Star aus „Sex and the City“: Cynthia Nixon (zweite von rechts) will Gouverneurin werden. Foto: Warner

Arnold Schwarzenegger, Ronald Reagan – und nun auch Cynthia Nixon: viele Schauspieler sind in die Politik gewechselt. Dies ist nur auf den ersten Blick überraschend.

New York - An Sex-Appeal mangelt es nicht in der amerikanischen Politik, seit Donald Trump ins Oval Office eingezogen ist. Zuletzt diskutierte die Nation über eine angebliche Affäre des Präsidenten mit einer Pornodarstellerin. Jetzt geht es mit „Sex and the City“ weiter – eine der Hauptdarstellerinnen der amerikanischen Erfolgsserie will Gouverneurin von New York werden: Cynthia Nixon hat per Twitter ihre Kandidatur für das Amt bekannt gegeben.

Tatsächlich liefert Nixon mit ihren poli­tischen Schwerpunkten einen radikalen Gegenentwurf zu Trump: Nixon, die mit einer Frau verheiratet ist, setzt sich für die Homo-Ehe, für öffentliche Schulen und eine spezielle Gesundheitsfürsorge für Frauen ein. „New York ist meine Heimat, ich habe nie woanders gelebt. Aber etwas muss sich ändern“, sagt Cynthia Nixon. Die 51-Jährige will bei den Vorwahlen der Demokraten im September gegen den Amtsinhaber ­Andrew Cuomo antreten – ihre Erfolgs­aussichten sind ungewiss. Ganz im Gegensatz zu anderen Größen aus dem Showgeschäft, die alle im Laufe ihres Lebens den Rollenwechsel gewagt haben – mit teilweise geradezu grotesk wirkenden Wendungen in den eigenen Biografien: Arnold Schwarzenegger, der Junge aus der Steiermark, der erst als Bodybuilder Mr. Universum wurde, als Conan der Barbar muskelstrotzend ins Filmgeschäft einstieg, als Terminator weltberühmt wurde – und schließlich als Gouverneur von Kalifornien die Umweltpolitik vorantrieb.

Vom Terminator zum Gouvernator

Hätte Schwarzenegger einen amerikanischen Pass besessen, hätte sich wohl niemand gewundert, wenn er für das höchste Amt kandidiert hätte. Er wäre nicht der erste bekannte Schauspieler im Weißen Haus gewesen. Ronald Reagan spielte unter anderem an der Seite von Errol Flynn in Filmen wie „Land der Gottlosen“ und „Sabotageauftrag Berlin“, bevor er sich immer stärker in der Politik engagierte und 1980 die Wahl gegen den demokratischen Amtsinhaber Jimmy Carter gewann.

Politik und Schauspielkunst: Rampensäue gesucht

Politik und Showgeschäft – das ist nur auf den ersten Blick ein Gegensatzpaar. In beiden Branchen gelten Regeln, die sich ähneln. Wer in der Politik Erfolg haben will, muss sich Tag für Tag in andere Rollen hineindenken: Vor dem Unternehmerverband ist ein anderer Auftritt gefragt als im Bierzelt. Die eigene Partei will andere Botschaften hören als mögliche Wechselwähler, die bei Wahlen über den Sieg entscheiden können.

Wer Einfühlungsvermögen besitzt, profitiert davon sowohl in der Politik als auch auf der Bühne: Wie denkt der politische Konkurrent? Und mit welchen Mitteln lässt er sich von einem Kompromiss überzeugen? Analog dazu auf der Bühne oder vor der Kamera: Wie stehen die einzelnen Darsteller zueinander? Was treibt sie an, und welche Leidenschaften wohnen ihnen inne? Nicht zuletzt verbindet das Rampenlicht die Schauspielkunst und die Politik: Wer an die Spitze will, der muss es lieben, muss manchmal Rampensau sein, um im richtigen Moment aufzufallen. Und: Er oder sie braucht rhetorisches Talent, um andere von sich zu überzeugen.

Die Liste derjenigen, die den Sprung von der Schauspielbühne auf jene der Politik geschafft haben, ist lang: Beppe Grillo war Komiker und Kabarettist, bevor er zum Frontmann der Fünf-Sterne-Bewegung wurde. Wie lässt sich auch die italienische Politik in Zeiten von Silvio Berlusconi anders als mit einem Schuss Humor gestalten? Barbara Rütting war erst auf der Leinwand die Geierwally, dann für die Grünen im Bayerischen Landtag. Clint Eastwood erlangte als Schauspieler und Regisseur Weltruhm, unternahm zwischendurch einen Ausflug ins Bodenständige als Bürgermeister in ­seinem Heimatort Carmel. Erst die Show, dann die Politik – das Rezept funktioniert. Cynthia Nixon will es erneut beweisen.