Die Fußballer des Karlsruher SC und des SV Sandhausen sind nach positiven Coronafällen in Isolation, beim FC Bayern musste nur Serge Gnabry in Quarantäne. Das liegt an der Bewertung der Gesundheitsämter.
Karlsruhe - Ausnahmezustand beim Karlsruher SC. Die Profis des Fußball-Zweitligisten befinden sich in Quarantäne bis zum 20. April, das hat das Gesundheitsamt angeordnet, nachdem ein Spieler am Dienstagabend positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Der Club hat die Verlegung der Partien gegen Fortuna Düsseldorf (10. April), Erzgebirge Aue (17. April) und den Hamburger SV (20. April) bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beantragt. Auch der Kader des SV Sandhausen befindet sich nach zwei weiteren Fällen bis 18. April in häuslicher Isolation – der Liga droht ein Terminengpass, den Clubs drohen einige englische Wochen.
Die strikten Maßnahmen mögen verwundern. Denn beim FC Bayern München wurde lediglich Serge Gnabry nach seinem positiven Test am Dienstag in Quarantäne geschickt, der übrige Kader des Meisters bereitete sich auf das Champions-League-Spiel gegen Paris St-Germain vor, als sei nichts passiert. Verschwörungsfanatiker könnten mutmaßen, dass die großen Bayern Sonderrechte genießen im Vergleich zu kleinen Zweitligisten. Doch das sind Hirngespinste. Denn kein Coronafall ist wie der andere. „Wir betrachten in den Ermittlungen stets die spezifischen Umstände und bewerten die Konstellationen“, betont Ulrich Wagner, der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes Karlsruhe.
Der Schnelltest war negativ, der PCR-Test positiv
Im Falle des KSC war der Schnelltest des Spielers negativ, weshalb er am Training teilnahm. Erst nach der Nachmittagseinheit erhielt der Club die Kunde, dass der PCR-Test jedoch positiv ausgefallen war. „Der Spieler hatte mehrere Trainings sowie eine Besprechung absolviert, in der keine Masken getragen wurden“, erklärt Wagner, „es gab viele Kontaktsituationen, so dass wir entschieden haben, sämtliche Kontaktpersonen unter Quarantäne zu stellen.“ Eine Ansteckung der Kollegen war folglich nicht auszuschließen, zudem war nicht nachvollziehbar, wo sich der Profi infiziert hatte.
Kein Fall ist wie der andere
Dass es anders laufen kann, zeigt der Fall von Philip Heise, der den KSC Anfang April beschäftigte. In drei PCR-Tests lauteten die Ergebnisse positiv, negativ, positiv, das Gesundheitsamt Karlsruhe beorderte den 29-Jährigen in häusliche Isolation. Nur ihn, obwohl Heise ebenfalls im Team trainiert hatte. Doch er hatte sich danach sofort abgesetzt und seine Kontakte waren eingrenzbar. „Wir kannten die Infektionsquelle, daher wäre eine allgemeine Quarantäne nicht gerechtfertigt gewesen“, erklärt Wagner. Daher durfte der KSC den Trainingsbetrieb fortsetzen. Zudem wies Heises Test laut KSC-Teamarzt Marcus Schweizer „einen so hohen Zweitwert auf, dass man davon ausgeht, dass er nicht infektiös ist“. Bei diesem Ct-Wert gilt: Je höher er ist, desto niedriger ist die Viruskonzentration der Probe. Ergo: Ein positiver Test kann unterschiedliche Konsequenzen haben.
Die DFL ist bei der Bewertung der Fälle außen vor. Sie trägt aber Sorge, dass die Vereine die Hygieneregeln befolgen – um Partien offiziell zu verlegen, benötigt sie allerdings die Quarantäne-Entscheidung der zuständigen Gesundheitsbehörde.