Nach den jüngsten Coronafällen führen die Verantwortlichen des Bundesligisten intensive Gespräche mit den Profis – um auf sie einzuwirken.
Stuttgart - Das Thema Impfen ist im Coronaherbst 2021 weiterhin eine brisante Angelegenheit – und wird es auch bleiben. In der Gesellschaft, aber auch bei Fußballvereinen wie dem VfB Stuttgart.
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Bei dem Bundesligisten haben sich innerhalb kürzester Zeit sechs Profis mit dem Virus infiziert, zuletzt Orel Mangala, dessen positiver Test am Freitag bekannt wurde. Was natürlich Fragen aufwirft, zum Beispiel nach der Impfquote im Kader. Genaue Angaben macht der Verein nicht. Während Christian Seifert, der Chef der Deutschen Fußball-Liga, vor ein paar Tagen erklärte, die Zahl der Geimpften in der Bundesliga (Spieler, Trainer, Betreuerstab) liege bei 94 Prozent, dürfte es beim VfB etwas anders aussehen. Die 2-G-Quote (Geimpfte, Genesene) im Kader soll sich in einer Größenordnung von etwa 85 Prozent bewegen.
Ist eine Auffrischung nötig?
Ein Problem könnte zudem sein, dass sich angeblich viele Fußballer für den Wirkstoff von Johnson & Johnson entschieden haben. Dessen Vorteil: Man musste sich nur eine Dosis verabreichen lassen. Mittlerweile stellte sich allerdings heraus, dass es bei diesem Produkt offenbar mehr Impfdurchbrüche gibt als bei anderen Vakzinen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt deshalb allen, die auf Johnson & Johnson vertraut haben, eine Auffrischung mit dem Impfstoff von Moderna oder Biontech.
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Ob die Wahl des Wirkstoffes zur misslichen Situation beim VfB beigetragen hat? Ist Spekulation. Als gesichert gilt, dass derzeit innerhalb des Teams viel diskutiert wird. Und der Verein, was die Wichtigkeit von Impfungen angeht, Klartext spricht. „Natürlich darf jeder Spieler selbst entscheiden“, sagt Trainer Pellegrino Matarazzo, „aber es ist nicht so, dass wir nicht auf sie einwirken. Wir führen viele Gespräche und sehen die Möglichkeit, diese jetzt weiter zu intensivieren. Das ist ein Stück weit aufwendiger als gewünscht, doch wir versuchen, die beste Lösung für den Verein zu bekommen.“ Allerdings ohne Zwang.
Der US-Sport taugt nicht als Vorbild
So vorzugehen wie die Brooklyn Nets, die Kyrie Irving, einen ihrer Superstars, von allen Trainingseinheiten und Spielen der Basketball-Profiliga NBA ausgesperrt haben, weil er sich nicht impfen lässt, hält Matarazzo jedenfalls nichts. „Das würde ja eine Art Impfpflicht bedeuten“, sagt der im US-Bundesstaat New Jersey geborene Fußballcoach, „in Deutschland gibt es aber keine Impfpflicht, und deshalb wird es auch beim VfB keine Impfpflicht geben.“