In Heidelberg traf man sich auf ein Bier. Foto: dpa/Uwe Anspach

Ein Glas Bier in der Kneipe um die Ecke, Kaffee- und Kuchen im Café - in einigen Regionen Baden-Württembergs ist das seit Samstag wieder möglich. Die neuen Freiheiten stellen viele Gastronomen aber auch vor Herausforderungen.

Heidelberg - Der Himmel über dem Heidelberger Schloss ist wolkenverhangen. Immer wieder regnet es. Nach monatelangem Corona-Lockdown könnten die Bedingungen für die Öffnung von Restaurants und Cafés in der Neckarstadt sicher besser sein. Für Uwe Treiber ist das graue Wetter aber kein Hindernis. Zusammen mit Horst und Max Seifert hat er sich am Samstag verabredet, um nach langer Zeit wieder einmal ein frisch gezapftes Bier zu trinken. „Für uns ist das ein weiterer Schritt in Richtung Freiheit“, sagte er.

Wie Treiber ging es am Samstag vielen: In der Heidelberger Altstadt bummelten mehr Menschen als sonst zu Pandemie-Zeiten. Wirt Matthias Kuhnlein blickt jedoch mit gemischten Gefühlen auf die Öffnung. „Wir haben am Mittwoch erfahren, dass wir am Samstag aufmachen dürfen. So einfach ist das aber nicht“, sagte er. Zum Beispiel gebe es Probleme bei der Lieferung von Getränken. Auch Fassbier sei etwa erst in der kommenden Woche wieder auf Lager.

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Vor seiner Kult-Kneipe am Heidelberger Marktplatz stehen am Samstag nur 4 Tische, 15 wären erlaubt. Auf den Rest hat er wegen des Wetters aber verzichtet. „Wir haben lange überlegt, ob wir öffnen. Jetzt probieren wir es aus, rechnen wird sich das aber sicherlich nicht“, sagte Kuhnlein. Nach 194 Tagen im Lockdown fehle auch die Routine. Die neuen Hygiene-Regeln hält er für zu unpraktikabel.

Das sieht die Corona-Verordnung vor

Denn Gäste müssen der aktuellen Corona-Verordnung zufolge geimpft, genesen oder getestet sein. Zudem müssen eine Maske getragen, Kontaktdaten hinterlegt und Abstände eingehalten werden. In Heidelberg gibt es daher mittlerweile mehr als 27 Orte, an denen man sich auf das Coronavirus testen lassen kann. Nach Angaben der Stadt sind knapp 10 000 Schnelltest pro Tag möglich.

Die Hygieneauflagen warfen auch bei anderen Gastronomen Fragen auf. Deshalb blieben am Wochenende noch einige Türen geschlossen. Unter anderem fehlte auch noch Personal für Küche und Service. „Die Stimmung ist gut und viele probieren es aus, andere kommen später dazu“, sagt Melanie von Görtz, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) in Heidelberg. Die Gäste müssen zunächst etwa mit kleineren Speisekarten und Bereichen sowie mit weniger Mitarbeitern rechnen.

Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) sagte zum Start in der Universitätsstadt: „Wir freuen uns alle, dass es wieder losgeht. Das ist eine tolle Perspektive, aber auch eine riesige Herausforderung für Gastronomie und Hotellerie und eine große Verantwortung für uns alle.“ Vor Corona boomte der Tourismus am Neckar. 2019 zählte die Stadt 1,6 Millionen Gästeübernachtungen - ein Rekord-Wert. Die Zahl der Tagesgäste lag vor der Pandemie bei 12 Millionen im Jahr.

Herausforderung für die Gastronomie

Die Gastronomie darf aber noch nicht in allen Regionen des Landes wieder hochfahren. Voraussetzung: Die Sieben-Tage-Inzidenz muss in der jeweiligen Region an fünf Tagen nacheinander unter einem Wert von 100 liegen. Dann sind auch Lockerungen im Tourismus und in der Freizeit möglich. Aktuell ist das aber nur in wenigen Kommunen der Fall. Dazu gehören Freiburg und Heidelberg sowie der Main-Tauber-Kreis und die Kreise Emmendingen, Lörrach, Konstanz und Breisgau-Hochschwarzwald. Weitere dürften in der kommenden Woche folgen, darunter die Städte Böblingen und Baden-Baden.

Wegen der sehr unterschiedlichen Inzidenz-Werte warnte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband zuletzt vor einem „Landkreis-Hopping“. Im Zollernalbkreis liegt der Wert etwa bei 217,6 - in Heidelberg bei 46,4 (Stand Freitag). Matthias Kuhnlein setzt darauf, dass die Zahlen weiter sinken - und die Vorgaben für Gastronomen gelockert werden. Im Herbst will er dann den 30. Geburtstag seiner Kneipe groß feiern. „Wäre ja schlimm, wenn ich keine Hoffnung hätte!“

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