Gegen Ex-Werder-Coach Markus Anfang ermittelt die Staatsanwaltschaft. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Der Debatte um ungeimpfte Nationalspieler folgte der Fall Markus Anfang bei Werder Bremen. Sportler und Trainer müssen sich ihrer Wirkung bewusst sein, kommentiert in diesem Zusammenhang unser Autor Dirk Preiß.

Stuttgart - Der vergangene Samstag war eigentlich ein Feiertag. Zumindest für die Zweite Fußball-Bundesliga. Der SV Werder bat zum Heimspiel gegen den FC Schalke 04 – und eine solche Partie war bisher eher der ersten Liga vergönnt. Auf 20.30 Uhr war der Anpfiff extra gelegt worden, damit dieses traditionsreiche Duell möglichst öffentlichkeitswirksam inszeniert werden konnte – was schließlich den Vorteil hatte, dass zur besten Samstagabend-Sendezeit über das Ende des Trainers Anfang debattiert werden konnte. Und seitdem über einiges mehr.

 

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Der Fußballlehrer Markus Anfang, seit Saisonbeginn beim SV Werder unter Vertrag, steht unter dem Verdacht, ein gefälschtes Impfzertifikat benutzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, der Impfpass wurde beschlagnahmt, Anfang ist zurückgetreten. Es ist der traurige, denn mutmaßlich strafrechtlich relevante, Höhepunkt der Corona-Debatte im Sport. Neben der Diskussion um die Auslastung von Stadien hatte diese zuletzt vor allem Joshua Kimmich losgetreten. Kimmich, der Nationalspieler, der zugleich Impfskeptiker ist und sich nun wegen des Kontakts zu infizierten Mitmenschen wie einige seiner Teamkollegen beim FC Bayern zum zweiten Mal in Quarantäne befindet. Kimmich, der bislang als tadelloser Sportsmann, als verantwortungsvoller, reflektierter junger Mann galt. Und als Vorbild.

Vernunft, Verantwortung, Solidarität

In einer Zeit, in der mangelnde Vernunft, Verantwortung und Solidarität einer leider relativ großen Minderheit großen Schaden und Einschränkungen für den Großteil der Bevölkerung verursachen, taugt Kimmich rein gesellschaftspolitisch dafür vorerst nicht mehr – zumal er und seine Kollegen in den vergangenen drei Wochen durchaus die Möglichkeit gehabt hätten, ihre Meinung zu überdenken und zu revidieren. Was ebenso Signalwirkung gehabt hätte wie das öffentliche Zweifeln an einer Impfung gegen das Corona-Virus, das mehr und mehr Menschen einen Überlebenskampf beschert.

Die beschriebenen Fälle mögen wie viele andere aus der Vor-Corona-Zeit einerseits belegen, dass man junge Sportstars, die in überdrehten und teils weltfremden Branchen groß werden, mit der Rolle als Vorbild überfordert. Dass man einzelne Menschen oder ganze Bereiche des Lebens überhöht und die Erwartungen lieber senken sollte. Andererseits dient auch ein anderes Verständnis der Vorbildrolle nicht als Entschuldigung des Tuns.

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Bekannte Sportlerinnen und Sportler haben ebenso wie berühmte Schauspielerinnen und Schauspieler oder Sängerinnen und Sänger eine immense Signalwirkung, gerade für junge Menschen, die nach Orientierung suchen. Durch die sozialen Medien ist ihre Reichweite in den vergangenen Jahren noch einmal um ein Vielfaches gestiegen – allein Joshua Kimmich hat auf Instagram fast 4,9 Millionen Follower. Das ist eine Chance, wenn es um die gute Sache geht, um soziales Engagement, um Inspiration in Sachen Ehrgeiz, Wille, Durchhaltevermögen. Das ist aber auch ein Risiko, zumal durch das Internet heute kaum eine Äußerung, kein Handeln, kein Auftritt je vollkommen vergessen ist. Zusammen genommen ergibt sich daraus: eine riesige Verantwortung. Eben auch im Bereich des Spitzensports.

Große Verantwortung bleibt

Diese mag den Druck auf den Einzelnen noch einmal erhöhen, und es ist beileibe nicht einfach, ihr in jedem Moment gerecht zu werden. Sie lässt sich allerdings so wenig wegdiskutieren wie die Bedeutung einer hohen Impfquote für die erfolgreiche Bekämpfung einer Pandemie. Was womöglich hilft, mit dem Thema vernünftig umgehen zu können? Verantwortung und Solidarität – wofür es gerade im Sport ja eine zusammenfassende Bezeichnung gibt: Teamgeist. Und zwar unabhängig davon, in welcher Liga gespielt wird.