Zur Mittagszeit hielt sich der Ansturm am Hechinger Schnelltest-Zentrum noch in Grenzen. Foto: Nölke

Seit sich Baden-Württemberg in der Alarmstufe II befindet, sind Schnelltests wieder in vielen Lebensbereichen Pflicht - vor allem für Ungimpfte. Die Corona-Testzentren bekommen deshalb immer häufiger den Frust der Menschen zu spüren. Unser Redakteur war einen Tag dabei. Eine Reportage.

Zollernalbkreis - Gegen 10.30 Uhr geht eine Nachricht von Martin Braun ein: "Wir suchen einen Verkehrs-Manager. Wir werden an der Teststation total überrannt." Braun betreibt mit seiner Firma "be Save" die Testzentren an der Domäne in Hechingen und am Thalia-Theater in Albstadt-Tailfingen - die einzigen beiden Teststationen, die sonntags im Zollernalbkreis ganztägig und ohne Termin testen. Um 11 Uhr dann eine kurze Lagebesprechung im Büro des Unternehmens. Martin Braun und sein Kompagnon Markus Ringle klären, was ansteht. Am Thalia-Theater soll eine zweite Testspur eingerichtet werden. In Hechingen dasselbe. Alles muss möglichst schnell gehen, da die Warteschlangen bereits bis in den fließenden Verkehr stehen.

Gegen 11.30 Uhr geht es mit Ringle ans Thalia-Theater. Bereits auf der Anfahrt ist zu erkennen, dass es kein ruhiger Tag an der Station wird. Innerhalb einer halben Stunde wird ein zweites Testhaus aufgestellt und eine Fahrspur dafür eingerichtet. Ringle fährt zurück ins Büro und holt das Material, also die Corona-Tests, die Schutzausrüstung für die Mitarbeiter und Desinfektionsmittel.

"Eine Sauerei der Politik"

Szenenwechsel - 12.30 Uhr an der Domäne in Hechingen. Hier ist es zwar noch etwas ruhiger, dennoch stehen bereits über 50 Autos in der Schlange. Hier werde ich für den restlichen Tag eingesetzt sein. Als Verkehrs-Manager. Und - wie sich später zeigen wird - auch als Parkplatzanweiser, Seelentröster und technischer Support.

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Jeder, der zu einem der beiden Corona-Testzentren kommt, benötigt eine einmalige Online-Registrierung. Viele haben diese nicht - entweder, weil sie es nicht wussten, oder weil sie sich mit ihrem Smartphone nicht auskennen. In einem kurzen persönlichen Gespräch in der Warteschlange wird deshalb Hilfestellung gegeben. Außerdem bedanken sich sehr viele dafür, dass die Teststation auch am Sonntag geöffnet hat. Einige Kunden hatten einen langen Anfahrtsweg. Eine Dame aus Mössingen fasst zusammen, was die Meinung vieler ist: "Es ist eine Sauerei, dass die Politik eine Testpflicht beschließt, die Städte und Gemeinden sich aber nicht um ausreichende Angebote kümmern."

Eine Recherche im Nachhinein zeigt: Die Dame hat recht, was die kommunalen Testzentren angeht. In der Region gibt es keine Testzentren, die von Kommunen betrieben werden. Ganz im Gegenteil - ein Teststellen-Betreiber, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet von großen Steinen, die ihm die Stadt in den Weg lege.

Polizeibeamte sind ratlos

Gegen 14 Uhr kommt der große Ansturm. Innerhalb weniger Minuten füllt sich der Parkplatz. Der Verkehr staut sich bis an den Kreisverkehr zur Bundesstraße. Es muss schnell gehen. Kurzerhand wird die Warteschlange verlegt. Domäne-Betreiber Thomas Lacher kommt hinzu. Er ist gestresst, da seine Gäste nun im Stau stehen. Gemeinsam wird eine Lösung gesucht. In einem späteren Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er, dass er weder vom Team der Teststation, noch von den Gästen etwas Negatives gehört habe. Er verstehe jedoch, dass einige Kunden der Teststation aufgrund der Wartezeiten "ziemlich angepisst" sind.

Eine Polizeistreife trifft ein. Der Verkehr staut sich mittlerweile auf der Hauptstraße, die Beamten sind angespannt. Schnell wird jedoch klar, dass wir bereits das einzig richtige tun: Menschen, die einen Test brauchen, wegschicken. Das kommt bei den Kunden erwartungsgemäß nicht gut an. Viele fangen an zu schimpfen, beleidigen die Mitarbeiter auf dem Platz. Das Testzentrum sei nicht das Problem, sondern Teil der Lösung, hält ihnen Braun entgegen. Die Unterversorgung an Teststellen sei das eigentliche Übel. 

Der Ansturm wird nicht weniger - ganz im Gegenteil. Am Abend findet auf dem Hofgut Domäne ein Weihnachtsmarkt statt. Kurzerhand übernimmt das Team des Testzentrums auch die Einweisung an den Parkplätzen. Nur so kann ein Verkehrskollaps verhindert werden. Eine weitere Polizeistreife kommt vorbei. Die Beamten sind sich mit Braun einig. So wie das Vorgehen auf dem Platz ist, passt alles. Eine andere Möglichkeit sehen auch diese Beamten nicht, den Verkehrsfluss zu regeln.

Die Nerven liegen blank

Je später der Tag wird, umso blanker liegen die Nerven. Viele ungeimpfte Arbeitnehmer brauchen für Montag einen Schnelltest. Sie wollen nicht verstehen, dass der Platz voll ist oder sie bis zu zwei Stunden anstehen müssten. Einige zeigen Verständnis dafür, dass die Mitarbeiter der Teststation nichts dafür können. Andere wollen nicht akzeptieren, dass sie später wiederkommen oder eine andere Teststation finden müssen. Ein Fahrer weigert sich zu gehen, blockiert sogar die Einfahrt. Ein anderer kommt bereits zum dritten Mal. Er habe Spätdienst, sagt er. Deshalb brauche er bis 18 Uhr einen Test. Bei Wartezeiten von über einer Stunde ist er dafür aber schlicht zu spät dran. Der Mann ist verzweifelt, weil es keine andere Teststelle gibt. Bei einem anderen Kunden ist es genau dasselbe Spiel. Mit Tränen in den Augen entschuldigte er sich später für sein unfreundliches Auftreten zu Beginn.

Gegen 19 Uhr entspannt sich die Situation langsam. Die ersten Gäste der Domäne verlassen das Areal wieder. Die Zahl der zu Testenenden sinkt ebenfalls. Nun wird es Zeit für eine erste kurze Pause - bislang undenkbar. Dann geht es direkt weiter. Um 20 Uhr ist Schluss auf dem Platz. Doch immer noch kommen Autos an. Ein paar werden noch getestet - vom Personal, dass bereits seit Stunden in der eisigen Kälte ausharrt und eigentlich in den Feierabend möchte. Dann ist Schluss und der Abbau beginnt. Dieser dauert auch rund eine Stunde. Beim anschließenden Abendessen besprechen Braun und Ringle, wie der Tag lief. Das Fazit: Auch in Tailfingen herrschte zeitweise Chaos. Und: Es müssen weitere Testzentren her. Da sind sich die beiden einig.

Info: Umzug geplant

Wie Martin Braun am Mittwoch mitteilt, ist der Umzug der Teststationen in Hechingen und Albstadt geplant. In beiden Fällen soll zeitnah auf einen größeren Platz ausgewichen werden – in Albstadt soll es der Parkplatz des Tailfinger Naturfreibads werden, in Hechingen der Festplatz. Der Verkehrsfluss auf den Hauptstraßen soll so sichergestellt werden. Wann genau die neuen Standorte an den Start gehen, konnte Braun jedoch noch nicht sicher mitteilen. Ziel sei es, den Umzug bis Sonntag über die Bühne zu bringen. Die genauen Informationen veröffentliche "be Save" tagesaktuell unter www.test-im-auto.de.