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Corona-Pause ist vorbei Hess-Prozess in VS mit Hindernissen

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Im Hess-Prozess ist kein Ende in Sicht. Foto: Eich

Sieben Termine des großen Wirtschaftsprozesses um die ehemalige Hess AG fielen Corona zum Opfer. Warum dessen Fortsetzung schon wieder am seidenen Faden hing, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Mannheim/Villingen-Schwenningen - Immer wieder hatte nach ohnehin schon jahrelangem Warten auf dessen Eröffnung die Pandemie die Termine des Wirtschaftsprozesses vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts in Mannheim unmöglich gemacht. Sieben Verhandlungstage waren seit dem 20. Oktober Infektionen mit dem Coronavirus von Prozessbeteiligten zum Opfer gefallen.

Schon wieder Verzögerung durch Coronavirus?

Und auch am Mittwoch sah es kurz nach Eröffnung des Prozesstages ganz danach aus, als schlage das Schicksal erneut zu: Christoph Hess und Peter Ziegler, die Hauptpersonen auf der Anklagebank und ehemaligen Vorstände der ebenfalls ehemaligen Hess AG, waren zwar vor Ort, doch vom dritten Angeklagten, einem 63-jährigen ehemaligen Geschäftsführer einer Unterfirma der Hess AG, der sich der Beihilfe strafbar gemacht und selbst Scheinrechnungen geschrieben haben soll, fehlte jede Spur. Rätselraten im Foyer, immer wieder erwartungsvolle Blicke zum Eingang. Doch kein einziges Mal, wenn sich die Tür öffnete, war er es, der hindurch trat. Einer seiner Anwälte brachte schließlich Licht ins Dunkel: Der Mann säße in Bayreuth – und zwar im Corona-Testzentrum. Würde das heimtückische Virus den Hess-Prozess also schon wieder verzögern?

Der Vorsitzende Richter Oliver Ratzel zeigte einen anderen Weg auf: Das Verfahren gegen den 63-Jährigen könne abgetrennt werden. Auch seinen Verteidigern kam dieser Vorschlag gerade recht: Schon lange stehe ohnehin die Frage im Raum, sagten sie im weitläufigen Saal 1 in Mannheim, ob der Angeklagte hier überhaupt richtig sei. Immer wieder sei dem Beschuldigten die Option aufgezeigt worden, sein Verfahren nach Paragraph 153a gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen, erklärte auch Staatsanwältin Lisa Böhmer im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Die Anwälte pflichteten bei: "Wir versuchen schon seit zwei Jahren, ihn dazu zu bewegen – aber er wollte nicht!", erzählte einer der Verteidiger schulterzuckend.

Nun also wurden nach einer kurzen Verhandlungsunterbrechung am Mittwoch mit der Abtrennung seines Verfahrens erste Tatsachen geschaffen. Über eine mögliche Verfahrenseinstellung werde man in Kürze mit dem Mann sprechen, kündigte Richter Ratzel an.

Angeklagte halten Smalltallk

Im Hauptverfahren zur Causa Hess gegen die verbliebenen Angeklagten geht es jetzt also weiter – derer jedoch sind es nur noch zwei: Christoph Hess und Peter Ziegler.

Diese sitzen eine halbe Stunde vor Beginn des Verhandlungstages im Foyer des mächtigen Gerichtsgebäudes der Quadratestadt am Tisch. Als die beiden Smalltalk mit Maske halten, lässt Nichts erahnen, dass sie zwei Hauptangeklagte in einem der Aufsehen erregendsten Wirtschaftsprozesse sind, die der Schwarzwald-Baar-Kreis zuletzt erlebt hat.

Drinnen sieht die Lage anders aus. Da wird wenig später um Formulierungen in Rechnungen und E-Mail-Korrespondenzen in den Jahren 2009 bis 2013 gerungen, und immer wieder wird den Prozessbeobachtern eindrucksvoll vor Augen geführt, wie kompliziert das Verfahren ist, durch welchen Dschungel an Unterlagen und digitalen Nachrichten sich die Ermittler quälen mussten, und wie undurchsichtig die Materie selbst nach intensiver Einarbeitung ist.

Erneut erweist sich Peter Ziegler als eifriger Angeklagter, der nimmermüde in Unterlagen blättert, um nach entlastenden Argumenten zu forschen, wenn Richter Oliver Ratzel ihm wieder einmal eine fragwürdige Mail aus der Vergangenheit vorhält. Mehrfach hakt dieser bei Ziegler nach und bittet um Aushändigung dieser oder jener Unterlage aus Zieglers dickem Aktenordner an das Gericht. Liefert Ziegler, der sich noch immer häufig engagiert selbst verteidigt und seinem Anwalt damit offenbar manches Mal in die Parade fuhr, hin und wieder scheinbar aufschlussreiche Erklärungen, bleibt er an anderer Stelle doch auch viele Antworten schuldig.

Undurchsichtiger Wirtschaftskrimi

Und auch an diesem dritten Verhandlungstag schlägt das Pendel mal zugunsten, dann wieder gegen Hess und Ziegler aus. Wurde betrogen? Stümperhaft Buch geführt? Oder einer AG unwürdig dilettantisch bilanziert? Klar ist in diesem undurchsichtigen Wirtschaftskrimi aus dem Schwarzwald nur eines: Bis zum letzten Kapitel, könnte es noch einige Zeit dauern.

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