gehören.

Das Schneiderhandwerk war Familienräson

Warum er statt eine Kunstschule zu besuchen oder Kunst in einer der großen deutschen Städte zu studieren zu Nadel und Faden greifen musste – nun, das lag an seinen familiären Wurzeln. Die reichen bis in das 18. Jahrhundert zurück, als der Schneider Johann Kaltenbach den Grundstein für eine beeindruckende Bekleidungsdynastie legte.

Johann hat das Schneiderhandwerk Generation für Generation weiter gegeben. Die Berufstradition war bei den Kaltenbachs so tief verankert, dass alle Söhne das Handwerk erlernen mussten. Da gab es – Künstlerseele hin, andere Neigung her – kein Vertun. Auch Urban Kaltenbach musste Schneidermeister werden.

Ein Glück für ihn war die Begegnung mit dem Furtwanger Maler Ernst Ganter. Der stellte ihm den Furtwanger Professor Daniel Bender vor. Aus dem Freizeitmaler Urban Kaltenbach, wurde ein Studienreisender, der sich andere Welten des Lichts, des Pinselstrichs, des Spielens mit Spiegelungen und des Expressionismus erschloss.

Ihre Reisen führten das Künstlertrio in die Schweiz, nach Italien oder Österreich, ins Frankenland, an den Rhein oder die Mosel. All das beeindruckte Urban Kaltenbach – seiner Heimat blieb er dennoch immer treu. „Oft ging er mit dem Fotoapparat irgendwo hinaus, in den Wald, an die Elzach oder die Schonach, dort machte er viele Fotos, fing Stimmungen ein und in seiner Dachkammer saß er dann nachts und malte“, erzählt Annegret Kaltenbach. Trotzdem – der Hauptberuf von Urban Kaltenbach war und blieb das Schneiderhandwerk, die Bekleidung und die Mode.

In seiner Kindheit, so berichtete es Axel Kaltenbach vor einiger Zeit im Gespräch mit unserer Redaktion, existierten allein in Schonach fünf Modehäuser – alle mit derselben Familienabstammung. Was da von seinem Großvater Urban Kaltenbach in Schonach in der Triberger Straße lagerte, darüber hat er sich wohl wenig Gedanken gemacht.

Jetzt wird Urban Kaltenbach aber auch als Künstler endlich gewürdigt. Seine Bilder werden am kommenden Wochenende, angefangen von Freitag, 24. April bis Sonntag, 26. April in dem ehemaligen Schonacher Modegeschäft in der Triberger Straße ausgestellt sein. Die Öffnungszeiten sind jeweils von 14 bis 18 Uhr. Und: Annegret und Herbert Kaltenbach werden die Bilder von Urban Kaltenbach auch verkaufen. Denn so viele hundert Ölgemälde – die sollen dort hängen, wo sich ein Liebhaber findet. Das wäre die schönste späte Würdigung des künstlerischen Oeuvres von Urban Kaltenbach.