Dominik Koepfer gab alles, doch am Ende kam für den Furtwanger gegen Roger Federer das Aus. Foto: Camus

Tennis: Wie Ex-Coach Jürgen Müller das Federer-Match von Dominik Koepfer sah

"In den entscheidenden Momenten gewinnt er das Match wahrscheinlich einfach, weil er Roger Federer ist." Dies sagte der Furtwanger Dominik Koepfer nach dem Aus in der Dritten Runde der French Open. Ex-Coach Jürgen Müller sieht es ähnlich. Klar – auch der Trainer des TC BW Villingen war nach der 6:7 (5:7), 7:6 (7:3), 6:7 (4:7), 5:7-Niederlage von Koepfer, die erst nach Mitternacht am Sonntag feststand, zunächst enttäuscht. "Da war viel mehr drin. Eigentlich hätte Donne diese Partie in drei oder vier Sätzen gewinnen müssen", sah Jürgen Müller viele verpasste Chancen seines ehemaligen Schützlings.

Dieser hatte sich zuvor mit seinem Idol auf dem menschenleeren Court Philippe-Chatrier ein Match geliefert, das ein volles Haus verdient gehabt hätte. "Deshalb weiß ich auch nicht, ob ich glücklich über die Leistung von ihm sein soll – oder mich doch mehr über die unnötige Niederlage ärgere", waren es für den Villinger Trainer am Ende "Kleinigkeiten", die über den Einzug in das Achtelfinale entschieden. Koepfer hätte gegen einen Federer, der nach der langen Verletzungspause noch nicht wieder in Bestform sei, in Sachen Tennis Vorteile gehabt, doch "Roger ist eben Roger. Er hat es geschafft, das Momentum auf seine Seite zu ziehen, ist in den Kopf von Donne gekommen", denkt Jürgen Müller auch an zwei vergebene Schmetterbälle des Furtwangers im vierten Satz.

Es stand 5:5 im vierten Abschnitt, als Koepfer beim Spielstand von 15:0 das Kunststück schaffte, zwei einfache Überkopfbälle nicht zum 30:0 zu nutzen. Der 39-jährige Federer verteidigte geschickt, bevor der Furtwanger einen ebenfalls machbaren Volley vergab.

Gute Chancen nicht genutzt

Wenig später musste Koepfer dem langjährigen Weltranglistenersten nach genau 3:35 Stunden zum Einzug ins Achtelfinale gratulieren. "Aber auch im ersten und dritten Satz hat er gute Chancen nicht genutzt", betrachtet Jürgen Müller das Match des Furtwangers insgesamt als ein Spiel der verpassten Möglichkeiten.

Während Federer später nicht ausschloss, dass er nach diesem Kraftakt auf das Achtelfinale gegen den an Nummer 9 gesetzten Italiener Matteo Berrettini verzichtet, hofft Jürgen Müller, dass Dominik Koepfer aus dieser Partie Lehren zieht. "Das wird entscheidend sein", denkt der Villinger Übungsleiter dabei vor allem an Dinge wie die mentale Stärke ("Donne hat teilweise gegen Roger einfach die falschen Entscheidungen getroffen") oder die Bedeutung der Erfahrung ("Aber auf der anderen Seite stand ja auch ein Roger Federer"). Koepfer habe eben noch nicht oft gegen die besten Spieler der Welt auf den größten Courts spielt.

Gerade weil der 27-Jährige aber noch Potenzial in einigen Bereichen habe, glaubt Müller, dass Dominik Koepfer in den kommenden Monaten und Jahren noch für viel Furore sorgen kann. "Er braucht sich vor keinem Spieler der Welt verstecken, gerade in Grundlinienduellen. Auch sein Aufschlag ist besser geworden. Donne muss aber in entscheidenden Momenten noch mehr einen kühlen Kopf bewahren", traut der BW-Coach seinem Ex-Spieler zu, dass er es nicht nur unter die Top 50 der Weltrangliste schafft. "Das ist schon noch mehr möglich."

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