Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Coronavirus Gerät das Abitur 2020 doch in Gefahr?

Von
Mindestens bis zum 20. April bleiben die Klassenzimmer verwaist – möglicherweise sogar noch länger. Foto: Güttler

Oberndorf/Stuttgart - Rund drei Wochen lang haben sich die Schüler wegen des Coronavirus zu Hause durch das Unterrichtsmaterial gekämpft. Jetzt sind erst einmal Ferien. Was danach passiert, ist noch unklar.

Normalerweise strömen die Schüler an so einem Freitag gut gelaunt aus den Klassenzimmern. Weg mit dem Schulranzen und ab auf die Liegewiese – dieses Jahr ist alles etwas anders. Nach fast drei Wochen Unterricht zu Hause haben die Osterferien im Land begonnen. Wie es nach der zweiwöchigen Pause mit den Schulen weitergeht, bleibt offen. Nach Einschätzung von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) könnte der Unterricht allenfalls schrittweise wieder starten. Entscheidungen dazu hängen davon ab, wie sich die Corona-Krise weiter entwickelt. Es sei aber unrealistisch, dass die Schulen am 20. April von null auf hundert in den regulären Schulbetrieb starten könnten, erklärte sie bereits in einem Interview mit unserer Zeitung.

Kultusministerium zieht positive Bilanz

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) warnte davor, dass die Schere zwischen guten und schlechten Schülern weiter auseinandergehen könnte, wenn die Schüler auch nach den Ferien zu Hause lernen müssten. VBE-Landeschef Gerhard Brand sagte, es sei deutlich geworden, dass leistungsstärkere Kinder sehr gut mit digitalen Bildungsformen zurechtkämen. Diese Kinder bauten vermutlich keine Defizite auf. Leistungsschwächere Kinder täten sich aber mit der digitalen Lernumgebung deutlich schwerer. Aus der Distanz könnten die Lehrer ihnen nur schwer helfen. Deshalb könne der reguläre Unterricht nicht lange durch Digitalunterricht ersetzt werden. Der VBE sei froh, wenn man möglichst früh zum regulären Unterricht zurückkehre. Wegen des Coronavirus sind die Schulen seit dem 17. März geschlossen.

Das Kultusministerium zog eine grundsätzlich positive Bilanz der vergangenen Wochen. Die Lehrer gäben sich viel Mühe, mit den Schülern zu Hause möglichst engen Kontakt zu halten, teilte eine Sprecherin mit. Aber nicht alle Schüler hätten einen Zugang zu einem Laptop oder Computer für das digitale Lernen, sondern manche besäßen nur ein Smartphone. Schüler, die derzeit möglicherweise benachteiligt würden, müsse man im Blick behalten – auch in der Folgezeit.

Die Liberalen Schüler vom Verband der Jungen Liberalen Baden-Württemberg haben sich mit ihren Sorgen am Freitag direkt an die Kultusministerin gewandt: In einem offenen Brief, der unserer Zeitung vorliegt, bitten sie Eisenmann, "eine ersatzlose Absage der Abiturprüfungen in Erwägung zu ziehen, sollte der Schulbetrieb am 20. April nicht wieder aufgenommen werden können". Sollten die Schulen tatsächlich über die Ferien hinaus geschlossen bleiben, sei "ein faires, sicheres und vor allem belastbares Prüfen der Abiturienten aus unserer Sicht nicht mehr möglich", schreiben die Liberalen Schüler in ihrem Brief weiter. Ein Vorschlag: Man könne aus den bisher erbrachten Leistungsnachweisen eine Abschlussnote berechnen.

Eine Stellungnahme zu diesem Schreiben blieb das Kultusministerium unserer Zeitung nach einer Anfrage am Freitag schuldig. Eisenmann kündigte zuvor aber an, man werde sich spätestens Mitte kommender Woche – also kurz vor Ostern – dazu äußern, wie es weitergehe.

Mit Videoclips zum Sport animieren

Der Philologenverband hält die Debatte über einen möglichen regulären Unterrichtsbeginn nach den Osterferien für verfrüht. "Ich gehe nicht davon aus, dass vor Mitte Mai irgendein Unterrichtsbetrieb an den Schulen stattfinden kann", sagte Landeschef Ralf Scholl. Der Verband vertritt die Interessen der Gymnasiallehrer.

Der Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Matthias Schneider, vermutete, dass sich viele junge Leute in die Schule zurücksehnten. "Der Umgang miteinander fehlt den Kindern und Jugendlichen ganz massiv." Dies nahm auch VBE-Landeschef Brand so wahr. Schüler erzählten, dass ihnen die Schule und der direkte Umgang mit der Klasse fehle. Aber auch Lehrer fühlten sich der Situation ausgeliefert. "Sie hätten gerne Sicherheit", sagte Brand. Zugleich wüssten sie, dass es in der Krise keinen sicheren Plan geben könne.

Das Kultusministerium versucht derweil, zumindest den Sportunterricht von der Turnhalle in die Zimmer der Schüler zu verfrachten. Mit Videoclips will die Behörde zum Sport animieren. Eisenmann erklärte am Freitag, der Sportunterricht und das Vereinsleben liegen wegen des Coronavirus auf Eis. "Sport ist aber wichtig für Körper, Geist und Gemüt."

Das Ministerium wolle den Sportunterricht in die heimischen vier Wände bringen. Dazu habe man zusammen mit dem Sender Regio TV Filmclips in einem geschlossenen Möbelhaus gedreht. Die Ausstrahlung soll in der kommenden Woche beginnen. Die Clips sollen unter anderem auf den Internetseiten des Kultusministeriums, des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung und in der Mediathek des Senders abrufbar sein.

Nach Einschätzung von Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) könnte die Corona-Krise an Ostern auf einen Höhepunkt zusteuern. "Wir rechnen Stand heute etwa an Ostern mit einem gewissen Peak an Behandlungen", sagte Lucha in Stuttgart. 17. 180 Menschen im Land haben sich laut Gesundheitsministerium bis Freitagnachmittag infiziert, 321 Infizierte sind demnach bislang gestorben.

Artikel bewerten
19
loading

Ihre Redaktion vor Ort Oberndorf

Marcella Danner

Fax: 07423 78-373

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.