Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache untersucht, wie sich die Corona-Pandemie auf unseren Wortschatz auswirkt. Viele neue Wörter sind hinzugekommen. Wie viele werden bleiben?
Stuttgart - Sprache verändert sich ständig, aber nicht kontinuierlich. In Krisenzeiten wird sie neu mit Begriffen betankt – speziell jetzt, während der Coronapandemie. „Noch nie haben wir so viel Dynamik erlebt“, berichtete Annette Klosa-Kückelhaus, Leiterin des Programmbereichs Lexikographie und Sprachdokumentation am Mannheimer Leibniz-Institut für Deutsche Sprache jetzt bei einem Vortrag im Stuttgarter Hospitalhof.
Geschichtliche Zäsuren, so lernt man bei ihr, hinterlassen in der Sprache immer Spuren. Die Studentenrevolte in den 1960er Jahren hat das Wort „antiautoritär“ hervorgebracht. Aus der Wendezeit 1989/89 sind uns die „Ossis“ und die „Wessis“ erhalten geblieben. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Sprache mit Sicherheitsvokabular aufgepumpt: vom „Antiterrorkrieg“ bis zum „Körperscanner“. Die Banken- und Finanzkrise von 2009 schließlich hat jede Menge „Rettungsschirme“, und „toxische Papiere“ hinterlassen.
Wird der Fußgruß überleben?
Doch das ist alles nichts im Vergleich mit Corona, wie Klosa-Kückelhaus betont. Seit Ausbruch der Pandemie 2020 hat sie rund 2500 Wörter aus dem Corona-Umfeld in ihr Online-Wörterbuch eingetragen: Fachbegriffe wie „Herdenimmunität“ und „Fieberambulanz“ sind darunter. Auch Neubedeutungen wie „Querdenker“. Sogenannte Neologismen, Wortneuschöpfungen, haben es ihr besonders angetan: „Maskomat“, „Infektionsampel“, „Wuhanshake“, „Fußgruß“, „Balkonmusik“, „Alltagsmaske“, „Abstandsbier“, „Covidioten“ oder „Maskenmuffel“. Begeistert stellt die Wörtersammlerin fest: „Die Pandemie schenkt uns viele neue Begriffe.“ Wie viele davon werden bleiben? „Zehn Prozent vielleicht“, schätzt sie. „Homeoffice“ dürfte dazugehören. Chancenreich ist auch die neue Abschiedsformel: „Bleiben Sie gesund!“