Schlange stehen fürs Impfen: Ärzteinitiativen wie hier in der Höllgasse in Rottweil decken einen großen Teil des Bedarfs ab. Der Kreis startet nun am Freitag mit seinem Stützpunkt in der Marienstraße in Rottweil und will auch in Schramberg und Sulz aktiv werden. Foto: Otto

Trotz leicht sinkender Inzidenz spricht das Landratsamt in der Telefonkonferenz am Donnerstag keineswegs von Entspannung. Täglich registriert das Gesundheitsamt im Kreis Rottweil rund 150 neue Corona-Fälle. 1900 Menschen seien derzeit in Absonderung – davon seien 70 Prozent ungeimpft. Das kreiseigene Impfangebot soll weiter ausgebaut werden.

Kreis Rottweil - "Leider wächst auch die Zahl der Todesfälle wieder", bedauert Landrat Wolf-Rüdiger Michel. Zwischen drei bis zehn Tote im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion seien es derzeit pro Woche im Landkreis. Für Michel ist es nun erfreulich, dass Berlin "die Lage verstanden" habe, und nun doch zu schärferen Maßnahmen bereit sei.

Michel: Freiwillig auf Kontakte verzichten

Die schwierige Lage zwinge dazu, die Menschen auch zu freiwilligem Verzicht von Kontakten aufzurufen. Positiv bewertet er das steigende Impfinteresse. Die Impfquote im Kreis Rottweil habe um 0,9 Prozent auf 63,3 zugelegt. Bislang sei der Anstieg geringer gewesen. Man liege in Sachen Vollimmunisierung nun noch leicht unter dem Landesschnitt von 64,1.

Hospitalisierung: von 13 Patienten zwölf ungeimpft

Dennoch: Laut Stephan Vilgis vom Gesundheitsamt spitzt sich die Lage in den Kliniken weiter zu. Aktuell könnten zwölf Intensivbetten vorgehalten werden, die alle belegt seien, davon seien acht Covid-Patienten, fünf werden beatmet. In den letzten 14 Tagen seien 13 Corona-Patienten zwischen 45 und 90 Jahren hospitalisiert worden, davon seien zwölf nicht geimpft. Andere Aussagen oder Gerüchte, dass die Hälfte der Patienten geimpft seien, seien schlichtweg falsch, sagt Vilgis. Insgesamt seien bei den aktuell bekannten Corona-Fällen weiterhin die Jüngeren betroffen. Die Datenlage ergibt laut Vilgis, dass davon 70 Prozent zur Gruppe der impffähigen Zwölf- bis 59-Jährigen gehören. Die Folge der hohen Fallzahlen: Die Inzidenz im Kreis Rottweil ist mit rund 712 weiter auf sehr hohem Niveau.

Kreuzimpfung beim Boostern

Zum Start des Kreis-Impfstützpunkts in der Marienstraße 2 am Freitag stellt Michel klar, dass es keine freie Auswahl zwischen den Impfstoffen Biontech und Moderna geben werde, da der Biontech-Impfstoff nicht in gewünschter Menge vorhanden sein. Laut Martine Hielscher von Gesundheitsamt wird die Booster-Impfung bei Personen über 30 Jahren mit Moderna vorgenommen, bei Jüngeren und Schwangeren mit Biontech. Vorteil von Moderna sei, dass eine geringere Impfdosis benötigt werde und bei einer Booster-Impfung mit Moderna nach der Impfung mit Biontech der Kreuzimpfungseffekt entstehe. Dies sorge laut Hielscher für einen besseren Antikörperstatus. Die Booster-Impfung werde grundsätzlich nach sechs Monaten vorgenommen, sei teilweise aber auch früher möglich.

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Stützpunkte in Schramberg und Sulz

Der Erste Landesbeamte Hermann Kopp verwies darauf, dass man in Zusammenarbeit mit dem Schwarzwald-Baar-Kreis die Koordination von zwei Mobilen Impfteams übernommen habe und mit neuen Impfstützpunkten in Schramberg und Sulz nun zwei weitere Kreisbereiche abdecken wolle. In Sulz wird der Stützpunkt im Foyer des Backsteinbaus untergebracht, in Schramberg in der "Szene 64".

Impfstoff weiter knapp

Allerdings: Wie viel Impfstoff dort zur Verfügung stehen wird, ist noch unklar. Schon für den Stützpunkt in Rottweil ist der Impfstoff begrenzt. Mit 1000 Dosen Biontech – von denen das Meiste für die Aktionen in den Heimen weggeht – und 1500 Dosen Moderna müsse man erst einmal bis übernächste Woche über die Runden kommen, erklärt Martine Hielscher. In den neuen Impfstützpunkten könne es eventuell in 14 Tagen losgehen, schätzt Hermann Kopp die Lage ein. Voraussichtlich könnten Aktionen dann nur an einem oder zwei Tagen pro Woche stattfinden. Und Personal werde auch noch gebraucht. Landrat Michel betont in diesem Zusammenhang den hohen Stellenwert, den die Arbeit der Mobilen Impfteams in den Heimen und Behinderteneinrichtungen genießt.Dort gibt es laut Thomas Seeger, Leiter des Ordnungsamts im Landratsamt, leider mehrere "Einschläge": in der Altenpflege gebe es 14 infizierte Bewohner, davon fünf ungeimpft und neun geimpft. Klar, sei, dass in den Heimen die Impfquote recht hoch sei. Die geimpften Bewohner hätten zumeist schwache Symptome, so Seeger. In der Behindertenhilfe gebe es 15 ungeimpfte Fälle und 23 geimpfte. Hier seien die Bewohner mobiler und teilweise übers Wochenende in den Familien. Bei den Beschäftigten in den Einrichtungen gebe es aktuell 13 Infizierte, davon sieben ungeimpft und sechs geimpft.

Auch in den Schulen ist das Virus präsent: In sieben Schulen seien aktuell Klassenverbände betroffen, erklärt Stephan Vilgis. Man sei aber dabei, die Lage in den Griff zu bekommen. Außerdem gebe es Ausbrüche in drei Firmen. Auf Nachfrage, ob es Hinweise gebe, dass Ausbrüche auf die Gastronomie zurückzuführen seien, sagt Vilgis, hierzu habe man keinerlei Hinweise.

Noch kein Omikron-Nachweis

Immerhin: Die Omikron-Variante sei – bislang – noch nicht im Landkreis Rottweil nachgewiesen worden. Zwar gebe es einen Verdachtsfall, der sich in Absonderung befinde. Der Verdacht liege aber nur wegen einer zurückliegenden Reise vor. Symptome habe die Person nicht. Zweifellos sei die Omikron-Variante aber schon in Baden-Württemberg angekommen. Wie auch bisher zeige sich, dass das Virus an Grenzen nicht Halt mache.