Die Turbulenzen beim FC Bayern erreichen neue Dimensionen: Die Chefs streichen den ungeimpften Stars um Joshua Kimmich offenbar Teile des Gehalts, vier weitere Profis müssen in Quarantäne.
Stuttgart/München - Vor ein paar Wochen gab es die Quarantäne-Witze über Julian Nagelsmann. Es gab die vielen schönen Fotomontagen im Netz, die zeigen, wie er seine Küche während der Spiele des FC Bayern zerlegt. Der doppelt geimpfte Trainer gab dann auch offen zu, dass er zumindest ordentlich gebrüllt habe in den eigenen vier Wänden.
Vom nicht geimpften Joshua Kimmich ist bislang nichts überliefert aus der Quarantäne. Zu befürchten ist allerdings beim Nagelsmann-ähnlichen Ehrgeiz des Nationalspielers, dass auch er während der Partien seines Clubs nicht der Leiseste ist. Und dass ein paar Gegenstände bei ihm nicht mehr sicher liegen, sondern eher durch die Bude fliegen.
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Die 1:2-Niederlage beim FC Augsburg verfolgte Kimmich am Freitagabend in den eigenen vier Wänden, und nicht nur deshalb schob er Frust. Denn seine erneute Corona-Quarantäne könnte für den Impfskeptiker doppelt bitter werden. So berichtete die „Bild am Sonntag“, dass die Clubchefs des FC Bayern München jetzt genug hätten – und daher Gehaltskürzungen für die Impfverweigerer unter ihren Profis folgen sollen.
Kein Kommentar vom FC Bayern
Die Ansage der Führung um Vorstandsboss Oliver Kahn: Alle Spieler, die wegen einer fehlenden Corona-Impfung in Quarantäne müssen, sollen in dieser Zeit nicht mehr bezahlt werden. Am vergangenen Donnerstag soll den ungeimpften Profis um Kimmich mitgeteilt worden sein, dass ihr Gehalt aus der Quarantäne-Woche rückwirkend abgezogen wird. Der Rekordmeister wollte den Bericht nicht kommentieren.
Ähnliche Einbußen müssten dabei die Nationalspieler Serge Gnabry und Jamal Musiala sowie Angreifer Eric Maxim Choupo-Moting hinnehmen, die ebenfalls noch ohne Schutz sein sollen und rund um den vergangenen Länderspielblock Mitte November wie Kimmich in Quarantäne waren.
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Am Sonntagmittag nun gaben die Bayern bekannt, dass sich nach Kimmich auch die besagten Gnabry, Musiala, Choupo-Moting und der offenbar ebenfalls ungeimpfte Michael Cuisance „in Absprache mit den zuständigen Gesundheitsbehörden“ erneut in Quarantäne begeben müssen. Das Quartett habe laut Mitteilung Kontakt „zu einer Person im unmittelbaren Umfeld der Mannschaft des FC Bayern, die positiv auf das Coronavirus getestet worden ist“, gehabt.
Nachteile beim BVB-Spiel
Spätestens mit dieser Meldung war klar, dass die ungeimpften Profis den Erfolg des Clubs nachhaltig gefährden könnten. So ist Kimmich nun schon seit Wochen aus dem Trainings- und Wettkampfrhythmus. Es folgt nun neben den anderen Kollegen mit Gnabry zum zweiten Mal ein weiterer Stammspieler und in Musiala ein Profi, der nah dran ist an der Startelf. Am 4. Dezember steigt das Bundesliga-Spitzenspiel bei Borussia Dortmund – in das die Bayern aufgrund der Impfsituation im Kader Stand jetzt mit einem personellen Nachteil gehen werden. Oder zumindest – je nach Ende der Quarantänezeit – mit Stammkräften, die nicht in ihrem gewohnten Rhythmus sind.
Die betroffenen Spieler jedenfalls sollen „sehr überrascht“ gewesen sein, als es kürzlich um ihre Gehaltskürzung ging. Im Rest der Münchner Mannschaft soll der Schritt dagegen auf Zustimmung stoßen. Für Kimmich geht es bisher bei einem geschätzten Jahressalär von 20 Millionen Euro bereits um einen Gehaltsverlust von rund 768 000 Euro. Mindestens ebenso schwer dürfte bei ihm und den anderen Profis aber die Wirkung nach außen wiegen: Denn nun stehen sie am Pranger, da sich der Verein von ihnen distanziert. Sie stehen jetzt ohne Rückendeckung ihres Arbeitgebers da – der sich bisher bei allen internen Appellen zur Impfung öffentlich stets schützend vor seine Profis stellte und deren Recht auf freie Meinung betonte.
Rummenniges Aussagen
„Wenn das stimmt, ist das sicherlich auch als Zeichen zu verstehen, dass der Verein jetzt reagiert“, sagte der ehemalige Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Sonntag bei Sky 90 – wenn es also noch einen unterschwelligen Beweis für den Wahrheitsgehalt der Berichte über die Gehaltskürzung beim FC Bayern gebraucht hätte, war er damit geliefert. „Das wird ihm nicht gefallen“, ergänzte Rummenigge mit Blick auf die mögliche Reaktion Kimmichs darauf – und schwang sich mit Blick auf die Impfdebatte noch als Anwalt für seinen Ex-Club auf. Es nerve den Verein auch langsam, sagte Rummenigge, denn: „Alle haben mit vielen Gesprächen versucht, das Thema Nichtimpfen zu bereinigen oder eine Lösung zu finden. Das ist nicht geglückt bis dato.“
Dann äußerte der Ex-Chef einen frommen Wunsch: „Vielleicht gelingt es jetzt.“