Endlich wieder Kindergarten: Ab Ende Juni sollen alle Kita-Kinder wieder ihre Einrichtung besuchen können. (Symbolfoto) Foto: SpeedKingz/ Shutterstock

Ministerium bestätigt Vorankündigung. Träger sind sich nicht einig. Zählen 40 Prozent des Personals zur Risikogruppe?

Oberndorf/Stuttgart - Die baden-württembergischen Kitas öffnen definitiv Ende Juni. Klar ist aktuell aber noch nicht ganz, unter welchen Bedingungen. Auch die Träger sind sich uneinig, wie das Ganze vonstatten gehen soll - erst recht, da bis zu 40 Prozent des Personals zur Risikogruppe gehört.

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Hinter Kita-Kindern und ihren Eltern liegen lange Wochen der Einsamkeit und Ungewissheit. Seit einigen Wochen geht es aufwärts: In den Einrichtungen gibt es die "reduzierte Regelbetreuung", so dass die Kleinen ihre Freunde wenigstens ab und zu wieder treffen können. Ab Ende Juni dann sollen Kindergärten - wie übrigens auch Grundschulen - komplett wieder öffnen.

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"Grundlage für diese Entscheidung sind die vorliegenden Erkenntnisse einer Studie, die die Landesregierung bei der Universitätskinderklinik Heidelberg in Auftrag gegeben hat", erklärt eine Sprecherin des Kultusministeriums Baden-Württemberg. Aus dieser Studie gehe hervor, "dass Kinder unter zehn Jahren nicht nur seltener an Covid-19 erkranken, sondern sich auch seltener mit dem Virus infizieren als Erwachsene".

Andere Studien brachten ähnliche Ergebnisse

Die Studienergebnisse seien so valide, dass sie für politische Entscheidungen herangezogen werden könnten. Die Ministeriums-Sprecherin verweist in diesem Zusammenhang auf ähnliche wissenschaftliche Untersuchungen aus Island, den Niederlanden und der Schweiz. Die komplette Studie soll in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.

Aktuell wird an einem Regelwerk gefeilt, auf dessen Grundlage die Kita-Öffnungen vonstatten gehen können. Bekannt darüber ist bislang, dass das Abstandsgebot in den Einrichtungen fallen soll, gleichzeitig jedoch müssen die Gruppen unter sich bleiben und dürfen nicht gemischt werden.

Hoffnungsschimmer für Kindergartenkinder und Eltern

Was weiter in dem Maßnahmenplan steht, sind Ergebnisse von Gesprächen, die Anfang Juni an einem sogenannten "runden Tisch" mit Interessensvertretern geführt wurden. Einen solchen hatte unter anderem ein neu gegründeter Landeselternbeirat für Kindertageseinrichtungen gefordert. Mit dabei waren neben dem Kultusministerium Vertreter dieses kommissarischen Landeselternbeirats, kommunale Landesverbände wie Städte-, Gemeinde- und Landkreistag, Trägerverbände, Gewerkschaften, der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) sowie das Landesgesundheitsamt.

Mit am Tisch saß auch Marko Kaldewey, Vorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Kitaverbandes für freie und unabhängige Träger. Dieser betont schon seit längerer Zeit: "Die Kinder brauchen jetzt wieder andere Kinder."

"Drei Monate Zeit für Vorbereitungen"

Ginge es nach dem Verband, sollten die Einrichtungen bereits nach den Pfingstferien regulär öffnen können. "Wir hatten jetzt drei Monate Zeit, uns darauf vorzubereiten", findet Kaldeway. "Die Einrichtungen sollten die nötigen Vorkehrungen bereits getroffen haben."

In "seinen" Einrichtungen zumindest war dies der Fall: So hängen Desinfektionsspender aus, an denen sich die Eltern bei Eintritt in die Kita die Hände desinfizieren müssen. Geschlossene Mülleimer wurden angeschafft, um keine Infektionsherde durch weggeworfene Taschentücher zu bilden. Und natürlich: "So viel wie möglich an die frische Luft gehen - oder aber regelmäßig die Fenster öffnen."

Risikogruppen sorgen für Personalmangel

Hygiene und Vorsicht sind also weiterhin das oberste Gebot - allerdings mehr für Erwachsene als für Kinder. "Der Gesundheitsschutz der pädagogischen Fachkräfte ist uns sehr wichtig", betont das Kultusministerium.

Was aber, wenn die Fachkräfte nicht arbeiten können, weil sie zur Risikogruppe zählen? Der Anteil der Betroffenen liegt laut allen Trägern bei etwa 40 Prozent. Zur Risikogruppe zählen bekanntlich ältere Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Aber auch für Schwangere gilt aktuell ein Berufsverbot. Bei Lehrern verlangt Kultusministerin Susanne Eisenmann, "dass sie künftig Atteste über Vorerkrankungen vorlegen." Dies wäre auch beim Kita-Personal denkbar.

Quereinsteiger als Lösung?

Marko Kaldewey sieht eine Lösung in "multiprofessionellen Teams", um dem Personalmangel an Kitas auch außerhalb der Corona-Krise begegnen zu können. "Das können neben Erzieherinnen und Erzieher auch Quereinsteiger aus anderen Berufsgruppen sein", erklärt er.

Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei den jeweiligen Trägern - wie so vieles. Und diese scheinen sich über die anstehenden Maßnahmen nicht ganz einig zu sein. "Wir brauchen einen gemeinsamen, trägerübergreifenden Weg", findet auch Kaldewey, der die freien Träger vertritt.

Vorerst aber warten Träger, Einrichtungen und auch Eltern gespannt auf den entsprechenden Rahmen, der laut Kultusmisterium "in Kürze kommuniziert" werden soll.

"Die Kitas öffnen definitiv Ende Juni", verspricht die Ministeriums-Sprecherin, ergänzt jedoch: "Wir erarbeiten nur den Rahmen. Die Träger bestimmen die Spielräume."

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