Die Spaziergängerin versucht, der Polizei an der Dammstraße zu entkommen. Foto: Lück

Mit einem großen Polizeiaufgebot wurde am Montagabend der Spaziergang der Corona-Kritiker in Horb unterbunden. Gut 20 bis 30 Spaziergänger hatten sich gegen 18 Uhr rund um den Flößerwasen verabredet. Gegen 18.20 Uhr hatten sich die meisten wieder verstreut – nachdem Polizisten eine ältere Frau über den Flößersteg verfolgt hatten.

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Horb - Gegen 17.45 Uhr fahren sechs Mannschaftswagen der Polizei auf den Flößerwasen-Parkplatz. Dazu die vier Ordnungsamtskräfte des Rathauses, Michaela Kronenbitter und der zuständige Fachbereichsleiter Thomas Staubitzer. Anlass: Das Ansammlungsverbot von OB Peter Rosenberger für "Spaziergänge" oder "Montags-Spaziergänge".

18 Uhr. Außer den Ordnungskräften und ein paar Bürgern im Testzentrum ist am ehemaligen Treffpunkt der Spaziergänger niemand zu sehen. Gut 15 Menschen haben sich vor dem Bärensteg im Dunkeln versammelt, stehen in lockerem Abstand herum. Sechs Polizisten nähern sich dieser Gruppe. Einer sagt: "Wir sind hier, um das Ordnungsamt beim Ansammlungsverbot zu unterstützen. Gleich kommt jemand vom Ordnungsamt und wird ihnen das erklären. Wenn sie dem nicht Folge leisten, bekommen sie von denen einen Bescheid oder es drohen weitere Maßnahmen!"

Teilnehmerin beleidigt Polizeibeamte

Eine ältere Frau: "Ich verstehe das nicht. Wir haben doch das Grundgesetz und die Versammlungsfreiheit. Das ist ja wie bei den Nazis!" Der Beamte zögert kurz. Sagt dann: "Das ist eine Beleidigung. Wir müssen ihre Personalien feststellen." Die Frau nutzt die Verzögerung und eilt Richtung Flößerbrücke. Der Polizist: "46, Personalienfeststellung." Aus dem Mannschaftswagen, der extra auf dem Marktplatz vorgefahren war, springen die Polizisten hinaus und eilen der Frau hinterher. An der Dammstraße haben sie die ältere Frau gestellt. Ihr Mann ist hinterhergeeilt und filmt die Szene mit dem Handy. Sie sagt: "Ich habe meinen Personalausweis nicht dabei! Nur Geld." Die Münzen rollten der – verständlich aufgeregten Frau – aus der Manteltasche. Dann nimmt ein Beamter ihre Adresse auf und lässt sie per Funk überprüfen. Inzwischen eilen Spaziergänger über den Flößersteg Richtung Bahnhof, beobachten die Szene. Es sind deutlich mehr als auf dem Hausarzt-Parkplatz. Offenbar haben sich nicht alle versammelt, sondern erst die Lage gecheckt. Es fallen Kommentare wie: "Und der nennt sich Bürgermeister!" oder "Was für eine Willkür!"

Demonstrationen sind erlaubt

Am Parkplatz vor dem Hausarzt Albrecht Lamerz stehen noch die Ordnungsamts-Mitarbeiter und plaudern mit Michael Grüber und Christa Stiegenroth. Grüber: "Wir sind gerade aus Kassel zurück und sind zufällig vorbei gekommen – spazieren gehen." Ordnungsamts-Leiterin Michaela Kronenbitter: "Das Verbot gilt nur für Ansammlungen. Demonstrationen sind weiter erlaubt. Die muss man allerdings anmelden und bekommt Auflagen."

Das Ansammlungsverbot hat unter den "Spaziergängern" für Aufregung gesorgt. Schon nachmittags wurde das Polizeiaufgebot beobachtet – und viele sind einfach nach Nagold oder Freudenstadt gefahren. Beim letzten Spaziergang waren gut 60 dabei, heißt es aus Kreisen der Gegner der Corona-Maßnahmen: "Da waren nur zwei Polizisten dabei – und alles war entspannt und locker!"