Niki Madunovic, Inhaberin des Haarkunst, macht eine der vielen Kundinnen mit gekonnten Handgriffen glücklich. Foto: Erb

Nach knapp vier Monaten staatlich angeordneter Corona-Zwangspause durften auch die Friseure im Kreis Freudenstadt die Scheren wieder in die Hand nehmen und die Kunden von ihren langen Wuschelmähnen befreien. Die Erleichterung ist groß.

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Kreis Freudenstadt - Der erste März steht schon jetzt wie kaum ein anderer Tag für die Corona-Pandemie. Eine Branche, deren Dienstleistung bislang wohl eher als selbstverständlich angesehen wurde, erwachte an diesem Montag aus ihrem langen Zwangs-Winterschlaf. Die Freude war dabei sowohl bei den Kunden als auch den Friseuren kaum zu übersehen.

"Als ich die Nachricht gehört habe, dass wir wieder öffnen dürfen, bin ich fast an die Decke gesprungen, so groß war die Freude", schaute Gabriele Vogt zurück. Schnell vergisst der Laie, welches Handwerk doch hinter diesem Beruf steckt, doch an dieem Tag waren alle dankbar. Niki Madunovic, Inhaberin des Salons "Haarkunst" in Freudenstadt, sprach in diesem Zusammenhang von einem "Event" für die Kunden. Eine weitere Kollegin gar von Geschenken, die ihr Team am Tag des Termins erreichten.

Den lange ersehnten Öffnungen gingen dabei allerdings auch einige Vorkehrungen voraus. Durch die Zehn-Quadratmeter-Regel darf längst nicht die ganze Arbeitsfläche benutzt werden. Viele Stühle bleiben frei, meistens dürfen sich nur wenige Kunden gleichzeitig im Laden aufhalten. Auch das Friseur-Team arbeitet bisweilen im Schichtsystem.

Melissa Öhrlein vom Salon Merlory ging während der Pandemie in die Selbstständigkeit. Dabei nutzte sie die Pause, um den Laden umzubauen. Doch die Situation war auch für sie schwierig: "Wir haben zwei Teilzeitkräfte und drei Minijobber. Für die war es natürlich besonders schwer." Wie Gabriele Vogt schulte auch Niki Madunovic während des Lockdowns die Lehrlinge an Übungsköpfen. Hinzu kamen Online-Seminare und Workshops, um die Zeit bestmöglich zu nutzen.

Bürokratie-Monster Hilfe

Neben den Sorgen des Lockdowns schlägt den Friseuren auch die wirtschaftliche Situation gehörig auf den Magen. Seit gut zwei Wochen ist es möglich, die Hilfspakete zu beantragen, doch selbst die Steuerberater stoßen bei den bürokratischen Anforderungen an ihre Grenzen. Diese müssten teilweise Seminare absolvieren, um den neuen Aufgaben Herr zu werden. Eine finanzielle Unterstützung sei dabei eigentlich mehr als nötig. So spricht Madunovic von "höchster Eisenbahn" und von einer "Mammutaufgabe" für die Steuerberater.

Gleichwohl sprachen alle Friseure von einer großen Freude, endlich wieder ihrer Arbeit nachgehen zu können. Solidarisch zeigten sich die meisten auch mit der Gastronomie oder dem Einzelhandel. "Mir tut jeder Selbstständige leid, der nachts nicht mehr schlafen kann, weil man Angst hat, kein Dach mehr über dem Kopf zu haben", sagte Öhrlein. Im nächsten Satz begründet sie die Entscheidung der Regierung mit den möglicherweise besser ausgearbeiteten Hygienekonzepten der Friseurbranche, die schon von Beginn an sehr streng gewesen seien. "Ich will mir da kein Urteil erlauben, aber ich fühl da unheimlich mit. Besonders die Kosmetiker tun mir leid, da wir mit ihnen eine Branche teilen", zeigte sich Madunovic solidarisch. Auch Gabriele Vogt sprach von einer großen Betroffenheit gegenüber dem Einzelhandel und der Gastronomie: "Ich versteh’s einfach nicht. Die Gastronomie hängt sich mit den Hygienekonzepten so rein. Ich verstehe auch nicht, wieso die kleinen Boutiquen nicht öffnen dürfen."

Ganz neue Frisurentrends

In Zeiten der Pandemie greifen die Bürger nach jedem Strohhalm, um am Ende des Tunnels beziehungsweise unter den Haarmassen wieder Licht zu sehen. Die Öffnung der Friseure sorgt zwar nicht alleine für dieses Licht, doch es reicht für einen Funken der Hoffnung. Viele haben den ersten März herbeigesehnt. Nicht nur, um sich einfach die Haare schneiden zu lassen, sondern wegen der Wiederaufnahme des gesellschaftlichen Lebens.

Am Ende stehen knappe vier Monate Pause für die Branche, die teilweise ganz neue Frisurentrends entstehen ließ. "Als Gesellschaft muss man zusammenhalten. Deswegen war die lange Pause nötig, aber am Ende ist sich jeder selbst der Nächste", gab eine Kollegin mit Blick auf die anderen Brachen schließlich ehrlich zu.

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