Rauchen ist nicht nur in der Festhalle Ebingen verboten, sondern auch in der Zukunft, in der Juli Zehs Stück „Corpus Delicti“ spielt. Hauptfigur Mia Holl tut es trotzdem – gemeinsam mit Heinrich Kramer, dem Bösewicht des Spiels. Foto: Karina Eyrich

Welch ein Feuerwerk an Spielfreude: Die Württembergische Landesbühne Esslingen hat aus dem Theaterstück „Corpus Delicti“ von Juli Zeh ein Dystopie gemacht, die Spaß macht. Ein Widerspruch? Mitnichten – sofern solche Schauspieler agieren.

Schüleraufführungen – früher waren das Schillers „Die Räuber“ und Kleists „Michael Kohlhaas“. Doch in Zeiten wie diesen, da in Deutschland Rassismus und Rechtsextremismus fröhliche Urständ feiern, sind Stücke wie „Corpus Delicti“ jene, die als dystopische Romane auf der Leseliste der Schüler stehen – und zu denen sie dann abends ins Theater dürfen: Die Festhalle saß voll mit Pennälern genau jener Generation, die unter Schulschließungen, hybridem Unterricht und Kontaktsperren am meisten zu leiden hatte – und die Welt während der Coronavirus-Pandemie vielleicht genau so wahrgenommen hat wie jenes autoritäre System, das die Richterin und Bestseller-Autorin Juli Zeh beschreibt.