Seit Dienstag ist die Stadt als Ortspolizeibehörde auch noch für die Absonderungsbescheide und die Quarantäneüberwachung der positiv bestätigen Corona-Fälle von Blumberger Bürgern zuständig. (Symbolbild) Foto: © Romolo Tavani – stock.adobe.com

Seit Dienstag ist Stadt als Ortspolizeibehörde auch für Absonderungsbescheide und Quarantäneüberwachung zuständig.

Im Blumberger Rathaus glühen die Köpfe und die Telefonleitungen. Am Montag musste die Stadt wegen des Lockdowns ab Mittwoch für die Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen eine Notbetreuung organisieren.

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Blumberg - Seit Dienstag ist die Stadt als Ortspolizeibehörde auch noch für die Absonderungsbescheide und die Quarantäneüberwachung der positiv bestätigen Corona-Fälle von Blumberger Bürgern zuständig.

Der Lockdown bedeutet für alle Betroffenen einen zusätzlichen Arbeitsaufwand. Für das Team im Rathaus bringt die weitere Zuständigkeit auch eine enorme Verantwortung und Herausforderung mit sich. Das macht Blumbergs Bürgermeister Markus Keller deutlich, wobei er darauf hinweist, dass sein Team schon beim Lockdown im Frühjahr funktioniert habe.

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Doch die neue Verantwortung, die der Schwarzwald-Baar-Kreis seinen 20 Kommunen übertragen hat, wiegt noch schwerer, wie der Bürgermeister erklärt. "Die Aufgaben, die jetzt vor uns stehen, halte ich für fast noch gewaltiger als im Frühjahr." Die Verordnungen, die vom Gesetzgebern erlassen wurden und werden, seien gut, aber die Arbeit für das Bekämpfen der Pandemie liege bei den Gesundheitsämtern, Landratsämtern mit den Gesundheitsämtern und nun "in ganz starkem Maß bei den Kommunen".

Kein Verständnis für Querdenker

Keller ist zuversichtlich, das Pandemiegeschehen zusammen mit der Verwaltung und der Bürgerschaft in den Griff zu bekommen. "Gemeinsam haben wir die große Chance, die Pandemie in absehbarer Zeit kontrollieren zu können." Mit der neuen Aufgabe konnte sich Bürgermeister Markus Keller schon ein paar Tage befassen. Verkündet wurde sie den Kommunen vorige Woche in einer Video-Konferenz der Bürgermeister und Amtsleiter mit Landrat Sven Hinterseh. Was auf ihn und die Verwaltung zukommen wird, ließ der Bürgermeister am Donnerstag schon im Gemeinderat anklingen, als er davon sprach, dass die Verwaltung an Weihnachten wohl ebenfalls dienstlich mit der Corona-Pandemie befasst sein würde. Und Keller war dabei verärgert.

Überhaupt kein Verständnis zeigt der Bürgermeister für die Querdenker. Wer immer noch behaupte, bei der Corona-Infektion handle es sich um eine Grippe, habe die Zeichen der Zeit überhaupt nicht erkannt.

Er habe mit mehreren Blumbergern gesprochen, die an Corona erkrankt waren. Noch Wochen und sogar Monate nach dem offiziellen Infektionsende hätten sie Beschwerden. Als Beispiele nannte der Bürgermeister starke Beeinträchtigungen oder gar den Verlust der Sehkraft während und nach der Corona-Infektion körperliche Erschöpftheit.

Außerdem könne es passieren, dass der Geruchs- und Geschmackssinn zum Teil noch Wochen nach der Infektion beeinträchtigt seien.

Kontakt zu reduzieren ist das Gebot der Stunde

Blumberg - Markus Keller, Bürgermeister von Blumberg, und sein Team in der Verwaltung haben beim Thema Corona seit Dienstag noch eine weitere umfangreiche Aufgabe.

Herr Keller, Sie sind als Ortsbehörde seit Dienstag, 15. Dezember, für die Absonderungsbescheide und die Quarantäne zuständig. Wo liegen die Fallstricke?

Der erste Punkt ist, dass wir am letzten Tag der Quarantäne die PCR-positiven Bürger anrufen müssen und fragen, ob sie noch Symptome verspüren und ob sie sich gesund fühlen. Das ist eine große Verantwortung. Organisatorisch bedeutet das für unsere Verwaltung, dass wir auch an Heiligabend, an den beiden Weihnachtsfeiertagen am 25. und 26. Dezember die betroffenen Personen abtelefonieren werden, ebenso an Silvester, Neujahr und an Dreikönig.

Was bedeutet das für das Team der Stadtverwaltung?

Problematisch ist, dass uns die Datensätze erst dann zur Verfügung stehen, wenn sie vollständig sind, sprich mit Adresse, Anschrift und Telefonnummer versehen. Für diese erste Nachverfolgung ist immer noch das Gesundheitsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis zuständig, und das Erfassen und Nachverfolgen dauert zum Teil tagelang. Deshalb unterstützen das Gesundheitsamt ab heute neben Bundeswehrsoldaten und Zollbeamten auch Mitarbeiter der kommunalen Verwaltungen. Von der Blumberger Verwaltung haben wir zwei Mitarbeiter abgeordnet. In Diskussion ist die vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eingeführte Corona-Warn-App. Immer wieder sind Klagen zu hören, dass positive Fälle nicht erfasst werden.

Wie sind ihre Erfahrungen?

Im Grundsatz finde ich die App gut, ich kann jedem empfehlen, die App einzusetzen. Allerdings teile ich die Kritik an der App, weil ich meine, dass beim Verwenden der App der Datenschutz über die Gesundheit gestellt wird.

Was ist Ihr größter Wunsch für die nächsten Wochen mit Weihnachten und dem Jahreswechsel?

Mein größer Wunsch wäre, dass die Hygiene-Regeln und die Corona-Verordnung eingehalten wird. Für mich ist das Gebot der Stunde, nicht Lücken in der Corona-Verordnung zu suchen und auszunutzen sondern eigenverantwortlich Kontakte zu reduzieren.   Die Fragen stellte Bernhard Lutz

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