Astrazeneca wird mit Thrombosen in Verbindung gebracht. Foto: dpa/Victoria Jones

Die Corona-Vakzine von Astrazeneca und Johnson & Johnson produzieren immer wieder Negativschlagzeilen – zuletzt auch mit Pannen bei der Produktion. Die konkurrierenden Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna dagegen kaum. Was sind die Gründe?

Stuttgart - Probleme mit den Corona-Vakzinen von Astrazeneca und Johnson & Johnson bremsen die Impfkampagnen in Deutschland und anderen Ländern. Wir beantworten wichtige Fragen zu diesen und anderen Corona-Impfstoffen.

 

Welche Impfstofftypen sind in Deutschland im Einsatz?

Hierzulande dominiert der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer das Impfgeschehen. Von den aktuell etwa 22,4 Millionen verabreichten Impfdosen entfielen rund drei Viertel auf dieses Vakzin. Der Vektorimpfstoff von Astrazeneca bringt es dagegen nur auf rund 4,5 Millionen Impfdosen, der andere mRNA-Impfstoff des US-Herstellers Moderna auf etwa 1,2 Millionen Dosen. Betrachtet man nur die rund 5,6 Millionen vollständig Geimpften, die bereits zwei Dosen erhalten haben, ist der Vorsprung von Biontech/Pfizer mit einem Anteil von 95 Prozent noch viel größer. Der Vektorimpfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson wird in der EU noch nicht eingesetzt, der russische Vektorimpfstoff Sputnik V ist in der EU noch nicht zugelassen.

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Was ist der Unterschied zwischen den einzelnen Corona-Impfstoffen?

Ziel einer Impfung ist es, im Körper die Bildung von Antikörpern und Abwehrzellen gegen einen Krankheitserreger in Gang zu bringen. Beim Kontakt mit dem Erreger ist das Immunsystem dann schon vorbereitet und kann den Eindringling unschädlich machen. Bei den Coronavakzinen setzen einige Hersteller wie etwa Sinovac aus China auf traditionelle Totimpfstoffe, bei denen abgetötete Coronaviren oder Teile ihrer Eiweißhülle injiziert werden, um eine Immunreaktion auszulösen. Bei Vektor- und mRNA-Impfstoffen werden weder Viren noch Teile davon eingesetzt. Stattdessen werden Abschnitte des Viruserbguts in menschliche Zellen eingeschleust, die den Bauplan für das sogenannte Spike-Protein enthalten – eine typische Eiweißverbindung in der Hülle des Coronavirus. Die Zellen produzieren darauf selbst das Virus-Eiweiß und stimulieren so das Immunsystem. Bei Vektorimpfstoffen wird der genetische Bauplan mit unschädlichen Adenoviren in die Zellen gebracht. Bei mRNA-Impfstoffen gelangt der Bauplan ohne Hilfe von Adenoviren in die Zellen.

Welche Probleme sind bei Astrazeneca aufgetreten?

Nach der Injektion des Vektorimpfstoffs von Astrazeneca wurden bei einigen Geimpften Hirnvenenthrombosen festgestellt. Diese gefährlichen Blutgerinnsel traten bei Geimpften häufiger auf als in der Gesamtbevölkerung, was einen kausalen Zusammenhang nahelegt. Stand vergangener Woche wurden dem in Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) 55 Fälle einer solchen Thrombose gemeldet. In 30 Fällen wurde zusätzlich ein Mangel an roten Blutplättchen gemeldet. Als wahrscheinliche Ursache gilt eine starke Immunreaktion, die sich gegen die Blutplättchen richtet und diese verklumpen lässt. 42 Meldungen über Hirnvenenthrombosen betrafen nach Angaben des PEI Frauen im Alter von 20 bis 66 Jahren. 13 Meldungen betrafen Männer im Alter von 20 bis 70 Jahren. Bei sechs Frauen und fünf Männern führte die Komplikation zum Tod. Das PEI hat empfohlen, Astrazeneca nur noch an über 60-Jährige zu verimpfen. Zudem sollen bereits einmal mit dem Vakzin geimpfte unter 60-Jährige beim zweiten Impftermin ein mRNA-Präparat erhalten. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfiehlt den Impfstoff dagegen weiterhin ohne Einschränkung. Sie hält die Wahrscheinlichkeit einer Hirnvenenthrombose – wie fast alle anderen Impfexperten – weiterhin für viel kleiner als die Gefahren einer möglichen Corona-Infektion, die generell ein deutlich erhöhtes Thromboserisiko mit sich bringt.

Wie steht es bei Johnson & Johnson?

Auch bei diesem Vektorimpfstoff, bei dem eine einmalige Injektion genügen soll, traten Hirnvenenthrombosen in einer Häufigkeit auf, die einen Zusammenhang mit der Impfung nahelegen. Konkret hatten US-Behörden unter 6,8 Millionen Geimpften sechs derartige Fälle festgestellt und darauf die weitere Verwendung des Vakzins gestoppt. Die EMA hatte den Impfstoff am 11. März zugelassen. Allerdings verschob J&J nach dem Impfstopp in den USA die Auslieferung in Europa. Nach einer erneuten Prüfung teilte die EMA am Dienstag mit, dass das Vakzin in der EU uneingeschränkt verwendet werden darf. Probleme bereitet J&J auch eine Panne in einem US-Werk, durch die laut „New York Times“ 15 Millionen Impfdosen unbrauchbar geworden sind. Die Produktion wurde darauf zeitweise unterbrochen.

Sind Vektorimpfstoffe anfälliger für Komplikationen?

Der Transfusionsmediziner Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn hält es für wahrscheinlich, dass die Hirnvenenthrombosen mit einer Immunreaktion gegen die als Genfähre genutzten Adenoviren zusammenhängen könnten, die statt mRNA das Erbmolekül DNA enthalten. Nachgewiesen wurde dieser Zusammenhang bisher noch nicht. Auch die nach der Impfung gebildeten Virusproteine könnten eine Rolle spielen. Dagegen spricht indes, dass bei mRNA-Impfstoffen bisher keine Häufung von Hirnvenenthrombosen beobachtet wurde.