Eine Clubnacht wie früher? In zwei Modellversuchen in Baden-Württemberg wird das erprobt, dieses Wochenende geht es los. Foto: dpa/Sophia Kembowski

Clubs und Discos dürfen in Baden-Württemberg unter strengen Auflagen wieder öffnen. Zwei Modellversuche sollen zeigen, ob noch mehr geht. Wie läuft das ab?

Ravensburg - Der Reiz der Diskotheken ergab sich schon immer aus möglichst vielen, gern intimen Kontakten zu den Mitfeiernden. Das Coronavirus ist da eine echte Spaßbremse. Allerdings darf man in Baden-Württemberg dank Inzidenzen diesseits der 10 jetzt wieder in die Clubsmit Test, Mindestabstand und Abgabe von Kontaktdaten. Erlaubt ist ein Gast je zehn Quadratmeter.

 

Ob das wirklich so viel Spaß macht und sich immer alle daran halten, sei dahingestellt. Das ahnt auch das Sozialministerium, das für drei Clubs Modellprojekte genehmigt hat. Fällt das Fazit positiv aus, sind weitergehende Lockerungen möglich. Am Sonntag öffnet der Mannheimer Hafen 49 seine Türen für ein Open-Air-Event – „unter realen Bedingungen, also ohne Abstandsregeln, mit Getränkeverkauf und mit expliziter Tanzerlaubnis“, wie „Mannheim24“ fast ungläubig schreibt.

Professor und Minister auf der Tanzfläche?

Die anderen Modellclubs befinden sich in Ravensburg: die gediegene Kantine und das Douala, einer der ältesten Technoclubs der Republik. Die oberschwäbischen Stadt ist die politische Heimat des Sozialministers Manfred Lucha, und sie hat ihre Clubkultur „als Leuchtturm der Kulturszene hervorgehoben“, wie es in einer aktuellen Mitteilung heißt. Allerdings ist anders als in Mannheim noch kein Event angekündigt. Der Betreiber des Douala vermutet in der „Schwäbischen Zeitung“ dahinter „Kompetenzgerangel“ unter den Behörden. Ein Sprecher der Stadt formulierte es so: „Die Anforderungen an ein Hygienekonzept sind sehr hoch. Das wurde in Gesprächen mit dem Gesundheitsamt deutlich.“

Allerdings munkelt man, dass es auch in Ravensburg schon am Wochenende losgehen könnte – und zwar wie in Mannheim wissenschaftlich begleitet. Auf der Tanzfläche werde man ihn jedoch nicht antreffen, erklärt der Professor Axel-Olaf Kern von der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Auch eine Befragung der Clubgänger vor Ort sei wenig sinnvoll, so der 57-Jährige. Vielmehr sollen die nachträglich per Online-Fragebogen mitteilen, was sie von den Schutzmaßnahmen halten und wie viel Spaß sie hatten. Ob zumindest Kerns ehemaliger Student Manfred Lucha im Douala vorbeischaut, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen.