Nicht dringend notwendige OPs zu verschieben, um womöglich lebensrettende Kapazitäten für Corona-Patienten vorzuhalten, hat dem Ortenau-Klinikum einen Umsatzeinbruch in Millionen-Höhe beschert. Foto: Archivfoto: Ortenau-Klinikum

Bilanz 2020: Bund und Land helfen mit insgesamt 53 Millionen Euro.

Offenburg - Erleichterung trotz Millionen-Verlust: Dank der Ausgleichszahlungen des Bundes kam das Klinikum 2020 mit "einem blauen Auge" davon, erklärte Klinikum-Chef Christian Keller am Dienstag. Unterm Strich steht ein Minus von 16,9 Millionen Euro.

Die Eckpunkte des Jahresabschlusses 2020 stellte Keller den Mitgliedern des Klinik-Ausschusses in deren jüngster Sitzung vor. Die Corona-Pandemie hatte sich im vergangenen Jahr stark auf den Klinikbetrieb ausgewirkt: Das Ergebnis war ein Verlust von fast 17 Millionen Euro.

Trotzdem war die Erleichterung unter den Kreisräten groß – gerechnet hatte man im Nachtragswirtschaftsplan mit einem Minus von 29 Millionen Euro. Ganz zu Schweigen davon, dass der ursprünglich vorgesehene Wirtschaftsplan – noch bevor Corona ein Thema wurde – ohnehin einen Jahresverlust von fast 13 Millionen Euro vorsah. Das Gremium empfahl dem Kreistag bei einer Enthaltung den Jahresabschluss 2020 in seiner nächsten Sitzung festzustellen.

"Die Pandemie bedeutete nicht nur eine extreme Sonderbelastung für unsere Beschäftigten, sondern ist darüber hinaus auch betriebswirtschaftlich außerordentlich herausfordernd", erläuterte Keller das Ergebnis.

16 Prozent weniger stationäre Patienten

Zu der seit vielen Jahren unzureichenden Finanzierung in Deutschland kämen nun die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemiebekämpfung hinzu. Dadurch verstärke sich der bereits bestehende hohe finanzielle Druck auf die Krankenhäuser, so Keller.

Während dem ersten Pandemie-Jahr sank die Zahl der stationär behandelten Patienten um etwa 16 Prozent auf insgesamt 63 942 (2019: 76 449). Die Zahl der ambulanten Operationen ging auf insgesamt 8 355 (2019: 10 043) zurück – das sorgte für deutliche Mindereinnahmen.

Dennoch ist der Klinikverbund aufgrund der finanziellen Hilfen von Bund und Land "mit einem blauen Auge davongekommen", berichtete Keller – fast 53 Millionen Euro insgesamt. Der Verlust fiel so mit rund 16,9 Millionen Euro sogar geringer aus als 2019 mit 18,4 Millionen.

Die Hilfen waren darauf ausgerichtet, die enormen Erlösausfälle sowie Zusatzkosten, die die Bekämpfung und die Bewältigung der Corona-Pandemie durch das Vorhalten und den Aufbau von Kapazitäten sowie die Lenkung und Behandlung von Covid-19-Patienten verursachten, zu decken.

"Es ist eine tolle Leistung gebracht worden"

Für den Ortenaukreis scheint das gut funktioniert zu haben – bisher zumindest. "Am 15. Juni wurden uns die Ausgleichszahlungen gekappt", berichtete Keller. Erst kommendes Jahr solle es eine Pauschale geben. So laufe das Klinikum zwangsläufig in eine Liquiditätslücke von 20 bis 30 Millionen Euro. "Wir fühlen uns vom Bund im Stich gelassen", konstatierte Keller, die Krise werde einfach für beendet erklärt. Dabei kämpfe das Klinikum nach wie vor mit den Folgen: "Wir laufen noch nicht auf Volllast." Man dümpele bei 1000 belegten Betten herum – Kapazitäten gebe es für rund 300 Patienten mehr.

Für das überstandene Krisenjahr gab es mehrheitlich Lob und Anerkennung von den Kreisräten. "Es ist eine tolle Leistung gebracht worden", erklärte etwa Ettenheims Bürgermeister und CDU-Sprecher im Ausschuss Bruno Metz. Ein Dankeschön "vom Chefarzt bis zur Reinigungskraft" gab es von Valentin Doll, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. "Die Mitarbeiter wurden wahrscheinlich gefordert, wie noch nie", stellte auch Grünen-Fraktionschef Alfred Baum anerkennend fest. Das Klinikum habe seine Leistungsfähigkeit in der Krise bewiesen und erhalten, konstatierte SPD-Sprecher Jens-Uwe Folkens.

Kritischere Töne kamen von FDP-Kreisrat Eberhard Freiherr von Hodenberg: "Ich bin ein bisschen verwundert, dass wir uns alle auf die Schultern klopfen ob des tollen Ergebnisses", dabei zeige es doch einfach, wie sehr das Gesundheitswesen derzeit kranke. "Was die Bundesregierung tut, ist ja das Mindesteste", betonte Jana Schwab von der Linken Liste Ortenau mit Blick auf die Corona-Hilfen.

Weil Beatmungsgeräte im vergangenen Jahr kaum auf dem Markt rar gewesen seien, habe das Klinikum – genauso wie der Bund und das Land – bestellt was zu kriegen war, berichtete Peter Kraemer, Medizinischer Direktor des Klinikums, im Klinik-Ausschuss. Das Ergebnis: "Wir haben eine überschießende Zahl von Geräten bekommen", so Kraemer, 146 stünden in seiner Klinik. Wieder verkaufen könne man diese nicht einfach, die Vorgabe sei diese auch in Zukunft für Katastrophen zur Verfügung zu halten. So stünden die meisten nun, ans Stromnetz angeschlossen aber ohne am Patienten eingesetzt zu werden, herum – müssten aber regelmäßig gewartet werden.