Scharfes Auge und geschickte Finger: Kunsthandwerkerin Brigitte Reiband befestigt einen Verschluss an einer Süßwasserperlenkette. Foto: Gegenheimer

67-jährige Brigitte Reiband berichtet. Einkünfte sind nebensächlich. Sozialer Kontakt und Austausch fehlen.  

Neuenbürg-Arnbach - Ostermarkt, Herbstmarkt, Adventsmarkt, Weihnachtsmarkt - für Kunsthandwerkerin Brigitte Reiband ist wie für viele andere auch fast überall Fehlanzeige in diesem Jahr. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten erklärt die 67-Jährige, was ihr fehlt.

"In Birkenfeld fand der Ostermarkt sehr früh und damit gerade noch statt", erzählt sie, "das blieb aber der einzige Kreativmarkt des Jahres für mich."

Normalerweise würde die Steinliebhaberin jetzt Ketten und Armbänder knüpfen, Ohrstecker vorbereiten oder auch ihre neueste Leidenschaft, Traumfänger mit Edelsteinen und Federn, fertigen. Aber: "Eigentlich habe ich den ganzen Sommer über kaum etwas hergestellt. Zum einen habe ich noch Werkstücke vorrätig, zum anderen fehlen auch die Börsen, auf denen man besondere Steine direkt erwerben kann und die dann zu neuen Kreationen ­anregen."

Leidenschaft beginnt vor gut 30 Jahren

Mit einem kleinen Delfin aus Stein am Lederband fing die Liebe der 67-Jährigen vor gut 30 Jahren an: "Ich arbeitete in einem kleinen Öko-Schmuckbetrieb. Wir entwarfen da mal etwas Neues - und es hat mich selbst fasziniert." War sie in den allerersten Jahren noch für ihren Arbeitgeber beim großen Pforzheimer Kunsthandwerkermarkt vor Ort, begann sie schnell, über das Berufliche hinaus eigene kreative Ideen zu entwickeln. "Ich habe Ketten in der Freizeit hergestellt, auf Edelsteinbörsen Steine für meine eigene Fertigung erstanden. Bei der Frage, wie ich mich bekannt mache, wo ich einen Markt finde, habe ich mich nach Kunsthandwerkermärkten in der Region umgeschaut."

Über die Jahre ist sie vielfach Stammbeschickerin geworden mit ihrem Stand, wie in Feldrennach beim Weihnachts- und Ostermarkt, beim Ostermarkt in Dobel, beim Gochsheimer Stadtfest oder dem Weihnachtsmarkt im Schloss Neuenbürg. "Dort bin ich seit dem allerersten Markt dabei", erzählt sie und schwärmt von der besonderen Atmosphäre: "Seit einigen Jahren ist mein Stand im Pferdestall. Da richte ich mir mein spezielles Eckchen ein, wo interessierte Käufer in Ruhe aussuchen und anprobieren können."

Ihre handwerklichen Fertigkeiten hat Reiband - seit einigen Jahren Rentnerin - stets weiterentwickelt. Sich Wissen über Edelsteine und besonders über deren heilende Kraft angeeignet. So bietet sie diese Heilsteine nicht nur an, sondern kann auch viel darüber erzählen: "Es ist faszinierend zu erleben, wie sich jemand genau jenen Stein spontan aussucht, der ihm Kraft gibt für die Herausforderung, die er gerade zu bewältigen hat."

Aber auch einfach zur Deko hat Reiband Steine im Angebot - den Rosenquarz, die bei Kindern beliebten Achatscheiben oder die Amethystdruse. In ihren Ketten kombiniert sie Edelsteine in Kugel-, Viereck- oder Stäbchenform und unterschiedlicher Farbe auch mal mit Süßwasserperlen: "Meine Ware hat Wiedererkennungswert für Kunden."

Sozialer Kontakt und Austausch fehlen

So wie für die bewirtenden Landfrauen beim Sulzfelder Weihnachtsmarkt: "Wir begrüßen einander herzlich, freuen uns seit vielen Jahren, einander wiederzusehen. Die meisten von ihnen suchen sich an meinem Stand etwas für Weihnachten aus." Genau das ist es, was die Kunsthandwerkerin dieses Jahr am meisten vermisst: den sozialen Kontakt, den Austausch, die Gemeinschaft. "Die Gespräche mit Kunden fehlen. Mit neugierigen Kindern, die von den Edelsteinen fasziniert sind. Die Gemeinschaft mit anderen Ausstellern bricht weg. Dass ich dieses Jahr praktisch keine Einkünfte aus meinem Hobby habe, ist nebensächlich."

Einige wenige Stammkunden melden sich immerhin telefonisch bei Reiband, erzählt sie, um mal ein Armband reparieren zu lassen, eine neue Kette zu erwerben: "Aber ich freue mich sehr darauf, wenn wir uns alle wiedersehen."