Dominik Ochs, Pascal Conzelmann und Johanna Schmidt (von links) sind Teil des Teams, das den CSD Zollernalb organisiert. Foto: Marschal

Sichtbarkeit und Akzeptanz für queere Menschen sind die Hauptziele des CSD Zollernalb. Die Organisatoren sprechen auch über die Herausforderungen und Lehren des letztjährigen CSD.

In großen Städten wie Köln, Stuttgart und Berlin gehören sogenannte Pride Parades seit einigen Jahren zum Sommer wie Eis am Stil: Im Rahmen des CSD – dem Christopher Street Day – demonstrieren Menschen, deren sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität oder geschlechtlicher Ausdruck von der gesellschaftlichen Norm abweicht.

 

Im vergangenen September fand in Albstadt-Ebingen der erste CSD im Zollernalbkreis statt. Mit der Wiederholung am Samstag, 6. September, findet die Kundgebung ihre Fortsetzung in Balingen, in den kommenden Jahren soll der Austragungsort im Landkreis rotieren.

Organisiert wird der CSD von Mitgliedern des Albstädter Vereins Immerwaslos und den Jusos Zolleralb, unter ihnen auch Dominik Ochs, Johanna Schmidt und Pascal Conzelmann.

Die Kundgebung beginnt um 17.30 Uhr mit Redebeiträgen auf dem Balinger Marktplatz, anschließend ziehen die Teilnehmer durch die Innenstadt. Außerdem gibt es Stände von Einrichtungen und Institutionen, die sich thematisch mit Aspekten sexueller Vielfalt beschäftigen und zur Vernetzung dienen.

„Queere Menschen auch im ländlichen Raum“

„Queere Menschen gibt es nicht nur in der Großstadt, sondern genauso im ländlichen Raum“, erklärt Dominik Ochs. Doch gerade auf dem Land fehle es queeren Jugendlichen mangels Vorbildern aus dem Umfeld möglicherweise auch an Mut.

„In Stuttgart ist es völlig normal als homosexuelles Paar Hand in Hand durch die Stadt zu gehen – in Kleinstädten überlegt man sich das zweimal“, meint Ochs.

Auch Johanna Schmidt berichtet von Mobbing gegenüber queeren Menschen. Zwar gebe es an der Schule, die sie besucht, die Ebinger Walther-Groz-Schule, kaum Probleme, doch im Schulbus gebe es einige Jugendliche, die andere wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Identität schikanieren. „Und da reicht es, ein Bändchen mit Regenbogenfarben um das Handgelenk zu tragen, um angegangen zu werden“, berichtet die 19-Jährige.

CSD in Balingen: Sichtbarkeit schaffen

Doch weil sich nur wenige trauen, bedeutet das nicht, dass es solche Menschen im Landkreis nicht gibt. „Wir wollen Sichtbarkeit schaffen und zeigen, wie bunt die Zollernalb ist“, so Ochs – und das gemeinsam. „Man schafft Akzeptanz nur durch Berührungspunkte.“

Die Macher blicken differenziert auf den letztjährigen CSD zurück: Die Gegendemonstrationen von Rechts und von Links haben die Kundgebung überschattet, doch diese wertet das Trio als Erfolg: Rund 500 Menschen sind auf den Ebinger Bürgerturmplatz gekommen.

Vernetzung queerer Menschen

Besonders freut sie, dass die Veranstaltung nachhallt: „Es wurde der Grundstein für eine Community gelegt“, erklärt Pascal Conzelmann. Er sieht den CSD als einen Zündfunken für die Vernetzung zwischen queeren Menschen aller Altersgruppen.

„Wir haben viele Rückmeldungen bekommen von Menschen, die glücklich darüber waren, dass wir eine Veranstaltung auf die Beine gestellt haben, wo sie sich treffen können, ohne verurteilt zu werden“, so Pascal Conzelmann.

Sicherheitskonzept für CSD

Damit sich alle Teilnehmer sicher fühlen, haben die Veranstalter in Abstimmung mit der Polizei ein Sicherheitskonzept erarbeitet. Neben den Gesetzeshütern werden auch Ordner im Einsatz sein sowie ein Awareness-Team, an das sich Teilnehmer wenden können, wenn sie sich bedroht fühlen.

Die Macher erhalten für ihre Pläne reichlich Gegenwind – und den nicht nur aus dem offen rechten Lager, deren Spezialität nicht gerade Offenheit gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe und Trans-Menschen ist. Beispielsweise gestalte sich die Suche nach Sponsoren mehr als mühsam: Die Absagen von Firmen häufen sich.

Gegenwind bei Sponsorensuche für CSD

Doch Aufgeben wollen die Macher des CSD nicht – im Gegenteil. Die Ablehnung von Firmen, die ihrer Ansicht nach Angst um ihren Ruf haben, verdeutliche, mit welchen Problemen queere Menschen konfrontiert seien.

Das Trio ist zuversichtlich. „Akzeptanz zu erreichen, ist ein langer Prozess“, erklärt Dominik Ochs. „Einer muss den ersten Schritt machen und wir wollen unseren Teil dazu beitragen.“

CSD
Ein CSD (Christopher Street Day) ist eine Demonstration und Feier für die Rechte von LGBTQIA++-Menschen, benannt nach der New Yorker Christopher Street, wo 1969 der Stonewall-Aufstand stattfand. Er findet in vielen Städten jährlich im Sommer statt und kombiniert politische Forderungen meist mit bunten Paraden und kulturellen Veranstaltungen. Ziel des CSD ist es, auf Diskriminierung aufmerksam zu machen und für Gleichberechtigung und Akzeptanz einzutreten.

Queer
Queer ist ein Sammelbegriff für Menschen, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, also zum Beispiel nicht heterosexuell oder cis-geschlechtlich sind.

LGBTQIA+
LGBTQIA+ ist eine Abkürzung für Lesbisch, Schwul (Gay), Bisexuell, Trans, Queer, Intergeschlechtlich und Asexuell, wobei das Plus (+) weitere Identitäten und Orientierungen einschließt, die nicht explizit genannt sind. Der Begriff steht für eine vielfältige Gemeinschaft von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten.