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Corona-Lockdown Schock sitzt bei Nagolder Wirten tief

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Sprachlos über den erneuten "Lockdown" in der Gastronomie ist Petra Geisler, Betreiberin des Naturfreundehaus in Nagold. Foto: Fritsch

Nagold - Die schlimmsten Befürchtungen der Gastronomen sind eingetreten. Ab dem 2. November wird es einen zweiten Lockdown geben. Sämtliche Gaststätten müssen bis Monatsende geschlossen bleiben. In Nagold geht es bei einigen Wirten nun um die Existenz.

Die Infektionszahlen steigen weiter und mit den Corona-Verordnungen geht es jetzt Schlag auf Schlag. Gerade erst verhängte das Landratsamt eine Sperrstunde für Gaststätten ab 23 Uhr, dann wurde am Mittwoch von Bund und Ländern der komplette Lockdown beschlossen. Ab dem 2. November müssen alle Gaststätten bis Monatsende geschlossen bleiben.

"Ein Schock für uns alle und eine Katastrophe für die gesamte Branche", sagt Martina Oliver-Sandhas. Sie betreibt in Nagold die Kneipe "Teufele" und ist Vorsitzende der Gastronomie-Fachgruppe im Gewerbeverein. Die Sperrstunde war abzusehen, andere Landkreise hatten schon vorgelegt. Aber mit dem plötzlichen Lockdown hätte auch sie nicht gerechnet: "Ich dachte, dass wir vielleicht noch eine Chance bekommen, offen zu bleiben."

"Doch etwas überraschend"

Dirk Müller, Betreiber des "Zwickel", sieht das ähnlich. "Mit weiteren Verschärfungen der Corona-Regeln hatte ich gerechnet. Aber dass die Gastronomie jetzt ganz zu machen muss, kam dann doch etwas überraschend."

Petra Geisler betreibt das Naturfreundehaus in Nagold und ist ebenfalls im Vorstand der Gastronomie-Fachgruppe. Auch sie ist sprachlos: "Wir sind alle erschlagen und frustriert. Uns fehlen die Worte." Der Schock sitzt tief in der Branche.

Die Folgen für die Gastronomie in Nagold könnten schwerwiegend sein, meint Oliver-Sandhas: "Jetzt sind Existenzen direkt bedroht." Da nütze es auch nicht viel, dass der kommende Lockdown deutlich kürzer sein soll, als der im Frühjahr und dieses mal ein Ende in Sicht ist. " Durch das harte Jahr fehlen die Rücklagen", sagt sie. Fraglich sei auch, ob es für die Wirte staatliche Hilfen geben werde und ob diese dann überhaupt ausreichen.

Gastronomen müssen kämpfen

Das alles bedeutet konkret: Die Gastronomen müssen kämpfen, um diesen Monat überhaupt zu überstehen. "Es wäre schade, wenn Nagold dadurch Gastronomie verlieren würde", sagt sie. "Ich hoffe, wir schaffen das. Ich drücke allen die Daumen." Die einmonatige Schließung ist für die Gastronomen in der Region bereits schlimm genug. Gerade auch für diejenigen, die in Heizpilze und Zelte investiert haben, um noch in den kühleren Monaten draußen bewirten zu können, so Geisler. Sie äußert allerdings noch schlimmere Befürchtungen: Dass der Lockdown verlängert wird. Beim ersten Lockdown habe man auch mit einem früheren Ende gerechnet und am Ende hatte sich dieser immer weiter hingezogen.

Sie macht deutlich, dass es nicht nur um die Existenz der Betreiber geht: "Ich bin auch für meine Mitarbeiter verantwortlich. Ich weiß nicht, wie es mit mir und ihnen weitergehen soll." Sie werde weiterhin einen Liefer- und Abholservice anbieten. Diesen habe sie im ersten Lockdown eingeführt und bis jetzt beibehalten. Ein richtiges Standbein sei das allerdings nicht: "Es ist eher ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagt sie. Als Betreiber einer Bar hat Müller diese Möglichkeit nicht: "Meine Einnahmen fallen zu 100 Prozent weg. Der ganze November ist verloren." Der Lockdown sei wirtschaftlich ein Schlag ins Gesicht.

Verständnis für die drastische Maßnahme haben alle drei nicht. Weil einerseits Existenzen nun direkt bedroht sind und weil an der Effektivität der Maßnahme zu zweifeln ist, meint Oliver-Sandhas. Gastronomen würden strengstens auf die Einhaltung der Hygienevorgaben achten und seien quasi "Aufpasser", die sicherstellen, dass die Gäste sich Corona-konform verhalten. Der Lockdown könnte zur Folge haben, dass viele sich nun stattdessen privat, womöglich auch im Geheimen, treffen und dabei die Corona-Regeln nicht beachtet werden. Müller meint auch, dass diese Möglichkeit besteht. An einen sprunghaften Anstieg von Corona-Partys glaubt er allerdings nicht. "In den Großstädten könnte das aber anders aussehen."

Für großen Frust bei allen drei sorgt, dass sich die Gastronomen größte Mühe geben, die Hygienebestimmungen einzuhalten und jetzt trotzdem wieder schließen müssen. Es sei bisher nicht bekannt, dass es in den Gaststätten verstärkt zu Infektionen kommen würde, meint Geisler. "Wir haben wirklich alles gemacht. Trotzdem müssen wir jetzt schließen. Da fühlt man sich machtlos", sagt sie. Oliver-Sandhas fasst es knapp zusammen: "Es ist beschlossene Sache und wir müssen uns fügen. Es wird auf jeden Fall hart werden für uns alle."

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